Fußball-Westfalenliga

Venhar Bivolaku: „Ich bin meinem Vater sehr dankbar“

Venhar Bivolaku, FC Lennestadt (links).

Venhar Bivolaku, FC Lennestadt (links).

Foto: Michael Meckel

Lennestadt.  Vor vier Wochen gab Venhar Bivolaku (30) seinen Abschied vom Fußball-Westfalenligisten FC Lennestadt bekannt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Im Sommer 2020 wird er Spielertrainer des B-Kreisligisten SV Rahrbachtal. Wir sprachen mit Venhar Bivolaku über seine sportliche Karriere und auch über seine Anfangsjahre in Deutschland.

Frage: Die wichtigste Frage vorweg: Warum verlassen Sie nach vier Jahren den FC Lennestadt?

Für mich war schon immer klar, irgendwann in die Rolle des Trainers schlüpfen zu wollen. Ich habe entschieden, den nächsten Schritt zu gehen. Der Wunsch nach einer neuen Herausforderung und sportlicher Veränderung wurde in den letzten Jahren immer größer. Der FC Lennestadt steht sportlich mit Platz fünf sehr gut da.

Tut es da nicht besonders weh, den Verein zu verlassen?

Wir sind eine gute Truppe, sportlich und gemeinschaftlich. Natürlich fällt der Wechsel etwas schwer, aber das Konzept des SV Rahrbachtal mit jungen Spielern hat mich überzeugt.

Doch ein wenig Wasser muss in den Wein gegossen werden. Seit dem spielfreien Sonntag am 29. September läuft es nicht mehr so rund beim FCL. Aus den letzten Spielen gab es nur einen Sieg. Darunter waren die Klatschen in Neheim (0:5) und am Sonntag in Hordel mit 2:6. Woran liegt‘s?

Man darf nicht vergessen, auf welchem Tabellenplatz wir das letzte Jahr um diese Zeit standen. Wir haben in dieser Saison erst vier Niederlagen einstecken müssen. Es gibt verschiedene Faktoren, die zu den hohen Klatschen geführt haben. In der Westfalenliga kann man es sich nicht leisten, in der Anfangsphase nicht auf 100 Prozent zu laufen. Dies war am Sonntag in Hordel der Fall. Außerdem ist unser Kader im Verhältnis zu den anderen Westfalenligamannschaften nicht so breit besetzt. Daher ist es schwierig, das Niveau Woche für Woche auf dem gleichen Level zu halten.

Warum fiel Ihre Wahl auf den SV Rahrbachtal, der vier Klassen tiefer spielt?

Zum einen ist der SV Rahrbachtal eine eingeschworene Truppe mit jungen vielen einheimischen Spielern. Dazu hat er einen gut aufgestellten Jugendbereich mit hohem Potenzial. Zum anderen gehört der SV Rahrbachtal mit zu denjenigen Vereinen, die gut geführt werden. Auch Franz Vetter ist ein Vorbild für die junge Trainergeneration. Auf die neue Aufgabe freue ich mich sehr. Ich hoffe, dass ich schnell in die neue Rolle reinwachsen werde.

Zu Ihnen persönlich. Sie kommen gebürtig nicht aus Deutschland, sondern Sie sind in einer für Ihre Familie sicher bewegten Zeit als Kind nach Deutschland gekommen.

Ja, das stimmt. Geboren bin ich in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo. Dort habe ich meine ersten fünf Lebensjahre verbracht. Mein Vater ist schon 1991 nach Deutschland gekommen, da im Kosovo politische Unruhen herrschten. Im Vorfeld wollte er sich um eine sichere Arbeitsstelle und eine Wohnung kümmern. Knapp drei Jahre später, 1994, hat mein Vater eine familiäre Lebensgrundlage für uns schaffen können. Nach drei Jahren ohne Sichtkontakt holte er uns zu sich nach Deutschland. Gemeinsam zogen wir zuerst nach Würdinghausen, Jahre später nach Kirchhundem.

Haben Sie noch Erinnerungen an die schweren Jahre im Kosovo?

Negative Erinnerungen an den Kosovo habe ich nicht. Ich hatte immer ein stabiles Umfeld, eine herzliche Familie und eine schöne Kindheit. Ich bin meinem Vater sehr dankbar für die Entscheidung und die Möglichkeit, nach Deutschland gekommen zu sein.

Wie haben Sie Ihre ersten Jahre in Deutschland erlebt. Wie schnell haben Sie sich an die neuen Verhältnisse in einem neuen Land gewöhnt und zum Beispiel die deutsche Sprache erlernt?

Für mich war das als kleines Kind wie ein Abenteuer. Es war sehr aufregend. Meine Eltern waren sehr offen und kontaktfreudig. Wir konnten uns schnell einleben. Die deutsche Sprache erlernte ich schnell.

Zurück zum Fußball. Wann und bei welchem Verein haben Sie angefangen, Fußball zu spielen?

Angefangen habe ich in der F-Jugend in Kirchhundem. Von dort aus ging ich zu den Sportfreunden Siegen und spielte dort von der C- bis zur B-Jugend. Mein damaliger Trainer empfahl mir, nach SG 06 Betzdorf zu wechseln, da er dort größere Chancen für mich sah, höherklassig spielen zu können.

Im Kosovo haben Sie noch kein Fußball gespielt?

Im Verein war das nicht möglich. Aber im Kosovo habe ich fast jede Gelegenheit genutzt, mit Freunden auf der Straße oder auf Bolzplätzen zu spielen.

Und wie ging es dann mit Ihrer Karriere weiter?

Nach zwei Jahren in der A-Jugend-Regionalliga und einem Jahr in der Senioren-Oberliga mit Betzdorf, wechselte ich zur SpVg Olpe. Im Anschluss ging ich zum Heimatverein FC Kirchhundem zurück. Dort spielte ich sechs Jahre lang. 2016 wechselte ich zum FC Lennestadt, der gerade in die Westfalenliga aufgestiegen war. Dort reizte mich der sportliche Aspekt und der Zusammenhalt der Mannschaft.

Sportlich lief es in Ihrem ersten Jahr beim FCL nicht so rund. Es ging zurück in die Landesliga. Es folgte aber der direkte Wiederaufstieg. Wie war das Gefühl, als am 10. Mai 2018 nach dem 3:2-Sieg in Erlinghausen der Aufstieg feststand?

Mit der Mannschaft das Jahr direkt wieder aufsteigen zu dürfen, war ein unglaubliches Gefühl. Ich freute mich riesig auf die Westfalenliga mit den Jungs.

Wie hat sich die FCL-Mannschaft gegenüber der ersten Westfalenliga-Saison 2016/17 verändert?

Wir haben im ersten Jahr Westfalenliga oft gut gespielt, aber einfach nicht die nötigen Tore gemacht. Dazu kam noch etwas Pech. Die Erfahrung der letzten zwei Westfalenliga Saisons spielt uns dieses Jahr gut in die Karten. Unser System im taktischen Bereich hat sich dadurch verbessert.

Zum Schluss muss ein Tipp sein. Wo landet der FC Lennestadt am Ende der Saison?

Wünschenswert wäre es natürlich in der oberen Tabellenhälfte zu landen. Dafür müssen wir noch einige Punkte sammeln. Der Klassenerhalt ist natürlich unser erstes Ziel.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben