Serie: Reitsport

Menden: Immer weniger Reiter im Sattel

Uwe Schmack,Vorsitzender des Märkischen Reitverbandes, ist seit 1970 großer Pferde-Enthusiast.  

Uwe Schmack,Vorsitzender des Märkischen Reitverbandes, ist seit 1970 großer Pferde-Enthusiast.  

Foto: Privat

Menden.  Uwe Schmack, Vorsitzender des Märkischen Reitverbandes, schaut im Interview auf die aktuelle Situation des Mendener Pferdesports.

Reitsport hat in Menden eine große Bedeutung und viele Aktive. Uwe Schmack ist Vorsitzender des Märkischen Reiterverbandes. Im Gespräch mit Tim Cordes blickt er auf die aktuelle Situation des Mendener Pferdesports, zeigt die Probleme der Vereine auf und erklärt, wie sich der Verband für die Zukunft vorbereitet.

Uwe Schmack, wie ist aktuell das Interesse am Reitsport?

Uwe Schmack: Die Tendenz bei den Mitgliederzahlen ist in den letzten Jahren leicht rückläufig. Insgesamt hatten wir Ende 2018 33 Vereine im heimischen Kreis. Im Märkischen Reiterverband hatten wir im letzten Jahr über 3.700 Reiter. Im Jahr 2000 waren es noch über 4.628. Das war auch die Hochzeit.

Wo sehen Sie die Ursachen für die abnehmenden Zahlen?

Ich glaube es ist ein gesellschaftliches Problem. Wie auch andere Verbände, werben unsere Vereine um Mitglieder. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Ich glaube, zum einen liegt es daran, dass sich unser Schulsystem verändert hat. Ich erinnere mich daran, dass als ich mit dem Reitsport begann, wir nachmittags in die Bahn zum Schulunterricht gingen. Heute höre ich von vielen Reitschulen, dass die Jugendlichen dann noch in der Schule sind. Zum anderen liegt es auch daran, dass der Reitsport teurer geworden ist. Blicken wir auf die Veranstaltungen im letzten Jahr. Es gab in Deutschland 3.575 Turniere. Das sind knapp 1,22 Prozent weniger als im Jahr davor. Auf den Turnieren selbst, hatten wir zwei Prozent weniger Prüfungen. Einige Vereine haben Probleme genug Sponsoren zu finden. Die sind aber sehr wichtig für sie. Auch die ehrenamtliche Tätigkeit hat abgenommen.

Was fasziniert Sie am Reitsport und wie hat diese Leidenschaft begonnen?

Ich war 1970 das erste Mal auf einem Turnier. Das waren die Iserlohner Reitertage am Kuhlo. In unserer Gegend, aber auch in Deutschland, ein ganz wichtiges Reit- und Springturnier. Es waren alle Stars am Start. Ich hatte damals noch nicht das Wissen, wer ein „Promi“ ist und wer nicht. Aber irgendwie zogen mich die Pferde in ihren Bann. An dem Tag war ich am Vorbereitungsplatz und habe gesehen, wie die Reiter die Pferde vorbereiten. Das hat mich so sehr beeindruckt, dass ich es vier Jahre später einmal selbst versuchen wollte. Also bin ich in die Iserlohner Reitschule von Franz Korbner gegangen und habe von da an Unterricht genommen. Ich habe in dieser Zeit gelernt, wie treu Pferde sein können. Meine, die ich in diesem Zeitraum hatte, gehörten mit zur Familie. Diese Leidenschaft ist bis heute geblieben. Leider bin ich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr im Sattel.

Wann sollten Kinder mit dem Reitsport anfangen? Was empfiehlt sich zum Einstieg?

Ein Alter anzugeben ist schwer. Ich empfehle immer mit dem Voltigieren anzufangen. Dann sind die Kinder in der Gruppe und haben Kontakt zu den Pferden. Hier lernen sie spielerisch den Umgang mit den Tieren. Wir haben im Märkischen Kreis viele gute Voltigiergruppen, die gerne Kinder aufnehmen. Wer Spaß daran hat, kann auch auf Turnieren im „Voltisport“ teilnehmen. Wer dann weiterhin den Umgang mit dem Pferd möchte, der kann dann das Reiten auf einem Pony lernen. Auch hier haben wir im Kreis gute Reitschulen, die mit viel Engagement den Unterricht erteilen. Der Übergang vom Pony zum Großpferd ist dann manchmal holperig, aber lohnt sich, denn auch im späten Alter macht das Reiten noch unglaublichen Spaß.

Mit welchen Problemen haben die Reitsportvereine im Kreis zu kämpfen?

Einige Vereine richten Turniere aus. Um solch ein Event zu bestreiten, sind viele helfende Hände erforderlich. Leider gelingt es nicht immer genug Freiwillige zu begeistern um mitzuhelfen. Dann gibt es bei uns im Märkischen Verband Mannschaftsprüfungen für den Nachwuchs. Leider können sehr viele Vereine kein Team stellen, um so am Championat teilzunehmen. Zu einem fehlt derjenige, der sich darum kümmert, zum anderen haben wir einfach zu wenig Nachwuchsreiter.

Wie stellt man sich für die Zukunft auf?

Wir vom Verband sind zurzeit damit beschäftigt, einige unserer Championate anders aufzustellen. Mit den Märkischen Meisterschaften haben wir begonnen. Hier starten die Reiter nicht in Altersklassen sondern nach Anforderungen. So gibt es einen Meister in den A-, den L- und in den M-Prüfungen. Für die Mannschaftsprüfungen planen wir ein neues System. Allerdings ist es noch in Arbeit und muss vorab auf der Jahreshauptversammlung vorgeschlagen und genehmigt werden. Wir hoffen so mehr Teams an den Start zu bekommen.

Helfen Veranstaltungen wie das Balve Optimum, um das Interesse am Reitsport zu wecken? Ist so ein großes Turnier in unserem Kreis ein Vorteil?

Ich bin sehr froh, dass der Reiterverein Balve ein Turnier dieser Größenordnung ausrichtet. Wie wir an den vier Tagen festgestellt haben, zieht es nicht nur Reitsportinteressierte ins Orletal. Auch Zuschauer, die das Ambiente genießen möchten, kommen nach Wocklum. Mittlerweile ist es ein Event, auf dem sich auch Wirtschaftsvertreter treffen. Vielleicht kann man noch den ein oder anderen für den Reitsport begeistern.

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