Zehn Tipps

Bieber Lendringsen: So klappt es mit dem Leistungsschwimmen

Schwimmen wie Paul Biedermann? Dazu ist eine Menge Training nötig.

Schwimmen wie Paul Biedermann? Dazu ist eine Menge Training nötig.

Foto: Patrick B. Kraemer / dpa

Lendringsen.  Wie wird aus einem Schwimmanfänger ein echter Profi? Georg Weingarten, Vorsitzender des SV Bieber Lendringsen verrät wie es geht.

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Die Schwimmbäder im Stadtgebiet sind voll, bei den Vereinen herrscht großer Andrang. Schwimmen ist angesagt. Auch bei den Wettkampfmannschaften der heimischen Vereine tummeln sich immer mehr Kinder und Jugendliche. Aber welche Schritte muss ein Anfänger nach dem Erhalt des Seepferdchens gehen, um ein guter Wettkampfschwimmer zu werden? „Wir erkennen bei den Kindern oft das Talent und suchen dann das Gespräch mit den Eltern und dem Kind, ob sie in diese Richtung gehen wollen“, erklärt Georg Weingarten, Vorsitzender und Trainer des SV Bieber Lendringsen. In unserer Zeitung gibt der Schwimmexperte zehn Schritte, wie man zum Wettkampfschwimmer werden kann.

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Erste Erfolge: Kann sich ein Schwimmer über Wasser halten, kommt er in die Breitensportgruppen, um die einzelnen Techniken zu erlernen und zu verbessern. Fällt er dabei durch besonderes Talent auf, oder schwimmt beispielsweise bei den Vereinsmeisterschaften eine gute Zeit, wird das Gespräch gesucht, ob sich der Sportler vorstellen kann, in die Nachwuchsgruppe zu wechseln. „Das erfolgt natürlich in Abstimmung mit den Eltern und dem Kind“, betont Weingarten.

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Die Nachwuchsgruppe: Die Nachwuchsgruppe: Wenn Eltern und Kinder dahinter stehen, kommen sie in die Nachwuchsgruppe. Hier haben sie eine zusätzliche Trainingseinheit in der Woche. Insgesamt also zwei. Mehr ist aufgrund der Badzeiten nicht möglich. Mit zunehmendem Alter werden die Kinder logischerweise immer besser. Bis sie den Wechsel in die Wettkampfmannschaft schaffen. Das liegt aktuell bei den Jahrgängen 2004 bis 2006.

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Die Wettkampfgruppe: In der Wettkampfgruppe nimmt der Umfang und die Intensität weiter zu. Es kommt eine dritte Trainingseinheit in der Woche im Wasser auf den Plan. „Die absoluten Leistungsschwimmer wie zum Beispiel Michael Peters absolvieren zusätzlich noch eine Konditionseinheit in der Halle und gehen zweimal die Woche zum Krafttraining. Das Michael diese Leistungen abrufen kann (Quali Deutsche), liegt daran, dass er alle angebotenen Trainingseinheiten nutzt. Sechsmal die Woche zu trainieren ist auf diesem Level Minimum. Eigentlich sagt man: Schwimmen lernt man durch Schwimmen; daher müsste bei einem Sportler wie Michael der schwimmerische Aufwand eigentlich noch viel höher sein, um diese Ziele zu erreichen“, erklärt Weingarten.

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Mentale Stärke: Leistungsschwimmer müssen auch eine hohe mentale Stärke mitbringen, wenn sie Erfolge feiern möchten. „Wenn ich vom Kopf her nicht bereit bin, mich zu quälen und viel zu trainieren, dieses Training nicht als Freude und Spaß empfinde, dann habe ich absolut keine Chance“, weiß Weingarten. So war Michael Peters vor sechs bis sieben Jahren noch kein Überflieger. Er hat sich im Laufe der Jahre seine Erfolge erarbeitet. Weingarten: „Das kam alles, weil er bereit war, sich zu quälen und hart an seiner Technik zu arbeiten.“

