Laufen

Was Sunder, Brutzer und Kleine im neuen Jahr planen

Tanja Sunder nutzt jede Gelegenheit, um die Laufschuhe anzuziehen.

Tanja Sunder nutzt jede Gelegenheit, um die Laufschuhe anzuziehen.

Foto: volkher pullmann

Olpe.  Gute Vorsätze werden zu Jahresbeginn zahlreich gefasst. Was heimische Läufer im neuen Jahr geplant haben und warum ein

Dunkel ist es am Biggerandweg. Aufmerksamkeit ist oberstes Gebot. Läufer begegnen dem Radler. Stirnlampen und reflektierende Kleidung sollen den Bewegungsgurus Sicherheit verleihen. „Klar, das ist zwingend notwendig, wenn du in dieser Jahreszeit unterwegs bist“, klärt Tanja Sunder, Marathonläuferin aus Olpe, auf.

Ob sie denn ihre guten Vorsätze für das neue Jahr umsetzen wolle, überhaupt welche habe? „Nicht wirklich. Das hab ich noch nie gemacht.“ Was Tanja Sunder – und mit ihr viele ambitionierte Hobbyläufer – auch in der kalten Jahreszeit nach draußen treibt, ist schlicht und einfach ein Gefühl des Ausgleichs. Des Ausgleichs vom Alltagstrott wie Beruf und Familie.

Sunders Ziele: Laufen, laufen. laufen

Ist es die Notwendigkeit, den Weihnachtsspeck loszuwerden? Das hat die 44-Jährige ebenso wenig nicht nötig wie Birgit Brutzer, die schon so viele Wettkämpfe bis zum Marathon bestritten hat. „Gut, ich könnte vielleicht drei Kilo weniger drauf haben, aber was soll’s. Ich bin auch langsamer geworden“, gibt sie unumwunden zu. Aber ist das ein Wunder? Sie gehört jetzt zur Altersklasse W60. Da darf’s auch mal etwas langsamer zugehen. „Ich bin ganz froh, dass ich überhaupt noch laufen kann.“

„Nein, ich mache keine prinzipielle Gewichtskontrolle, weder vor noch nach den Feiertagen“, plaudert sie noch ein wenig aus dem Nähkästchen. Und doch: „Ja, ich stelle mich schon auf die Waage. Die Waage ist halt einfach da. Ob mit oder ohne Kontrolle, ich habe seit vielen Jahren eine konstante Kleidergröße.“ Welche? Da schweigt der Läuferin Höflichkeit.

Im Winter nicht zu warm anziehen

Tanja Sunder hat für 2020 schon ihre Ziele. Um diese (sportlichen) Ziele zu erreichen, läuft sie mehrfach die Woche, und das schon seit vielen Jahren. Auch in der kalten Jahreszeit. Wie sie denn ausgestattet sei, gerade jetzt im Winter? Und wo sie laufe? „Nicht zu warm anziehen, es darf einem am Anfang durchaus etwas kühl sein, schließlich wird man ja beim Laufen warm.“ Das sei ein Fehler, den zuweilen Neueinsteiger machen.

„Wichtig ist außer der reflektierenden Kleidung auch, dass diese nicht pechschwarz ist. Weiter ist zu beachten, auf unbeleuchteten Strecken besser in Gruppen zu laufen. Ich bin wirklich kein Angsthase, aber eine Portion Vorsicht ist schon angebracht – vor allem als Frau. ‚Nie allein‘ ist die Devise in der Dunkelheit.“

Sozial engagieren

Was bedeutet die Fünfzig beim Lebensalter? Eine Frage an Tom Kleine, Pressesprecher der Stadt Attendorn. „Oh, das ist schon ein Einschnitt. Ich werde in diesem Jahr fünfzig.“ Vorsätze? „Naja, das eine oder andere Kilo könnte ich schon abgeben“, hält er nicht hinter dem Berg, „das Weihnachtsgebäck hat schon Spuren hinterlassen.“

Als Rennrad- und Belgien-Fan hat er im Vorjahr ein hohes Ziel erreicht. „Ich hatte mir einen Traum erfüllt und einige Etappen der Flandern-Rundfahrt abgefahren. Und dazu gehört auch die berüchtigte Mauer von Geraardsbergen“, erzählt er mit berechtigtem Stolz, dass er nach vergeblichem Anlauf 2018 die bis zu 20-prozentige Steigung bewältigt hat. Und nun mit Fünfzig? „Ja, noch einmal.“

Team André weiter unterstützen

Ein hohes sportliches Ziel – und der Vorsatz zur Realisierung lautet „Training“, aber ohne spezielle Trainingspläne. Für den „Halbhundertjährigen“ sind jedoch andere Ziele viel wichtiger. Und dafür hat er den Vorsatz, weiterhin sozial engagiert arbeiten und wirken zu wollen. Dabei sind es zwei Dinge, die ihm sehr am Herzen liegen: die Inklusion und der Kampf gegen Rassismus.

Das von ihm vor fünf Jahren mitgegründete Team André ist eine Gruppe für Läuferinnen und Läufer mit und ohne Handicap. Regelmäßig trainiert die Gruppe zusammen. Mittlerweile hat das Team schon mehrfach am Citylauf in Attendorn teilgenommen. Und beim „Run of Colours“ in Köln hat Team André für ein hohes Maß an Aufmerksamkeit gesorgt und wurde mit viel Applaus bedacht. Tom Kleines Ziel: „Mit Team André wieder was reißen. Und alle sollen heil ankommen.“

Kein Vorsatz ohne Ziel

Mehr als nur ein Steckenpferd ist sein zweites soziales, ja politisches Standbein: der Kampf gegen Rassismus, verbunden mit dem großen Einsatz für die jüdischen Mitbürger. So wurde ihm als Initiator von „Jüdisch in Attendorn“ der erstmalig im Kreis Olpe ausgeschriebene Preis „Kein Platz für Extremismus und Rassismus“ verliehen.

Ob Vorsatz oder Ziel: irgendwie hängen diese beiden Begriffe eng zusammen. Ohne Vorsatz kann kein Ziel erreicht werden. Ohne Ziele hat man keine Vorsätze. Das gilt für den Sport wie auch für den sozialen Bereich. Birgit Brutzer, Tanja Sunder und Tom Kleine sind nur Beispiele für die große Mehrheit der Bevölkerung – so sie vom Sport oder sozialen Engagement infiziert ist.

Und Otto Normalverbraucher oder Erika Mustermann? Fühlen sie sich übergewichtig? Dann lautet der Vorsatz „Abnehmen“. Aber wie? Da werden viele Rezepte angeboten. Natürlich: Bewegung und gesunde Ernährung. Wer weiß das nicht. Und damit ist man wieder beim Vorsatz…

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