Eishockey

Iserlohn Roosters: So erklärt Boss Brück die Gehalts-Klausel

Wolfgang Brück, geschäftsführender Gesellschafter der Iserlohn Roosters, kämpft um die Zukunft der DEL und des Standorts Iserlohn.

Wolfgang Brück, geschäftsführender Gesellschafter der Iserlohn Roosters, kämpft um die Zukunft der DEL und des Standorts Iserlohn.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Iserlohn.  In der Corona-Krise sollen die Spieler der DEL ihren Klubs helfen. Wolfgang Brück (Iserlohn Roosters) spricht aber nicht von Gehaltsverzicht.

Im Kampf des deutschen Eishockeys ums Überleben während der Corona-Krise geht es auch um Ideen wie etwa die eines Vollvisieres, das den sportlichen Wettkampf ohne Ansteckungsgefahr ermöglichen soll. Allerdings wird die Debatte über diese, gewiss nicht unwichtigen Dinge von einer anderen übertönt, überdröhnt sogar. Kurz vor dem Start der Lizenzierungsphase in der Deutschen Eishockey Liga geht es ums Geld, um das nicht vorhandene Geld.

Die Spieler sollten auf 25 Prozent ihres Gehaltes verzichten, ansonsten erhielte ihr Klub keine Lizenz für die nächste Saison in der DEL – so wurde es vor wenigen Tagen berichtet. Doch derart pauschal möchte Wolfgang Brück, geschäftsführender Gesellschafter der Iserlohn Roosters, diese Nachricht nicht stehen lassen. Im Gegenteil: Er widerspricht.

„Wir reden nicht über einen Verzicht“, erklärt Brück, der Mitglied des Aufsichtsrats der DEL und im „normalen Leben“ Anwalt unter anderem mit Schwerpunkt Arbeitsrecht ist, im Gespräch mit dieser Zeitung, „sondern von einer Stundung.“ Im Kern sieht der Plan der DEL-Bosse Folgendes vor: So lange der Spielbetrieb ruht, schicken die Klubs nicht nur wie überall bereits geschehen die Mitarbeiter ihrer Geschäftsstellen in Kurzarbeit, sondern alle Mitarbeiter – also auch die Spieler, Betreuer und Trainer. Beginnt die Saison wie geplant am 18. September, wird deren Gehalt dann auf 75 Prozent des ursprünglichen aufgestockt.

Es gibt nur eine Stellschraube

„Wir leben im Eishockey ja nicht auf einer Insel der Glückseligen“, erklärt Wolfgang Brück. „Die Wirtschaft schrumpft stark und die Liga muss reagieren, um die Standorte zu stützen.“ Da die Corona-Pandemie dem Sport erst ab März 2020 den Knock-out versetzte, sind die Kader der Klubs fast voll. Zwischen 50 bis 70 Prozent der Kosten jedes Klubs verursacht das Personal.

„Aktuell ist es unsicher, wie hoch die Erlöse sein werden, die wir durch Ticketing und Sponsoring erreichen werden“, sagt der Roosters-Boss und spricht damit für die gesamte Liga. Diese Einnahmen wiederum sorgen für 70 bis 90 Prozent des Etats der meisten Klubs. Kurzum: Nur an der Stellschraube Personalkosten kann gedreht werden und nur dieser Dreh entlastet die Klubs finanziell.

Warum Brück dennoch von einer Stundung spricht? „Weil wir, wenn wir als Klubs auf 75 bis 100 Prozent der Einnahmen der Vorsaison kommen, das Gehalt anteilig wieder aufstocken.“ Rückwirkend.

Darum stimmen die Großen zu

Der Roosters-Boss teilte dies seinen Spielern bereits mit. Die Reaktionen jener mit „Altverträgen“, zukünftige Verträge werden von vornherein mit dieser Klausel geschlossen? „Ich glaube, dass die Spieler das verstehen. Es kann auch nicht in ihrem Interesse sein, wenn das System kollabiert“, antwortet Brück.

Dass ein Klub ohne die Einwilligung der Spieler in diese Klausel keine Lizenz erhält, verteidigt Brück. „Es ist absehbar, was sonst wirtschaftlich passiert. Und anders als in anderen Ligen wollen wir nicht einfach alle Klubs durchwinken, sondern Voraussetzungen schaffen, dass wir die Saison mit 14 Klubs durchspielen können.“ Ob finanzkräftigere Mannschaften wie München oder Mannheim widersprechen könnten? „Das glaube ich nicht, weil es ihnen auch nichts bringt, wenn sie plötzlich keine Gegner mehr haben.“

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DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke benennt diese Gehaltslösung als die fairste, „zumal alle Erlöse ohnehin in die Teams reinvestiert werden“, wie Tripcke sagt, und nicht die Klubbesitzer profitierten. Wann und ob die neue Saison startet, können aber weder Tripcke noch Brück vorhersagen. Fest steht für den Roosters-Boss nur: „Wenn wir auf Dauer nicht spielen können, dann wird es für zehn von 14 Klubs existenziell.“

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