Fußball-Talk

Neururer und Schacht sorgen sich um Schalke 04 und den MSV

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Wäre für Schalke im Abstiegskampf zu haben gewesen: Trainer-Legende Peter Neururer.

Wäre für Schalke im Abstiegskampf zu haben gewesen: Trainer-Legende Peter Neururer.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Am Niederrhein  Im Livestream-Talk mit Dietmar Schacht sagt der 65-Jährige, dass er als Trainer bereitstünde, falls ein Anruf vom Bundesligisten kommt.

Kaum jemand kennt den Fußball im Ruhrgebiet so gut wie Dietmar Schacht und Peter Neururer. Viel haben die beiden Legenden erlebt, und dementsprechend viel haben sie zu erzählen. So war es auch bei der Gesprächsrunde, die von der Volksbank Niederrhein organisiert und per Livestream über Youtube und Facebook im Internet übertragen wurde. Knapp 200 Zuschauer folgten der Diskussion.

Verwöhnt wurden sie mit mehr als 90 Minuten Klartext von zwei „echten Charaktertypen“. Mit diesen Worten hatte Moderator Guido Lohmann die beiden Legenden begrüßt. Der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Niederrhein, der bekanntlich auch den Moerser Volleyball-Zweitligisten MSC unterstützt, hatte Schacht und Neururer einst noch selbst von der Tribüne aus zugejubelt.

Seit 30 Jahren eine Dauerkarten bei Schalke 04

Lohmann ist seit seinem neunten Lebensjahr Fan des FC Schalke 04 und besitzt seit 30 Jahren eine Dauerkarte. Bevor kräftig über die prekäre Situation der Königsblauen debattiert wurde, packten die prominenten Gäste am Mikrofon noch die eine oder andere spannende Anekdote aus ihrer erfolgreichen Laufbahn aus.

Dietmar „Didi“ Schacht schrieb sein ereignisreiches Leben als Profi kürzlich in seinem Buch „Der Kämpfer – Schicht im Schacht“ nieder. Neben seiner Tätigkeit als Autor ist der 58-Jährige vielen Niederrheinern zudem durch seine rollende Currywurst-Bude bekannt.

Neururer rettete Schalke 1989 vor dem Abstieg in die Drittklassigkeit

Auch am Kultstatus von Peter Neururer gibt es wahrlich keine Zweifel. 1989 rettete der „Feuerwehrmann“ die Schalker vor dem Absturz in die Drittklassigkeit. Für seinen ehemaligen Spieler Dietmar Schacht wäre der 65-Jährige zum jetzigen Zeitpunkt erneut genau der Richtige gewesen, um den Abstieg zu verhindern. „Er spricht die richtige Sprache und macht ordentlich Feuer“, sagte der Publikumsliebling von damals.

Wie groß ihre Verbindung zum FC Schalke 04 nach wie vor ist, war in den Antworten stets zu spüren. Dabei ist allerdings anzumerken, dass Schacht und Neururer am Freitagabend während ihres Gesprächs noch nicht ahnen konnten, dass die Schalker am Samstagabend ihren ersten Saisonsieg feiern würden. Mit 4:0 gewann Königsblau gegen die TSG Hoffenheim. Somit bleibt Tasmania 1900 Berlin, Absteiger der Saison 1965/66, alleiniger Negativrekord-Inhaber von 31 Bundesliga-Spielen in Serie ohne Sieg.

Nur Relegationsplatz für Schalke noch realistisch

Mehr als das Erreichen des Relegationsplatzes hält jedoch auch Neururer aktuell nicht mehr für realistisch. Der für seine detailgetreue Analyse bekannte Fußball-Lehrer wünscht sich nichts sehnlicher als den Klassenerhalt seines Herzensklubs FC Schalke 04. „Klappt es nicht, müssen irgendwie Schalke denkende Investoren her, damit wir zumindest die Lizenz für die Zweite Liga bekommen. Sonst droht die Regionalliga“, so Neururer. In einem Punkt waren sich beide Experten einig. Große Verantwortung für die Abwärtsspirale trage der ehemalige Manager Christian Heidel. „Schalke war für ihn eine Nummer zu groß“, sagte Schacht.

Vom fehlenden „Schalke-Gen“ über eine schlechte Scouting-Abteilung bis hin zu falschen Selbsteinschätzungen und viel zu hoch bezahlten Spielergehältern: Die Kette der falschen Entscheidungen sei lang. Tradition allein würde in heutigen Zeiten nicht mehr ausreichen. „Viele Vereine leben in der Vergangenheit weiter“, sagte Schacht. Ein Phänomen, das beispielsweise auch auf den Hamburger SV zutrifft. Der werkelt nun schon in der zweiten Saison im Bundesliga-Unterhaus.

Auch die Zuschauer diskutieren mit

Immer wieder nahmen am Freitagabend auch Zuschauer an der Diskussion teil. Unzählige Fragen gingen ein, so dass auf die 90-minütige Talkrunde noch eine Nachspielzeit oben drauf gepackt wurde. Viele davon drehten sich rund um den MSV Duisburg, einen weiteren ehemaligen Arbeitgeber von Peter Neururer und Dietmar Schacht.

Die Zebras taumeln derzeit dem Abstieg in die Regionalliga West entgegen, sind nach dem 1:2 am Sonntag beim FC Ingolstadt nun sogar Tabellenletzter. Die Rückkehr von Trainer Gino Lettieri im November rief bei den Anhängern viel Kritik und teils heftige Reaktionen hervor.

Neururer glaubt an Klassenerhalt des MSV Duisburg

„Der Zeitpunkt war eine reine Katastrophe“, sagte Neururer über den Wechsel auf der Trainerbank mitten in der Saison. Der 65-Jährige ist dennoch überzeugt davon, dass der MSV der Dritten Liga erhalten bleibt, um im Sommer – sofern die Finanzen stimmen – einen neuen Anlauf Richtung Zweitliga-Aufstieg zu starten.

Mehr als sechs Jahre hat Neururer nach seiner zweiten Amtszeit beim VfL Bochum im Profifußball nicht mehr an der Seitenlinie gestanden. Ein mögliches Comeback des Kult-Trainers beschäftigte das Netz am meisten. Würde Neururer tatsächlich noch einmal als Retter zur Verfügung stehen?

Neururer würde nur noch für Schalke oder Köln arbeiten

„Ich habe für mich einen klaren Strich gezogen. Trainer mache ich nur noch für den 1. FC Köln und den FC Schalke 04“, sagte Neururer. Sollte womöglich irgendwann der Anruf von S04-Sportvorstand Jochen Schneider kommen, stünde er bereit.

Neururer wüsste genau, wie er die Spieler von der Leistung und Einstellung wieder an seine Grenzen bringt. Das hat er schon oft genug bewiesen.

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