Fußball

RW Oberhausen scheitert im Pokal auch an sich selbst

Verlebte einen bitteren Abend: Stürmer Tarik Kurt (Mitte) hatte gleich mehrfach die Chance, RWO auf die Siegerstraße zu bringen, scheiterte aber wie hier auch an der Velberter Abwehrreihe mit Noah Abdel Hamid (l.) und Ex-Kleeblatt Felix Haas.

Verlebte einen bitteren Abend: Stürmer Tarik Kurt (Mitte) hatte gleich mehrfach die Chance, RWO auf die Siegerstraße zu bringen, scheiterte aber wie hier auch an der Velberter Abwehrreihe mit Noah Abdel Hamid (l.) und Ex-Kleeblatt Felix Haas.

Foto: Lars Heidrich

Oberhausen.   Mit dem 5:6 (1:1, 1:0) nach Elfmeterschießen gegen die SSVg Velbert erlebt RWO in der 2. Niederrheinpokalrunde einen ganz bitteren Abend.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es war kurz nach 22 Uhr, als Velberts Sebastian Spinrath den entscheidenden Strafstoß im Elfmeterschießen gegen RWO in der zweiten Runde des Niederrheinpokals verwandelte und damit den Titelverteidiger frühzeitig aus dem Wettbewerb schoss. Während die Gäste ihren 6:5-Überraschungscoup ausgelassen feierten, schritten die Kleeblätter mit hängenden Köpfen langsam Richtung Kabineneingang. Dabei war es wohl weniger die Enttäuschung, vom Punkt nicht die Nerven behalten zu haben, als die Tatsache, dass es die Rot-Weißen gar nicht so weit hätten kommen lassen dürfen.

Denn eigentlich verlief der Start für die Mannschaft von Linienchef Mike Terranova genau so, wie es sich die Fans gegen einen unterklassigen Gegner wünschen, nämlich mit einem frühen Treffer. Bereits nach drei Minuten sorgte Außenverteidiger Tim Hermes nach Vorlage von Dominik Reinert per trockenen Volley ins lange untere Ecke für die Führung. Der Großteil der 710 Fans im Stadion Niederrhein – nur die Haupttribüne war an diesem Abend geöffnet – hatte wohl jetzt die leichte Hoffnung, einen entspannten Abend zu verleben.

Ausgleich fünf Minuten vor dem Ende

Im Vergleich zum Spiel in Bonn hatte Terranova nicht nur zweimal gewechselt – März für Schumacher, Reinert für Eggersglüß – sondern auch mit zwei Spitzen agiert. Während Shaibou Oubeyapwa über die 120 Minuten blass blieb, hatte Kurt wie in Minute zehn gleich mehrfach die Chance, auf 2:0 zu stellen. Doch sein Schuss aus 20 Metern kratzte Gästekeeper Philipp Sprenger noch so gerade aus dem Eck. Die Gäste dagegen brauchten etwas, um selbst vorne aktiv zu werden, hatten aber dann zehn Minuten vor der Pause die große Gelegenheit zum Ausgleich, als der Kopfball von Ex-RWO-Kicker Michael Smykacz denkbar knapp an Robin Udegbes Kasten vorbei ging.

In Hälfte zwei dauerte es bis zur 61. Minute, ehe mal wieder eine Möglichkeit für die Hausherren heraussprang. In Bedrängnis bekam Yassin Ben Balla aber nicht mehr genügend Dampf hinter seinen Kopfball nach Vorarbeit von Hermes. Dampf machten dann ab der 80. Minute aber die Gäste. Mehrfach mussten die RWO-Anhänger den Atem anhalten - besonders bei der scharfen Hereingabe von Aliosman Aydin, die glücklicherweise an sämtlichen Abwehrbeinen vorbeirauschte (80.). Auf der anderen brachte Kurt einen Konter nicht im Netz unter (81.). Das sollte sich rächen: Einen Fehlpass von Hermes nutzte Michael Smykacz für die Flanke auf Robert Nnaji, der völlig frei zum Ausgleich einköpfte (85.).

Unglücksrabe Marvin Lorch

Verlängerung war angesagt und in der nahm das Offensivspiel von RWO endlich wieder an Fahrt auf. Doch sowohl der Schuss durch den eingewechselten Philipp Eggersglüß (92.), als auch der Abschluss aus der Distanz durch Oubeyapwa fanden nicht den Weg ins Gästegehäuse. Noch knapper machte es Kapitän Patrick Bauder, dessen Ball nur auf die Latte tippte (113.).

