Kreisliga-Randale

Neue Vorwürfe gegen TuS Asterlagen nach Skandalspiel

Szenen eines Skandalspiels: Die Partie TuS Asterlagen gegen SV Büderich war nach der Attacke auf den Schiedsrichter abgegbrochen worden. Am Mittwochabend tagte deshalb die Spruchkammer des Fußballkreises Moers.

Szenen eines Skandalspiels: Die Partie TuS Asterlagen gegen SV Büderich war nach der Attacke auf den Schiedsrichter abgegbrochen worden. Am Mittwochabend tagte deshalb die Spruchkammer des Fußballkreises Moers.

Foto: FUNKE Foto Services

Duisburg/Moers.  Die Attacke auf Schiedsrichter hat Folgen für Kicker und Betreuer. Den TuS Asterlagen erwartet ein neues Verfahren. Im Mittelpunkt: der Trainer.

Am Ende eines dreieinhalbstündigen, hitzigen Abends im Versammlungsraum des SCI-Gebäudes am Moerser Hanns-Albeck-Platz sortierte Heinz Kremers noch penibel die Stuhlreihen. Ordnung muss sein. Und auf fünf Minuten kam es, eine halbe Stunde vor Mitternacht, auch wirklich nicht mehr an. Kremers, seit 15 Jahren Vorsitzender der Spruchkammer im Fußballkreis Moers, hatte kurz zuvor mit seinen beiden Mitstreitern Dunja Gooßens (Borussia Veen) und Sven Dielkus (FC Meerfeld) die längste Sperre seiner Laufbahn ausgesprochen.

Der Funktionär vom kleinen Rheinberger Klub SV Viktoria Birten verhängte zwar für die Übeltäter beim TuS Asterlagen, die beim Spielabbruch in der Kreisliga-B-Relegation gegen den SV Büderich (3:0) gegen die Schiedsrichter gewalttätig geworden waren, nicht „lebenslänglich“. Das wären auf Amateurfußball-Ebene acht Jahre gewesen.

Betreuer und Spieler müssen Anti-Gewalt-Kurs belegen

Aber sieben Jahre Sportverbot für Mannschaftsbetreuer Oguzhan Aknur sowie fünfeinhalb Jahre Sperre für Spieler Kemir Kücük, der als Verursacher des Spielabbruchs auch noch mit 150 Euro zur Kasse gebeten wurde, waren durchaus ein Brett.

Beide dürfen sich zudem 18 und zwölf Monate bei Spielen des TuS Asterlagen nicht mehr auf dem entsprechenden Sportplatz blicken lassen. Dazu müssen beide einen Kurs in Anti-Gewalt-Prävention beim Fußballverband Niederrhein absolvieren.

Der wie Kücük gegen Büderich des Feldes verwiesene Verteidiger Ömer Camuralioglu wurde wegen Spucken eines Kaugummis gegen einen Gegenspieler zu fünf Monaten Spielsperre verdonnert. Die Partie gegen Büderich wurde nachträglich mit 2:0 für die Gäste gewertet. Das hatte aber keinen Einfluss mehr darauf, dass sich der TuS Xanten als Gewinner der Dreier-Relegation über den Aufstieg in die Kreisliga A freuen durfte. Die Asterlager müssen in der kommenden Hinrunde sämtliche Spiele auf eigene Kosten unter eine Kreis-Aufsicht stellen lassen.

Asterlagen zahlt 750 Euro in Verbandskasse

Wegen unsportlichen Verhalten zahlt Asterlagen 750 Euro in die Verbandskasse. Hinzu kommen noch 182 Euro für diverse Verfahrenskosten, für die der TuS und seine drei Bestraften grade stehen müssen.

„Ich finde, das Urteil ist gerecht. Natürlich haben die Asterlager Reue gezeigt. Und die Wucht mancher Schlagzeile, die deutschlandweit über den Verein verbreitet wurde, hat niemand verdient“, erklärte Jürgen Kreyer, Vizepräsident des Fußballverbandes Niederrhein, „trotzdem sind hier zwei Schiedsrichter massiv tätlich angegriffen worden. Es musste auch mal ein Zeichen für unsere Schiedsrichter her.“

Schiedsrichter-Assistent mit Tritt in den Rücken zu Boden gestreckt

In der Verhandlung stellte sich bei der umfangreichen Zeugenbefragung heraus, dass Referee Samet Alpaydin (SC Rheinkamp) an den Hals geschlagen und gegen den Oberschenkel getreten worden war. Sein Assistent Tobias Koch (Rot-Weiß Moers) wurde vom Asterlager Mannschaftsbetreuer mit einem Tritt in den Rücken zu Boden gestreckt und war dann mindestens noch zweimal getreten worden. „Das ist eine brutale Sache, die wir hier so noch nicht erlebt haben“, hob Spruchkammer-Chef Kremers hervor.

Die Schiedsrichter mussten fliehen. Alpaydin schloss sich nach einer Hetzjagd über das Spielfeld im Heizungsraum des Klubhauses ein, seinen beiden Assistenten flüchteten kurz darauf auf die Damentoilette. „Danach haben wir uns dann vorsichtshalber zu dritt in einem Raum eingeschlossen, bis die Polizei kam“, so Alpaydin.

Spieler und Betreuer zeigen sich reuig

Beide Übeltäter zeigten Reue. „Ich habe einen schweren Fehler gemacht und kann mich nur bei allen entschuldigen. Vor der Strafe kann ich allerdings nicht davonlaufen“, erklärte Kücük, dem die Verhandlung sichtbar nahe ging. Ob der Spieler noch einmal auf den Platz zurückkehren wird? Bis zum 14. Dezember 2024 fließt noch eine Menge Wasser den Rhein hinunter.

Ganz ausgestanden ist das finale Relegationsspiel im Fußballkreis Moers aber noch nicht. Ins Zentrum der Vorwürfe rückte am Mittwochabend der Asterlager Trainer Tugay Yilmazer. „Er hat die Spieler aufgehetzt in der zweiten Halbzeit und uns gedroht. Ihr kommt hier nicht mehr lebend raus, hieß es da. Und: Wir stechen Euch ab“, gab der Büdericher Trainer Stefan Tebbe zu Protokoll. Andere Zeugen bestätigten dies.

Asterlagen und seinem Trainer droht das nächste Verfahren

Tebbes Vorwürfe gingen aber noch einen Schritt weiter: „Asterlagen hatte behauptet, wir hätten absichtlich mit 1:8 gegen den TuS Xanten verloren. Im Gegenzug wurde uns dann vor dem Spiel Geld geboten, damit wir hier 0:8 verlieren und Asterlagen doch noch aufsteigt. Darauf sind wir aber nicht eingegangen“, so Tebbe, „das war vermutlich auch ein Grund für die Aggressivität, gerade auch an der Asterlager Trainerbank.“

Diesem Vorwurf mochte in der Verhandlung dann niemand der Asterlager Seite widersprechen. Trainer Yilmazer dementierte dafür entschieden, dass er die Büdericher in der genannten Form bedroht habe. Für den Spruchkammer-Vorsitzenden Heinz Kremers trotzdem Grund genug, diesem Thema nachzugehen. Allerdings in einem gesonderten Verfahren. Asterlagen gegen Büderich geht in eine dritte Runde.

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