Volleyball

Welcher „Spaß“ für Kimberly Drewniok und Schwerin beginnt

Sie wollen weiter jubeln: Kimberly Drewniok (re.) mit Teamkolleginnen im Pokalfinale.

Sie wollen weiter jubeln: Kimberly Drewniok (re.) mit Teamkolleginnen im Pokalfinale.

Foto: Julia Rahn/Imago

Balve.   Volleyball-Nationalspielerin Kimberly Drewniok aus Balve befindet sich auf der Überholspur. Wo sie für den spannenden Liga-Endspurt Kraft tankt.

Diesen Kontrast liebt sie. Es dröhnt keine laute Musik aus Lautsprechern, es feuern keine Fans mit Hupen oder Tröten oder rhythmischem Klatschen an. Hier, auf einer Wiese etwas oberhalb von Balve, herrscht Stille, also fast. Der Wind weht leise und manchmal schnaubt eines der Pferde entspannt, wenn Kimberly Drewniok sie streichelt oder ihnen Leckerchen gibt. „Ich kann so die Akkus nochmal auffüllen, bevor es weitergeht“, sagt die 21-Jährige, die lange Hose und dicke, dunkle Jacke samt Schal trägt statt des gelb-blauen Sportdress’, in dem sie bald wieder zu sehen ist – noch so ein Kontrast.

Bald wird aus der Pferdefreundin wieder die Volleyballerin Kimberly Drewniok. Mit dem Bundesligisten SSC Palmberg Schwerin startet Drewniok mit dem Heimspiel gegen Potsdam am kommenden Samstag in die heiße Phase der Saison. „Es stehen knackige Wochen bevor“, sagt die aus Balve stammende Diagonalangreiferin über die vier noch zu absolvierenden Spiele in der Liga-Hauptrunde und die anschließenden Play-offs.

Das letzte Spiel im Finale zählt

Nach dem kurzfristigen Wechsel im Sommer vom 1. VC Wiesbaden nach Schwerin zieht Drewniok auf Nachfrage bereits jetzt ein sehr zufriedenstellendes Fazit. „Ich bin super glücklich darüber, wie die Saison bislang gelaufen ist. Ich habe eine Menge Erfahrungen mitnehmen können – und in der Bundesliga geht der Spaß ja erst noch richtig los“, sagt sie lachend.

Auf Rang zwei steht die Mannschaft von Trainer Felix Koslowski, der in Personalunion auch Drewnioks Coach in der Nationalmannschaft ist, vor den abschließenden vier Spielen der Hauptrunde. Spitzenreiter ist Allianz MTV Stuttgart mit drei Punkten Vorsprung. „Der erste Platz ist weiter unser Ziel“, sagt Drewniok wohl wissend, dass es in der kommenden Woche zum direkten Duell der beiden Top-Teams kommt.

Allerdings: „Auch als Zweiter kann man die Play-offs gut spielen. Am wichtigsten ist ohnehin, wer hinterher im Finale das letzte Spiel gewinnt“, erzählt die Sauerländerin lachend. Das sei schließlich das oberste Ziel: „Wir wollen in das Finale kommen und um die Meisterschaft kämpfen.“ So, wie es sich für den amtierenden Meister und Rekordmeister nunmal gehört.

Pokalsieg mit Extra-Bonus

Kimberly Drewniok kommt in diesem Kampf eine Schlüsselrolle zu. „Kimmi“, sagt ihr Trainer, „ist als Linkshänderin auf der Diagonalposition eine absolute Seltenheit.“ Und er ergänzt: „Ihr Angriff ist eine absolute Waffe und für den Block extrem schwer zu kalkulieren.“ Die Topscorer-Wertung der Bundesliga untermauert diese Einschätzung: Mit insgesamt 254 Punkten liegt die 21-Jährige auf dem zweiten Platz hinter Marta Drpa (Potsdam/365).

Zudem wurde sie unter anderem beim Pokalfinale, welches Schwerin gegen Stuttgart in Mannheim mit 3:0 gewann, zur wertvollsten Spielerin der Partie gewählt. „Dieses Spiel vor so einer Kulisse und bei dieser Atmosphäre in der Halle wird mir ewig in Erinnerung bleiben“, sagt Drewniok über das Duell vor 10.287 Zuschauern. „Dann noch geehrt zu werden, war ein Extra-Bonus.“

Die Balverin, die einst beim RC Sorpesee ihre Karriere startete, ist – wie von vielen Experten erwartet – auf der sportlichen Überholspur. Diese soll sie irgendwann in Top-Ligen wie zum Beispiel jene in Italien führen. Auch wenn sie mit Schwerin in dieser Saison international ein wenig Lehrgeld zahlen musste. In der Champions League schied das Team als Gruppendritter mit einem Punkt weniger als die Italienerinnen von Imoco Volley Conegliano knapp aus und verpasste das Viertelfinale.

„Die Champions-League-Spiele waren trotzdem super spannend für uns und haben uns viele neue Erfahrungen geschenkt“, sagt Drewniok. Und: „Ich bin echt zufrieden mit dem, was wir geleistet haben. Umso ärgerlicher ist es, dass wir knapp den zweiten Platz verpasst haben.“ Woran das lag? „Wir haben unnötigerweise das erste Spiel in Polen verloren. Da waren die Eindrücke noch zu groß, es war vieles neu. Aus unserer Mannschaft hatte nur eine Spielerin zuvor Champions League gespielt – und das war eine beeindruckende Kulisse, an die man sich erst gewöhnen musste.“

Ein Dank an die Mama

Sie behält die positiven Dinge in Erinnerung: „Wir haben gezeigt, dass wir auf diesem Niveau mitspielen können und sind zu Hause ungeschlagen geblieben – worauf ich extrem stolz bin“, sagt sie. Im nächsten Jahr soll in der Königsklasse der erneute Angriff auf das Viertelfinale – und mehr – folgen.

Doch vorerst zählt der Endspurt in der Bundesliga. In den geht Kimberly Drewniok mit aufgeladenen Akkus. Dank ihrer Pferde auf der Wiese. Und noch mehr dank ihrer Mutter, „die mich immer unterstützt hat und ohne die ich nicht da wäre, wo ich jetzt bin“.

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