Handball-Verbandsliga

Interview mit Halingens Trainer Jörg Walter

Engagiert wie immer an der Seitenlinie: Jörg Walter, Trainer des TV Westfalia Halingen. Die Halinger müssen den Abstieg aus der Verbandsliga in Kauf nehmen.Foto:  Dietmar Reker

Engagiert wie immer an der Seitenlinie: Jörg Walter, Trainer des TV Westfalia Halingen. Die Halinger müssen den Abstieg aus der Verbandsliga in Kauf nehmen.Foto: Dietmar Reker

Halingen.   „Eine Saison mit so einem Verletzungspech habe ich noch nicht erlebt.“ Das sagt Halingens Coach Jörg Walter unter anderem im Interview.

Turbulente Szenen und immer wieder Kompromisse: Jörg Walter, seit dem zurückliegenden Oktober Trainer (für ­Armin Saracevic) der ersten Handball-Mannschaft des TV Westfalia Halingen, blickt auf eine wechselvolle Saison zurück. Am Ende stand der bittere Abstieg aus der Verbandsliga. Wir haben mit dem 53-jährigen B-Lizenz-Inhaber, der in Iserlohn beheimatet und dessen Stammverein die HSG Hohenlimburg ist, über Enttäuschungen, Überraschungen und Zukunftsplanungen gesprochen.

Haben Sie eine solche Saison wie in Halingen in Ihrer Laufbahn schon einmal erlebt?

Jörg Walter: Nein, ich bin jetzt seit 20 Jahren in den unterschiedlichsten Ligen als Trainer unterwegs, aber eine Saison mit so einem Verletzungspech habe ich noch nicht erlebt. Zeitweise waren ja vier Spieler gleichzeitig verletzt, die eigentlich zur Startformation gehören.

Welche Gründe waren aus Ihrer Sicht entscheidend für den Abstieg?

Natürlich ist die Verletzungsmisere einer der Hauptgründe, dadurch haben wir ja selten zwei Spiele hintereinander in der derselben Formation spielen

können. Wenn ein Verletzter zurückkam, ist sofort ein anderer Spieler ausgefallen. Dadurch fehlten uns einfach die Automatismen, die man sich regelmäßig erarbeiten muss. Auch die Abstimmung in der Deckung wird schwer, wenn jede Woche ein anderer Spieler neben mir steht.

Gab es einen Zeitpunkt, an dem Sie Ihre Zuversicht, die Klasse halten zu können, verloren haben?

Eigentlich habe ich aufgrund der guten Leistungen in der Rückrunde immer an den Klassenerhalt geglaubt. Zumal Mannschaften wie Werdohl oder Riemke ja auch keine gute Saison gespielt haben. Nach der deprimierenden Niederlage in Hagen, wo bei uns die Einstellung und der Kampf gefehlt haben, wurde mir jedoch klar, dass es sehr eng werden würde. Aber in den Heimspielen hat die Mannschaft immer ein anderes Gesicht gezeigt und alles gegeben.

Welche Umstände haben Sie am meisten in der laufenden Saison enttäuscht?

Was heißt enttäuscht? Ich wusste ja, auf was ich mich einlasse. Etwas überrascht war ich in der Hinrunde von den Zuschauern. Die waren doch recht still, weil die Mannschaft nicht konkurrenzfähig war und auch Heimspiele hoch verloren hat. Ich kenne die Halinger Halle von früher als echten Hexenkessel. Aber da muss der Funke auch von der Mannschaft auf die Zuschauer überspringen. Das hat da leider nicht so gut geklappt. In der Rückrunde hat sich die Mannschaft aber die Unterstützung von den Rängen zurück erkämpft. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in der neuen Saison mit vielen spannenden Spielen und Derbys, mit einer um jeden Zentimeter kämpfenden Mannschaft wieder eine gut funktionierende Einheit zwischen Team und Zuschauern werden.

