FELDHOCKEY

„Harvestehude war damals eigentlich die Übermannschaft“

Arndt Herzbruch in seinem Elemtent – hier als Trainer der zweiten Uhlenhorster Mannschaft.

Arndt Herzbruch in seinem Elemtent – hier als Trainer der zweiten Uhlenhorster Mannschaft.

Foto: Jörg Schimmel

Trainer Arndt Herzbruch erinnert sich an den letzten Meistertitel des HTC Uhlenhorst 1997. Der 57-Jährige sieht gewisse Parallelen zu heute.

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Am Sonntag hat der HTC Uhlenhorst die Chance, deutscher Meister im Feldhockey zu werden – genau 20 Jahre nach dem letzten Titel. Tatort ist damals wie heute die Rhein-Neckar-Region: 1997 Bad Dürkheim, 2017 Mannheim. Der letzte Uhlenhorster Meistertrainer erinnert sich.

Bei der Frage, wer beim letzten nationalen Triumph der goldenen Generation an der Seitenlinie des HTCU stand, bringen viele den Namen Stefan Kleine ins Gespräch. Doch der Trainer der letzten Meistermannschaft war Arndt Herzbruch.

„Ich habe mich zur Verfügung gestellt, nachdem Stefan Kleine aufgehört hat“, erzählt Herzbruch. Der Verein befand sich damals am Anfang einer Umbruchphase. Klubgrößen wie Carsten Fischer hatten die Schuhe bereits an den Nagel gehängt, andere wie Dirk Brinkmann absolvierten ihre letzte Saison.

Zwar gehörten die Uhlenhorster mit ihrem Aufgebot immer noch zu den besten Mannschaften, der große Favorit kam aber aus Hamburg. „Harvestehude galt damals eigentlich als Übermannschaft“, erinnert sich Arndt Herzbruch. Doch in der Hinrunde konnte der HTCU den großen Widersacher bereits klar schlagen. Die Hamburger wurden offensichtlich nervös und legten auf dem Transfermarkt nach. „Sie haben sich einen pakistanischen Ausnahmespieler geholt, der aber nicht spielberechtigt war“, erzählt Herzbruch. Der HTHC-Neuzugang hatte bereits Profispiele in Bangladesch absolviert. „Es waren damals die Anfänge des Internets und dadurch ist es ans Licht gekommen“, so der damalige HTCU-Coach.

Hamburgern wurden mehrere Punkte abgezogen

Den Hamburgern wurden mehrere Punkte abgezogen, so dass der vermeintliche Favorit die Endrunde der besten vier Teams verpasste. Mit dem Gladbacher HTC stand den Uhlenhorstern der stärkste Gegner schon im Halbfinale gegenüber. Durch einen knappen Sieg zog der Rekordmeister ins Endspiel ein. „Das war dann eigentlich ein Selbstläufer“, erinnert sich Herzbruch. Seine Mannschaft fegte den SC Frankfurt 80 mit 6:1 vom Platz und holte sich die bis heute letzte Meisterschaft der Klubgeschichte.

Ein Jahr später spielten die „Uhlen“ noch einmal gemeinsam beim Europapokal und wurden Dritter. Danach gab es zahlreiche Rücktritte und die erfolgreiche Mannschaft brach auseinander. Auch für Herzbruch war im Mai 1998 an der Seitenlinie Schluss.

Herzbruch hat zahlreiche Talente hervorgebracht

Dem HTCU ist er aber bis heute als Trainer im männlichen Nachwuchsbereich erhalten geblieben und hat dort zahlreiche Talente hervorgebracht – nicht zuletzt seinen Sohn Timm, der mit 19 Jahren bereits zu den Leistungsträgern der aktuellen Bundesligamannschaft gehört.

Wenngleich der Generationswechsel heute schon deutlich mehr vorangeschritten ist als damals, sieht Herzbruch dennoch gewisse Parallelen zwischen den beiden Uhlenhorster Teams. „Viele Chancen werden die Routiniers wie Stralkowski oder Matania nicht mehr bekommen, um Deutscher Meister zu werden“,

„Trainer der ersten Herren kann ich mir nicht mehr vorstellen“

Durch seinen Sohn ist der heute 57-Jährige freilich bestens über die Mannschaft informiert. „Ich weiß, dass sie sehr angriffslustig sind“, sagt Arndt Herzbruch. Diesmal kommt es zum Duell gegen Harvestehude, die Vorzeichen sind aber deutlich ausgeglichener als vor 20 Jahren. „Es ist möglich sie zu schlagen und die Kölner werden uns im Finale fürchten“, glaubt Herzbruch.

Bleibt die Frage, warum Herzbruch nie die Ambitionen hatte, als Bundesligatrainer an die Seitenlinie zurückzukehren. „Ich war 27 Jahre lang beim ETuF Essen Trainer der Damen – von der Oberliga bis zur Bundesliga in der Halle und auf dem Feld“, berichtet er und führt aus: „Heute Trainer der ersten Herren zu sein, ist ein Fulltimejob. Das kann man mit dem, was ich heute mache, nicht unter einen Hut bringen. Jedenfalls nicht auf dem Niveau. Das kann ich mir mittlerweile nicht mehr vorstellen“. Mit seiner Rolle als „Chefausbilder“ scheint der 57-Jährige aber glücklich.

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