Dart

„Wir sind Freunde und eine richtige Familie“

Ramona Berger (rechts) und Marco Gebauer sind in beiden Dart-Varianten erfolgreiche zu Hause: Steeldart und E-Dart.

Ramona Berger (rechts) und Marco Gebauer sind in beiden Dart-Varianten erfolgreiche zu Hause: Steeldart und E-Dart.

Foto: Martin Droste

Gerlingen.   Ramona Berger, Marco Gebauer und ihre Mannschaftskollegen haben das erreicht, wovon viele Sportler im Kreis Olpe träumen.

Sie spielen in der neuen Saison in der Bundesliga: im Elektronik-Dart (auch E-Dart oder Automatendart). „Das hat bei uns noch keiner geschafft“, ist das Duo vom „DC Mimimi“ zu Recht stolz.

Der Name „Mimimi“ ist gewöhnungsbedürftig und geht auf ein T-Shirt mit einer Figur aus der Sesamstraße zurück. Ihren Sport nehmen die Elektro-Darter aber ernst. Ansonsten hätte der Weg Berger, Gebauer und Co. nicht bis ganz oben geführt.

Perfekt gemacht haben die E-Darter den Sprung in die Bundesliga NRW – eine von mehreren im Bundesgebiet - bei der Aufstiegsrunde in Lünen. Dafür hatten sie sich als ungeschlagener Bezirksliga-Meister qualifiziert. Nach einem holprigen Start mit einer 0:5-Niederlage gegen Hagen machte „DC Mimimi“ den Aufstieg in der zweiten Gruppenphase perfekt. Mitte März soll es in der Bundesliga losgehen. Der Spielort bei Heimspielen bleibt die „Bürgerstube“ in Olpe, wo die Mannschaft sportlich auch zu Hause ist. „Wir wollen uns in der Bundesliga halten“, gibt Ramona Berger den sechsten Tabellenplatz als Mindestziel vor. Die beiden Teams darunter steigen ab.

Beschwerlicher Weg

Der Weg in die Bundesliga war beschwerlich. Mit fünf Mannschaftskollegen startete das heimische Team vor zwei Jahren in der Bezirksliga, der höchsten Spielklasse innerhalb der DSAB-Südwestfalenliga (DSAB = Deutscher Sportautomatenbund). Nach einer Saison ging es zurück in die Kreisliga A.

„Wir waren zu wenig Leute, teilweise nur zu Dritt“, blicken Ramona Berger und ihr Lebensgefährte Marco Gebauer zurück. Das Duo aus Gerlingen wohnt seit ein paar Jahren unweit des Bieberg, Heimstätte des erfolgreichen Fußball-Landesligisten FSV. Einer von Beiden musste an den Spieltagen meist zu Hause bei den Kindern bleiben.

Doch der sportliche Durchhänger war schnell vergessen. Ungeschlagen schaffte „DC Mimimi“ die Quali für die Bundesliga-Aufstiegsrunde. Der Erfolg der heimischen Dartspieler ist kein Zufallsprodukt. „Wir sind nicht nur eine Mannschaft, sondern Freunde und eine richtige Familie. Jeder ist für den anderen da“, betont Marco Gebauer. Der 31-Jährige aus Olpe ist immerhin zweifacher Vize-Europameister und einmal Deutscher Meister geworden. Das I-Tüpfelchen war aber 2015 die Team-Weltmeisterschaft im kroatischen Porec.

Seit 18 Jahren wirft die Essenerin Ramona Berger Dartpfeile. Auch ihre Karriere kann sich sehen lassen. Die 36-Jährige ist dreifache Deutsche Meisterin im Doppel mit ihrer Mannschaftskollegin Silvia Dolores Keller und amtierende Europameisterin. Den EM-Titel will sie im Juni im italienischen Cáorle (bei Venedig) verteidigen.

Im Steel- und E-Dart zuhause

In der Wohnung von Ramona Berger und Marco Gebauer stehen eine normale Dartscheibe und ein Dart-Automat nebeneinander.

Das Bild trügt nicht: Das Duo ist in beiden Varianten zu Hause, im Steel-Dart und im E-Dart (siehe Info). „Für mich ist das kein großer Unterschied, aber viele können beides nicht“, sagt Berger. Der 31-jährige Gebauer ist für die Bundesliga-Mannschaft des DSC Bochum gemeldet, spielt dort aber nicht mehr regelmäßig.

Kennengelernt haben sich die erfolgreichen Sportler natürlich bei einem Dart-Turnier. Seit sechs Jahren sind sie zusammen. Jetzt haben sie es mit „DC Mimimi“ in die Bundesliga geschafft.

Die Anforderungen werden dort größer, deshalb ist die Mannschaft auch von acht auf 13 Sportlern angewachsen. Sie kommen aus Lüdenscheid, Siegen, Altenkirchen, Olpe, Wenden, Witten, Soest und sogar aus dem Westerwald. Die Gegner heißen in der neuen Saison Demolition Darts Paderborn, Camel Fighter Hagen oder Black Knights Büren. Die weiteste Fahrt geht bis nach Paderborn, natürlich mit den eigenen Wagen. Deshalb sind „DC Mimimi“ auf der Suche nach Sponsoren, was im Sauerland gar nicht so einfach ist.

Vom Dart-Boom, den der zurückgetretene 16-fache Weltmeister Phil Taylor und seine Kollegen vor den Fernsehgeräten und in Spielhallen ausgelöst haben, spüren die Bundesliga-Aufsteiger so gut wie nichts. Die Spielorte im Kreis Olpe werden immer weniger, auch wegen des Kneipensterbens. Früher, berichtet Marco Gebauer, war die Bahnhofsgaststätte in Olpe eine Dart-Hochburg. Lang, lang ist es her.

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