Gab es auch Faktoren, von denen Sie überrascht worden sind?

Positiv überrascht bin ich von meiner Mannschaft, die trotz der vielen Nackenschläge und deutlichen Niederlagen der Hinrunde nicht aufgesteckt hat. Sie hat weiter an sich geglaubt und in der Rückrunde durch starke Auftritte auch das Heimpublikum zurückerobert. Mit ein wenig Glück in den entscheidenden Spielen hätte es vielleicht doch noch zum Klassenerhalt gereicht.

Wie beurteilen Sie die Trainingsbeteiligung?

Die Trainingsbeteiligung war aus unterschiedlichen Gründen nicht optimal für die Verbandsliga. Zum einen waren da natürlich die vielen kleinen und großen Verletzungen. Beide Torhüter konnten durch berufliche Weiterbildungen oft nicht am Training teilnehmen. So war eine kontinuierliche Weiterentwicklung leider sehr schwer.

Wie sehen die weiteren Planungen nach dem letzten Saisonspiel aus?

Wir werden uns am 14. Mai noch einmal zum Training treffen, da sind dann auch die Neuzugänge alle mit dabei. Da werden wir dann über Urlaubplanung und Sonstiges sprechen. Danach machen wir drei Wochen Pause und starten dann Anfang Juni in die Vorbereitung

Welche Neuzugänge stehen fest?

Fest steht, dass mit Paul Poth, Patrick Schwarz und Jan Phillipp Köhler drei junge Spieler aus der zweiten Mannschaft fest zur Ersten kommen werden. Vom TuS Jahn Dellwig kommen mit Roman Köck und Max Heinemann zwei Spieler, die auch schon Erfahrung aus höheren Spielklassen mitbringen. Lorenz Schlotmann kommt vom Drittligisten TuS Volmetal und im Tor wird mein Sohn, Niklas Walter, vom OSC Dortmund nach Halingen wechseln.

Sind Sie froh, dass Sie sich nun erst einmal in Pause verabschieden können?

Ja, der Kampf um den Klassenerhalt war sehr anstrengend und es war für uns alle nicht einfach, nach den zum Teil deutlichen Niederlagen der Hinrunde weiter die nötige Motivation zu halten. Jetzt sind wir froh, dass wir mal durchschnaufen und die Verletzungen richtig auskurieren können. Aber ich glaube auch, dass nach den überwiegend guten Leistungen in der Rückrunde auch eine große Vorfreude auf die neue Saison bei den Spielern und Fans vorherrscht.

Was dürfen die Westfalia-Fans von Ihrer Mannschaft in der neuen Saison erwarten?

Die Fans dürfen eine Mannschaft erwarten, die sich in der Vorbereitung quälen wird, um richtig fit in die Saison zu gehen. Da wollen wir dann aus einer kompakten Abwehr mit viel Tempo und Dynamik einen modernen Handball spielen, welcher auf Ballgewinne und schnelles Umschalten ausgerichtet sein wird. Auf allen Positionen wollen wir doppelt gleichwertig besetzt sein, damit wir auch mal eine Verletzung auffangen können. Wir wollen die Halinger Halle wieder zu einer Festung machen, aber auch auswärts deutlich anders auftreten als in dieser Spielzeit.

Welchen Stellenwert haben die Derbys?

Ich glaube, dass die Derbys gerade für einen Verein wie den TV Westfalia Halingen einen ganz besonderen Wert haben. In der Landesliga erwarten uns ja mit Menden, Bösperde, Schwerte, Hohenlimburg und Villigst eine ganze Reihe an Spielen gegen Mannschaften aus der näheren Umgebung. Diese Spiele haben natürlich einen hohen Stellenwert, aber da wir ja durchaus um einen der oberen Plätze mitspielen möchten, sind natürlich alle Spiele wichtig. Aber die Stimmung bei den Derbys in der engen, dann vollen Halle in ­Halingen wird schon etwas Besonderes sein.

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