Deutscher Meister

René Springob zaubert mit 300 Bällen

Rene Springob aus Petersburg, Deutscher Meister im Minigolf.

Rene Springob aus Petersburg, Deutscher Meister im Minigolf.

Foto: martin droste

Petersburg.  Der Kreis Olpe hat einen neuen Deutschen Meister. Der heißt René Springob, kommt aus Attendorn-Petersburg und spielt Minigolf.

Bei den 64. nationalen Titelkämpfen holte sich René Springob im hessischen Künzell bei den Herren (20 bis 45 Jahre) den ersten Platz.

Der 22-Jährige startet seit 2014 für den in der 2. Bundesliga West spielenden MSK Neheim-Hüsten. Mit Bahnengolf hat Springob, der im benachbarten Erlen aufgewachsen ist, auf der Anlage des Sterngolf-Sportclubs (SSC) Attendorn begonnen.

René Springob weiß noch genau, wie alles angefangen hat. Mit seinem Vater nahm der junge Attendorner 2009 am Pfingstturnier des SSC in Neu-Listernohl teil. Mit mäßigem Erfolg. „Ich habe damals sehr viele Schläge gebraucht, so zwischen 40 und 50“, erinnert sich der heute 22-Jährige. Gewonnen hatte er trotzdem etwas: eine kostenlose Jahresmitgliedschaft beim Sterngolf-Sportclub. Zwei Jahre später trat Springob dann endgültig in den Verein ein.

Helmut Lutz ist der erste Trainer

Danach begann eine Erfolgsgeschichte. „Am Anfang hat es nicht so gut geklappt. Aber man hat schon gesehen, dass René wusste, wo die Bälle hingeschlagen werden müssen“, schmunzelt Helmut Lutz beim Termin auf der Anlage des SSC Attendorn in der Spechtstraße in Neu-Listernohl. Lutz ist seit 30 Jahren 1. Vorsitzender des Vereins und, wie er betont, „als einziges Gründungsmitglied übrig geblieben“. Der Hansestädter war auch der erste Jugendtrainer des frisch gebackenen Deutschen Meisters im Minigolf.

René Springob spielt zwar nicht mehr für die Sterngolfer aus dem ehemaligen „Golddorf“. Mitglied ist der 22-Jährige, der sein Geld als technischer Systemplaner bei der Firma G-TEC in Siegen verdient, aber nach wie vor. Der junge Mann ist auch nicht der erste Deutsche Meister aus den Reihen des SSC Attendorn. 1987 und 2014 holten die Schüler-Mannschaften den nationalen Titel. 2014: Da war René Springob schon Jugendlicher und für das Schülerteam zu alt. Die Deutsche Meisterschaft holte er jetzt in Künzell nach.

2. Liga mit dem MSK Neheim-Hüsten

Der größte Erfolg bis dahin war der Sieg beim U23-Bundesvergleichskampf im Jahr 2017. Mit der Zweitliga-Mannschaft des MSK Neheim-Hüsten landete Springob in der abgelaufenen Saison auf dem zweiten Tabellenplatz. Gespielt werden pro Saison sechs Turniere, jede der fünf Mannschaften hat einmal Heimrecht. Der sechste Wettkampf wird auf einem Filzmaterial ausgetragen. „Dabei sind die Bahnen länger als beim Minigolf“, klärt René Springob auf.

Bei der letzten Deutschen Meisterschaft in Bottrop war der Hansestädter Fünfter geworden. Wieder für die DM qualifiziert, wollte Springob erneut „unter die Top-5 kommen“. An den Titel hatte er überhaupt nicht gedacht, zumal zwei „Heimspieler“ aus Künzell am Start waren, die in der 1. Bundesliga Süd spielen. „Das waren für mich die Favoriten“, berichtet der 22-jährige. Aber dann kam alles ganz anders.

Bei der Vorbereitung überließ René Springob nichts dem Zufall. Er nahm sich Urlaub und reiste schon acht Tage vor den Deutschen Meisterschaften in Osthessen an. Von Freitag bis Mittwoch war der 22-Jährige den ganzen Tag auf der Anlage mit ihren 18 Bahnen aus Beton, um zu trainieren, trainieren, trainieren… „Vom Ort habe ich nur die Minigolfanlage gesehen“, lacht Springob. Schon zu Hause hatte er sich intensiv mit der Bahn in Künzell beschäftigt. „Jede Anlage hat eine Beschreibung, einen Pistenplan, den man sich online anschauen kann. Dabei werden auch die möglichen Schlagvarianten gezeigt und die Bälle, die man benutzen sollte“, erklärt der Fachmann.

Die Bälle: Wissenschaft für sich

Apropos Bälle. „Das ist eine Wissenschaft für sich“, sagt René Springob. Es gibt welche aus Glas, Gummi oder korkartigem Material. Die Bälle haben drei verschiedene Größen, sind schnell oder langsam, weich oder hart, mit vielen Varianten dazwischen. Das ist aber längst nicht alles. „Jede Bahn ist anders“, erklärt der 22-Jährige. Dazu kommen die Witterungsverhältnisse oder die Art des Betons. „Morgens reagiert der Ball wegen eines Temperaturunterschiedes vielleicht anders als am Mittag““, entscheidet Springob am Ende „mit dem Bauchgefühl“.

Die Auswahl ist riesengroß. „Fast 300 Bälle“ gehören zur Ausrüstung des neuen Deutschen Meisters. Normalerweise sortiert er vor Turnieren aus und nimmt 30 davon mit. Bei den Titelkämpfen in Künzell hatte der Attendorner aber alle im Gepäck.

An den beiden ersten Meisterschaftstagen standen jeweils drei Runden auf dem Programm. „Ich hatte nach dem Training zwar ein gutes Gefühl, bin aber jeden Morgen etwas nervös an den Start gegangen“, so René Springob. Aber dazu hatte er keinen Grund. Denn schon ab der zweiten Runde lag er in Führung und gab sie auch bei den drei Zwischenrunden am Samstag und der Finalrunde am Sonntag nicht mehr ab. Mit einem Rundenschnitt von 26,1 Schlägen holte sich der Außenseiter aus Attendorn die Deutsche Meisterschaft im Minigolf. Gleichzeitig landete die Mannschaft des MSK Neheim-Hüsten auf dem zweiten Platz. Die Freundin von René Springob war bei den Titelkämpfen dabei. Sie spielt selbst für die Hochsauerländer. Kennengelernt haben sich die beiden 2012 - natürlich beim Minigolf. Noch das eine oder andere Turnier, dann beginnt auch für René Springob die Winterpause. Die neue Saison beginnt Ende März 2020. Bis dahin fährt der 22-Jährige zum Training nach Halver in die dortige Minigolfhalle. Früher haben ihn die Eltern oder Helmut Lutz gefahren. Dafür ist der junge Hansestädter sehr dankbar.

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