Serkenrode/Fretter

Matthias Kremer: „Das wird sicher ein komisches Gefühl sein“

Matthias Kremer ganz oben nach dem vollbrachten Bezirksliga-Aufstieg mit Serkenrode/Fretter.

Matthias Kremer ganz oben nach dem vollbrachten Bezirksliga-Aufstieg mit Serkenrode/Fretter.

Foto: Reni Hahn

Fretter.  „Es bleibt spannend,“ sagte Matthias Kremer (50), als er zunächst beruflich telefonierte und uns dann zurückrief.

Was für seine Arbeit gilt - trifft das auch in sportlicher Hinsicht zu? Denn am Sonntag endet eine lange und erfolgreiche Fußballkarriere. Das Heimspiel gegen Langenholthausen ist für Matthias Kremer das letzte in Diensten der SG Serkenrode/Fretter und wohl auch sein vorletztes als Trainer überhaupt.

Da sind wir ja gleich im Thema. Stichwort Spannung: Wird die Ihnen künftig im Sport fehlen?

Matthias Kremer: Das wird sicher ruhiger. Darauf freue ich mich auch. Denn ich habe das jetzt lange genug gemacht, ich brauche erstmal ein bisschen Abstand.

Obwohl Sie ja mit der SG Serkenrode/Fretter in ruhigen Fahrwassern schippern und ohne jede Abstiegssorgen waren...

Das ist richtig und es macht auch Spaß mit der Mannschaft. Es ist eine Supertruppe, von der Kameradschaft her. Deshalb bin ich auch froh, dass die Saison relativ früh in ruhigen Gewässern verlaufen ist.

Ist Ihr Abschied kein Besonderer? Weil Sie ja gewissermaßen Abschied vom Heimatverein nehmen, das ist sicher etwas anders, als wenn Sie einen anderen Verein trainieren würden...

Ganz klar. Deswegen bleibe ich auch dem Verein erhalten und arbeite weiter im Vorstand mit. Das ist meine Heimat, da bin ich aufgewachsen, habe hier in der Jugend gespielt. Auch wenn ich danach lange Jahre in Grevenbrück war, wird das sicher ein komisches Gefühl sein.

Sie sind ein emotionaler Mensch. Werden da am Sonntag ein paar Tränchen fließen?

Kann ich schwer einschätzen. Jetzt, heute würde ich sagen: Das wird ein normaler Vorgang werden.

Schon als Spieler waren Sie mit Feuer dabei, auch als Trainer. Da hatten Sie ein Ventil. Konnten brüllen oder den Mitspieler am Trikot reißen, um ihn wach zu rütteln. Das alles geht als Vorstandsmitglied künftig nicht mehr. Oder wird man dann doch ruhiger?

Wenn ich auf dem Platz stehe, will ich gewinnen. Ob das Ü50 ist, wie jetzt kürzlich in Ottfingen, oder mit der Ü32 in Altenhof. Ich habe die Leidenschaft, und das wird bei mir auch nicht ruhiger. Ich sehe es an mir, wenn meine Söhne spielen und ich am Rand stehe. Und ich sehe es auch jetzt noch als Trainer. Das wird sicher schwer, nur zuzuschauen, als Fan oder als Vorstand. Wie das wird, das ist eine Unbekannte. Ich hoffe, dass ich das in den Griff kriege. Dass ich zwar mitfiebere, aber in den richtigen Bahnen.

Sie sind seit gut 40 Jahren Fußballspieler und Trainer. Was war das Größte in dieser langen Zeit?

Das Allerschönste, das Emotionalste, das Tollste war, als wir 1994 mit RW Lennestadt aufgestiegen sind in die Oberliga. Das war nicht nur der schönste Tag, sondern die schönste Woche. Finnentrop/Bamenohl war ja auch ganz, ganz nah dran, sie haben eine sensationelle Saison gespielt. Aber Oberliga hat noch keiner wieder geschafft, und daran kann man auch den Stellenwert dieses RWL-Aufstiegs sehen.

Sie hatten ja als Trainer auch mit der SG Finnentrop/Bamenohl Erfolg. War das vielleicht die zweitschönste Zeit?

Das waren wunderschöne drei Jahre, eine tolle Verabschiedung. Aber im Allgemeinen sage ich: Ich habe wenige Vereine kennengelernt: Grevenbrück, Fretter, Bamenohl. Der Aufstieg mit Serkenrode/Fretter war ja auch toll, er kam genau im richtigen Moment. Drei Jahre lang durften wir ja als SG nicht.

Sie hatten viele Gegenspieler, viele gegnerische Trainer. Gibt es jemanden, dem Sie auf diesem Wege etwas ausrichten möchten?

Das wären, glaube ich, zu viele (lacht).

Es gab jede Menge heißer Duelle.

Die heißesten waren immer die Spiele gegen den SV Ottfingen und gegen den VSV Wenden. Wenn wir uns heute begegnen, mit Bernd Stracke oder Hubertus Ochel zum Beispiel, dann geht’s immer noch zur Sache.