5 Veranlagungen erkennen: Jeder Mensch ist einzigartig und auch jeder Schwimmer muss anders arbeiten, um das optimale Ergebnis herauszuholen. Wichtig ist das Verhältnis von Körpermittelpunkt zu Körperschwerpunkt, sowie die Auftriebsfähigkeit des Körpers. Weingarten erklärt: „Ich habe zum Beispiel schwere Beine, das heißt, dass ich im Wasser nach hinten absacke. Also müssen die Beine besonders intensiv arbeiten. Da muss man ganz anders malochen als die Jungs, die im Wasser liegen wie eine Feder.“

6 Technik verfeinern: „Ohne eine gute Technik bin ich nicht in der Lage, bis in die absolute Spitze vorzustoßen“, erklärt der Vorsitzende der Lendringser Schwimmer. Dabei kommt es häufig auf Details an. Die Trainer müssen sehr akribisch an der Technik feilen. Beispiel Kraulen: „Wenn die Hand nach vorne kommt, darf sie nicht zu angespannt sein und zwischen den Fingern müssen kleine Zwischenräume sein: dies hat mit der Vergrößerung der Handfläche zu tun, was wiederum den Abdruck am Wasser erhöht und die Geschwindigkeit steigert. Es geht auch um die richtige Entspannungstechnik. Entspannung über Wasser, Anspannung unter Wasser. Der Winkel muss stimmen.“

7 Basics nicht vergessen: : Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um zwei Schritte nach vorne zu kommen. Gemäß diesem Motto hat die Leistungsgruppe des SV Bieber im Sommer noch einmal grundlegende Techniken neu erarbeitet und hierauf viel Zeit investiert. „Das zahlt sich nun in der Wettkampfleistung aus“, verrät der Lendringser.

8 Richtig starten und abtauchen: Nach dem Sprung vom Startblock geht es in die Tauch- und Gleitphase. „Da sehen wir gerade, dass die Top-Schwimmer da sehr stark mit Delfinkicks arbeiten. Michael Peters beispielsweise ist in der Phase über Wasser einer der stärksten Schwimmer, verliert aber beim Start und in den Wende gegenüber den Top-Leuten eine halbe bis eine dreiviertel Körperlänge. Addiert man das, verliert er eine bis eineinhalb Körperlängen“, erklärt Weingarten. Weiteres Krafttraining und eine genaue Analyse von Start- und Gleitverhalten helfen bei der Verbesserung.

9 Fähigkeiten abrufen: Ein Wettkampftag kann lange dauern. Wer ins Finale kommt, steht nicht selten acht Stunden und länger im Bad. Wenn es dann zum letzten Mal auf den Startblock geht, muss alles passen, wenn der Wettkampf ein positives Ende finden soll. „Es ist gut, wenn man Startfieber hat, aber das darf nicht in Nervosität enden. Sobald das Rennen gestartet ist, muss der Schwimmer in der Lage sein, sein Können abzurufen“, weiß Weingarten.

10 Alter kann, muss kein Hindernis sein: Den Zenit ihrer Leistungsfähigkeit erreichen Schwimmer, nach Einschätzung von Georg Weingarten bei den Männern zwischen dem 23. und 27. Lebensjahr, Frauen etwas früher. zwischen dem 20. und 25 Jahr. „Aber auch da gibt es Beispiele wie in Deutschland zum Beispiel eine Dorothea Brandt, die mit 30, 32 Jahren im Sprintbereich noch absolute Top-Leistungen abruft. Oder unser Weltmeister über 50m Brust in Australien Mark Warnecke, der mit 28 oder 29 Jahren zum Titel geschwommen. Es ist immer die Frage, wie lange die Flamme brennt und die Leute bereit sind, sich ins Training zu stürzen. Bei Michael Peters bin ich recht optimistisch, weil er eine topmotivierte Trainingsgruppe hat.“

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