Nachruf auf Rudi Reichert

Ohne Rudi Reichert gäbe es RWO nicht mehr

Sie halfen RWO in ganz schweren Zeiten: Manfred Könning, Rudi Reichert, Willi Timm und Willi Bolten.

Sie halfen RWO in ganz schweren Zeiten: Manfred Könning, Rudi Reichert, Willi Timm und Willi Bolten.

Foto: NRZ

Oberhausen.  Der ehemalige RWO-Präsident Rudi Reichert verstarb jetzt im Alter von 75 Jahren. Er hat sich um den Verein verdient gemacht. Ein Nachruf.

Am Abend des 15. August ist der frühere Direktor des Arbeitsgerichts Oberhausen und ehemalige Präsident des SC Rot-Weiß Oberhausen, Rudolf Reichert, den Folgen eines Schlaganfalls erlegen. Rudolf Reichert wurde 75 Jahre alt, ein Nachruf.

Wer mehr als drei Jahrzehnte lang in einer Stadt das Arbeitsgericht gewissermaßen „ist“, muss schon Qualitäten mitbringen, die andere nicht in diesem Umfang aufweisen. Rudi, wie er allgemein hieß, Reichert, war so ein Mann.

Mit Ecken und Kanten

Als Jurist mit allen Ecken, Kanten und Winkeln speziell des Arbeitsrechts vertraut, befand er sich doch stets auf der Suche nach „Gerechtigkeit“, die geschriebenem Recht bekanntlich nicht immer innewohnt.

Entsprechend bemühte er sich um Ausgleich, um Mäßigung, um das Moderieren von Abläufen. Dass er sich nach seiner Pensionierung vor zehn Jahren noch als Anwalt (Fachrichtung: Arbeitsrecht) niederließ, passte zu ihm. „Soll ich den ganzen Tag zu Hause rumsitzen und meiner Frau auf den Geist gehen ?“, fragte er rhetorisch bei einer der vielen Begegnungen, die man immer wieder hatte.

Viel zu Fuß unterwegs

Es gab Zeiten, da traf man Rudi Reichert irgendwie ständig. Der Mann war viel unterwegs, vor allem aber so gut wie immer zu Fuß unterwegs. Dass es am fälligen „Einkehrschwung“ nicht fehlen wollte, gehörte zu ihm ebenso wie das meist temperamentvolle Extemporieren über den Lauf der Zeit und besonders den Fußball.

Der Fußball war ein paar Jahre lang die andere große Leidenschaft des leidenschaftlichen Familienvaters. Dass zwei Söhne bei Rot-Weiß Oberhausen schon als Kinder und Jugendliche aktiv waren, hatte nicht zuletzt dazu geführt, dass er in den ganz dunklen Kleeblatt-Zeiten, in den Jahren zwischen 1988 und 1992, Verantwortung übernahm. „Ich habe zwar keine Ahnung vom Fußball, aber es muss hier ja weitergehen.“

Mit dem altgedienten rot-weißen Handballer Willi Bolten und dem einstigen Hockey-Torwart und Unternehmer Wilhelm Timm (der auch zwei Söhne bei RWO spielen hatte) bildete Reichert das Trio, das den Traditionsverein mit knapper Not lebendig hielt und vor dem Untergang rettete.

Geschickt Fäden gezogen

Dabei zog Reichert geschickt Fäden, knüpfte irgendwann in den frühen 90ern vor allem wieder die abgerissenen Fäden zu Hermann Schulz zusammen, besorgte so bitter benötigtes Geld. Ohne Reichert, das steht fest, hätte RWO damals sogar die Viertklassigkeit nicht mehr halten können. Später entfernte er sich auch innerlich vom Vereinsgeschehen, besuchte zwar noch regelmäßig die Heimspiele, aber trat weder in Versammlungen noch Gremien in Erscheinung.

Rudi Reichert war ein knorriger Mensch, bisweilen kauzig, und in der oft rauen Schale steckte ein weicher Kern, der vor allem seiner Familie gehörte.

Von der Familie verabschiedet

Die letzten drei Wochen durfte er zu Hause verbringen, Sohn Benjamin sagte uns: „Die ganze Familie war versammelt. Wir konnten uns in Ruhe verabschieden. Wir sind jetzt traurig, aber auch sehr froh.“

Tschüss Rudi!

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