Gab es den besonders unangenehmen Gegenspieler?

Ja. Der Maik Stock vom SV Ottfingen. Der Mollo hat immer den Maik Stock auf mich angesetzt. Wenn ich den schon gesehen habe, hätte ich in fressen können.

Ihre Anfänge im Seniorenbereich hatten es schon in sich, stimmt’s?

Allerdings. Im ersten Jahr hatten wir eine Dreierrunde in der Kreisliga A mit den punktgleichen Finnentrop/Bamenohl und FC Lennestadt. Und im zweiten Jahr standen wir mit dem SV Fretter im Entscheidungsspiel um den Bezirksligaaufstieg gegen den FSV Gerlingen. Der Meister der Kreisliga A1 gegen den Meister der A2. Gerlingen hat beide Spiele gewonnen.

Die SG Serkenrode/Fretter ist gut geführt. Da wird die Vorstandsarbeit Spaß machen, oder?

Die macht jetzt schon Spaß. Ich bin ja jetzt mittlerweile ein Jahr mit dabei. Beide Vereine sind sehr, sehr gut geführt, die SG läuft reibungslos.

War es vorauszusehen, dass Fretter und Serkenrode so harmonieren?

Ich bin ja vom ersten Spiel an dabei, bin praktisch der erste Trainer. Wir haben auch eine Menge dafür getan, dass das so funktioniert. Man muss viel Arbeit leisten, dass man das am Laufen hat und auch am Laufen hält. Wenn man immer kontraproduktiv ist und immer dagegen arbeitet, dann bringt das nichts. Es müssen beide Mannschaften harmonieren, die Vorstände harmonieren. Und ich denke, da haben wir was Gutes hingekriegt. Bei uns läuft es einwandfrei. Das gilt auch für meinen gleichberechtigten Trainerpartner Christian Günther und mich. Ein Supertyp.

Apropos Mannschaft: Wie reagierte sie, als klar war, dass Sie als Trainer aufhören?

Ich bin ja schon lange dabei und ich merke, dass man mal eine Veränderung braucht, auch im Verein und in der Mannschaft. Die SG Serkenrode/Fretter gibt es jetzt seit fünf Jahren, so lange bin ich da Trainer. Es muss weiter gehen, auch mit Veränderungen. Da ist es mit Sicherheit gut, dass ein neuer Trainer kommt.

Wie gut kennen Sie Ihren Nachfolger Gregory Zoran?

Ihn kenne ich noch nicht so gut, eher von der Entfernung aus Rönkhausen. Ein paar Mal habe ich mit ihm gesprochen, und habe einen Super-Eindruck. Ich glaube auch, dass das klappen kann, er kriegt jedenfalls meine vollste Unterstützung.

Werden wir Sie wirklich nie mehr als Trainer irgendwo sehen? Man kann’s ja nicht glauben!

Ich kann mir nicht denken, dass ich irgendwo nochmal Trainer werde. Vielleicht Jugendtrainer, vielleicht, wenn ich mal helfen soll. Ich würde nicht nein sagen.

Gibt es nun Dinge, für die Sie künftig mehr Zeit haben?

Ich werde mit meiner Frau jetzt mehr unternehmen. Wir haben meiner Frau E-Bike zulegt, wir gehen wandern oder machen einen Urlaub mehr als sonst. Fußball schauen werde ich; dort, wo meine Söhne spielen oder bei Serkenrode/Fretter. Der Älteste spielt in Serkenrode/Fretter in der Zweiten, der Jüngste beim TuS Sundern in der B-Jugend.

Info

Im ersten Jahr bei der SG Serkenrode/Fretter arbeitete Matthias Kremer mit Matthias Lönze zusammen, und die letzten vier Spielzeiten bildeten Kremer und Christian Günther in Serkenrode/Fretter ein gleichberechtigtes Trainergespann. Christian Günther kam damals vom FC Lennestadt, nachdem er einige erfolgreiche Stürmer-Jahre bei Finnentrop/Bamenohl vorweisen konnte.

Auch in der Saison 2019/20 wird Christian Günther Trainer bei der SG Serkenrode/Fretter sein und, wie im Februar bereits berichtet, gemeinsam mit Trainer Gregory Zoran (38) die sportliche Verantwortung tragen. Zoran war zuletzt beim TV Rönkhausen tätig. Gemeinsam mit Julian Opitz hatte er den TVR in der Saison 2016/17 in die Fußball-Kreisliga B geführt. „Den Tipp hat uns übrigens Jan Heimes gegeben,“ verriet Matthias Kremer, wie die SG auf Gregory Zoran gekommen sei. Jan Heimes hatte die Zweite der SG Serkenrode/Fretter trainiert und spielt heute in Rönkhausen.

Mit Simon Keine (25 Jahre, FSV Helden) und Matthias Arens (24 Jahre, FC Cobbenrode) stehen bereits zwei Neuzugänge der SG Serkenrode/Fretter für die kommende Saison fest.

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