Deutsche Meisterschaften

Yachtclub Lister hat vier Asse im Spiel

Der Trainer Olaf Reckers mit Caspar Schneider, Jonathan Brinkmann und Marleen Bickert.

Der Trainer Olaf Reckers mit Caspar Schneider, Jonathan Brinkmann und Marleen Bickert.

Foto: YC Lister

Attendorn.   Ab dem 26. Juli nehmen vier Seglerinnen und Segler des Yachtclub Lister an den Deutschen Meisterschaften teil.

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Vier Optimisten des Yachtclub Lister vom Biggesee nehmen an der Internationalen Deutschen Meisterschaft 2019 in Plau am See teil. Sie werden unter den 200 deutschen und 50 internationalen Teilnehmern zu finden sein, die ab dem 26. Juli neun Tage lang in Plau am See, Mecklenburg-Vorpommern, um den Titel kämpfen.

Marleen Bickert (Jahrgang 2005) aus Attendorn, Caspar Schneider (2006) aus Buer, Jonathan Brinkmann (2008) aus Siegen und Aron Demmerling (2006) aus Wenden. Die drei erstgenannten werden seit dem Beginn ihrer Opti-Karriere vom engagierten Trainer Olaf Reckers aus Gronau betreut, der die Kinder zu zahllosen Trainingslagern und Regatten im In- und Ausland begleitet und sie bis zur Qualifikation der DM geführt hat.

Jede Menge Logistik

Aron Demmerling trainiert meist in der NRW-Fördergruppe 1, nimmt aber sporadisch auch an Trainings des YC Lister teil. Anders als die großen, bekannten Clubs in Deutschland muss der YC Lister einiges an Logistik stemmen, um die Kinder auf ihren kleinen Einmann-Rennjollen zu trainieren: „Der Ruhrverband erlaubt auch für das Leistungssegeln keine Motorboote für die Trainer auf dem Biggesee,“ schreibt Daniela Bickert in der Mitteilung des Yachtclubs Lister, „so dass die meisten Trainings auswärts stattfinden müssen.“

Ein optimales Training benötigt ein schnelles Trainerboot, ein sogenanntes RIB (Rigid Inflatable Boat – ein großes Schlauchboot mit festem Rumpf und starkem Motor). Der YCL besitzt kein eigenes RIB, muss also ein solches für jede Veranstaltung vom NRW-Seglerverband chartern und per Trailer von Gronau aus zum Einsatzort bringen. Da kommen flugs an einem Wochenende viele hundert, manchmal gar tausend Kilometer Fahrtstrecke zusammen.

Auch die Kinder wollen mit ihren Jollen zu den jeweiligen Gewässern gebracht werden, also rüstet sich an rund 15 Wochenenden im Jahr ein Tross von Fahrzeugen mit Trailern oder Optis auf dem Dach und braust unmittelbar nach Schulschluss am Freitag los, da die Anreisen durchaus auch vier bis sechs Stunden dauern können und in der Regel am Samstagmittag die erste Wettfahrt stattfindet.

Da die Boote aufgebaut, getrimmt und eingesegelt werden müssen, zudem Zeit für taktische Vorbesprechungen und das Briefing benötigt wird, beginnt ein solcher Samstag oft schon um 8 Uhr morgens mit Frühsport und dem Aufriggen der Boote – also ist die Anreise am Freitag fast obligatorisch. Oftmals werden ein, zwei oder gar drei Tage Vortraining bei wichtigen Regatten angesetzt, so dass die Kinder schon Mittwochmittag abreisen.

Für etliche Veranstaltungen müssen sich die Kinder daher für einige Stunden oder Tage von der Schule befreien lassen - kein Problem, solange die schulischen Leistungen gut oder gar hervorragend sind, so dass hier ein zusätzliches Motiv für überdurchschnittliche Noten zu finden ist.

Am Regattawochenende offline

Gelegentlich sieht man aber die Kinder auf der Hin- oder Rückfahrt noch über den Schulbüchern sitzen, um etwa versäumten Stoff nachzuholen. Während der Trainings und Wettfahrten ist dafür kein Raum; auch die sonstigen Accessoires der Kinder im Alter dieser Regattasegler sind an Wochenenden kaum zu entdecken: Smartphones, Computer und TV werden bereitwillig gegen strategische und taktische Brettspiele und sportliche Betätigung getauscht, zumindest die Kinder des YCL sind am Handy und Smartphone in diesen Zeiten völlig offline.

Der Weg jugendlicher Opti-Segler von den ersten Segelstunden bis zur Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft dauert zwei bis drei Jahre. Aron Demmerling ist hier eine Ausnahme, er hat erst im Frühling 2018 mit dem Regattasegeln begonnen und konnte schon nach sechs Monaten von der NRW-B-Rangliste, die er auf Platz 7 beendete, in die bundesweite A-Rangliste aufsteigen. Wenn er Ende Juli bei der DM startet, ist er erst seit knapp anderthalb Jahren aktiver Regattasegler.

Umstieg kann holprig sein

Der Umstieg in die A-Klasse ist meist etwas holprig – die drei Aufsteiger, die vom Coach Olaf Reckers betreut werden, haben den Aufstieg bewusst auf den letztmöglichen Zeitpunkt verschoben, denn erst wenn ein Kind in B bereits viele Punkte gesammelt hat und im laufenden Jahr 13 wird, ist der Aufstieg zwingend. In derA-Klasse weht ein ganz anderer Wind, die Konkurrenten sind älter, routinierter, athletischer und oft gewieft, so dass sich die Aufsteiger erst einmal am Ende der Regattafelder einordnen müssen, bis sie sich an die deutlich verschärften Bedingungen gewöhnt haben.

Mit guten Ergebnissen am Steinhuder Meer, in Kiel sowie am letzten Wochenende in Eckernförde (Caspar Schneider 12., Jonathan Brinkmann 14. und Marleen Bickert 18. unter 58 Startern) festigen die drei ihre Ranglistenplätze, Marleen und Caspar liegen unmittelbar beieinander in den niedrigen 80iger Rängen und auch Jonathan hat an der Ostsee in dieser Woche den Sprung von Platz 207 unter die ersten 150 geschafft, ist also sicher für die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft qualifiziert.

Planungen für den Winter laufen

„Aron hat mit dem 93. Platz der Rangliste ebenfalls die Startberechtigung, so dass wir mit Spannung auf die Ergebnisse Anfang August warten“ so Daniela Bickert, „schon einige Tage vor der DM werden die drei mit ihrem Trainer Quartier in Plau beziehen, um sich auf die Meisterschaft einzustimmen und noch intensive Trainingstage zu absolvieren.“

Schon laufen die Planungen für den Winter: die Kinder werden wahrscheinlich zwei große internationale Regatten in Mallorca und an der spanischen Mittelmeerküste im Dezember und Januar bestreiten, um nicht in Trainingsrückstand für die neue Saison zu geraten. Im Winter 2017/18 haben die Kinder ihre Trainingseinheiten auf der Duisburger Seenplatte im dichten Schneetreiben bestritten – da ist das Mittelmeer hoffentlich gnädiger. Daniela Bickert: „Wir wünschen den leistungsstarken Opti-Seglern vom Biggesee ganz viel Erfolg für die kommenden Wochen und Monate!“

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