Somit musste die Entscheidung vom Elfmeterpunkt fallen. Hier verwandelte zunächst ein Schütze nach dem anderen sicher. Unglücksrabe war dann schließlich Marvin Lorch, der als vierter RWO-Schütze an Sprenger scheiterte. Zwar verwandelte Bauder danach den letzten Elfer für RWO, doch wie zu Beginn erwähnt ließ sich Spinrath die Chance auf die Überraschung nicht mehr nehmen.

RWO: Udegbe; Reinert, Nakowitsch (52. Lorch), Klaß, Hermes (91. Eggersglüß), Ben Balla, Bauder, März (70. Schumacher), Odenthal (52. Jordan), Oubeyapwa, Kurt.

SSVg Velbert: Sprenger; Mondello, Abdel Hamid, Haas (96. Talarski), Smykacz, Wagener (62. Machtermes), Spinrath, Kray (46. Uzun), Talarski, Nnaji, Schiebener (74. Aydin).

Tore: 1:0 Hermes (3.), 1:1 Nnaji (85.). Elfmeterschießen: 2:1 Schumacher, 2:2 Talarski, 3:2 Klaß, 3:3 Uzun, 4:3 Kurt, 4:4 Aydin, Lorch verschießt, 4:5 Mondello, 5:5 Bauder, 5:6 Spinrath.

Zuschauer: 710.

Die Stimmen zum Spiel:

Mike Terranova (RWO-Trainer): Wir sind tief enttäuscht. Wir hatten den Bonus, dass wir zu Hause antreten konnten, gehen früh in Führung und auch die Chancen um nachzulegen waren da. Leider haben wir das aber verpasst, sind in der Folge etwas passiver geworden und haben den Gegner so unnötig stark gemacht. Nach dem Ausgleich hat die Mannschaft gemerkt, sie muss wieder mehr investieren. Doch manchmal kann man das Glück eben nicht erzwingen. Trotzdem will ich nichts schön reden. Wir haben uns das ganz anders vorgestellt. Jetzt müssen wir den ganzen Fokus auf die Meisterschaft legen, wo es jetzt knallen muss. Da sollte nun ein Sieg nach dem anderen geholt werden. Das muss auch unser Anspruch sein. Es bringt jetzt nichts, über die Situation oder diese vergebene Chance zu diskutieren, es ist halt so wie es ist. Es tut zwar richtig weh, aber im Augenblick geht es für mich darum, so schnell wie möglich aus dieser Gefühlslage rauszukommen.

Alexander Voigt (Velbert-Trainer): Das ist natürlich eine tolle Sache für uns. Die ganze Mannschaft hat buchstäblich ihr Herz in beide Hände genommen und einen tollen Pokalfight abgeliefert. Und das, obwohl wir mit dem frühen 0:1 einen katastrophalen Start hingelegt haben. Aber die Jungs haben sich danach immer mehr in die Partie hineingearbeitet und sind zu Chancen gekommen. Mit dem Sieg sollten wir die Pleite aus dem Stadtderby wohl weggemacht haben.

Patrick Bauder (Kapitän): Wir müssen nicht lange die Schuld bei anderen suchen. Nur wir selbst sind an diesem Ausscheiden schuld. Das wir im Elfmeterschießen ausscheiden tut zwar weh, aber wir dürfen es erst gar nicht soweit kommen lassen. Die Chancen waren ja da, das Ding zu entscheiden. Dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass diese Pleite keinen Knacks für die Liga bedeuten wird. Klar ist aber auch, wir müssen jetzt unbedingt nachlegen und das eben schon am Samstag gegen Wiedenbrück.

Dario Schumacher (Sechser): Eigentlich sind wir richtig gut ins Spiel gekommen, haben es dann aber zunehmend selbst aus der Hand gegeben. Trotzdem hatten wir viele gute Chancen nach vorne. Nur haben wir wie in den vergangenen Wochen zu wenig daraus gemacht. Und der Pokal hat seine eigenen Gesetze, so dass solche Fahrlässigkeiten am Ende bestraft werden. Im Elfmeterschießen dann zu verlieren ist natürlich bitter, auch wenn da immer ein Quäntchen Glück dazugehört.

Felix Haas (Ex-RWO Innenverteidiger): Wenn man die gesamten 90 Minuten betrachtet, ist das Weiterkommen aus meiner Sicht nicht unverdient. Wir haben etwas gebraucht, um ins Spiel zu finden, aber spätestens ab Halbzeit zwei war es ein ausgeglichenes Duell. Für meine RWO- Kollegen tut es mir natürlich leid. Ich habe fünfeinhalb Jahre für den Club gespielt und ich weiß, was in den Jungs jetzt vorgeht. Aber ich bin jetzt Spieler von Velbert, sodass ich natürlich froh bin, dass wir eine Runde weiter sind. Einen Wunschgegner habe ich aber nicht. Allerdings: Wer RWO schlagen kann, der muss sich vor niemanden verstecken.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben