Portrait

Karin Gabriel: Fußball und Beruf mit ganzem Herzen

Unschwer zu erraten, für welchen Fußballverein Karin Gabriels Herz schlägt: Seit den 70er-Jahren für Borussia Mönchengladbach. Sie ist optimistisch, dass die „Fohlen“ am Ende ganz vorn landen könnten.

Unschwer zu erraten, für welchen Fußballverein Karin Gabriels Herz schlägt: Seit den 70er-Jahren für Borussia Mönchengladbach. Sie ist optimistisch, dass die „Fohlen“ am Ende ganz vorn landen könnten.

Foto: meinolf Wagner

Attendorn.  Früher im Fußball, heute im Beruf. So zielstrebig wie Karin Gabriel als Spielerin und Trainerin war, gibt heute sie Vollgas als Lehrerin.

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Dabei wäre die 54-Jährige beinahe gar nicht in diesem Beruf gelandet. Nach dem Abitur 1984 in Lennestadt studierte sie Sport, Geschichte und Pädagogik, von 1991 bis 1994 war sie freie Mitarbeiterin beim WDR in Siegen, Schwerpunkt Sport. Der Zufall spielte mit. Karin Jäger, 29-malige Deutsche Meisterin und dreifache Olympiateilnehmerin, wollte Urlaub machen. Karin Gabriel: „Sie stellte mich dem damaligen Studioleiter Gerd Elsner vor und alles war klar“.

Pressekonferenzen, Live-Reportagen oder schriftliche Beiträge gehörten fortan zu ihrem Tagesablauf. Irgendwann aber musste Karin Gabriel eine Entscheidung für den weiteren beruflichen Weg treffen. „Ich habe mich für den Beruf als Pädagogin entschieden.“

Mit Silvia Neid auf Fußballreise

Von da an konnte sie sich weitere Träume erfüllen, neue Länder kennenlernen. Die USA waren immer ein beliebtes Ziel. Egal, ob die West- oder Ostküste. Sie reiste durch die Welt. 1990 war sie mit der ehemaligen Bundestrainerin Silvia Neid auf Fußballreise in Neuseeland. „Ein gigantisches Land mit vielen unterschiedlichen Facetten“, so die frühere Finnentroperin. Hier traf sie den früheren Rothemühler und Ottfinger Fußballer Lee Green. Ein weiterer Höhepunkt waren die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta.

Man sieht der früheren Fußballerin des FC Finnentrop die Freude an ihrem Beruf an. „Viele Gespräche, Diskussionen und kreative Vorträge“, das ist ihre Welt. Als Lehrerin kann sie ihren Bereich nach ihren Vorstellungen gestalten. Auf ein gutes Klima legt sie in ihrem Team und Umfeld großen Wert. „Man muss das Herz am rechten Fleck haben. Es macht Spaß. Die Jugendlichen geben viel zurück“. Es fallen stets diese Worte: Kommunikation, Kreativität, Lockerheit, Leichtigkeit. Immer im Mittelpunkt: Der Mensch.

„Der Mensch steht immer als Gesamtbildnis an erster Stelle“, stellt Karin Gabriel klar. Für solche Belange hat sie stets ein offenes Ohr. Ihr Credo: „Durch mehr Verständnis und Akzeptanz wird eine Gruppe stärker.“ Das heißt aber nicht, dass nur Harmonie herrscht. „In jeder Firma wird gestritten“, sagt Karin Gabriel. Das gehöre dazu. Ohne einen Streit, ohne das gemeinsame Suchen nach einer Lösung entwickelt sich nichts. 2010 machte sie eine zusätzliche Prüfung, um unter anderem 2011 die Leitung des Kompetenzzentrums Berufsorientierung Plettenberg (KBOP), ein Angebot der Zeppelinschule Plettenberg, für die Jahrgänge 9/10, zu übernehmen.

Die Profilbereiche lauten Industrie, Handwerk, Handel und Wirtschaft, sowie Soziales und Gesundheit. Den einzelnen Profilen entsprechend ist der Unterricht nicht nur Abschluss orientiert und auf die schulischen Prüfungen ausgerichtet, sondern enthält einen erheblichen Anteil an berufsbezogenen und profilbezogenen Lernanlässen. Diese Anteile werden nicht nur von Lehrkräften moderiert, sondern in erheblichem Maße von externen Vermittlern. Unterricht in Projekten nimmt einen breiteren Raum ein. Es ist ein Projekt, das den Jugendlichen ständige Reaktionen, Abwechslung und Veränderungen abverlangt.

Herz schlägt für Gladbach

Was den Sport betrifft, ist es ruhig um Karin Gabriel geworden. Der Fußball, der ihre Welt war, ist in den Hintergrund gerückt. Die Bundesliga verfolgt sie überwiegend von der Couch aus. „Mein Herz schlägt seit den 70er-Jahren für Borussia Mönchengladbach. In meinem Herzen ist die schwarz-weiße Raute eingeprägt. Die Fohlen-Elf sehe ich mir so oft es geht live an“. Sie sei „optimistisch, dass die Borussen in diesem Jahr ganz vorne landen können“.

Karin Gabriel lebt in einem Attendorner Vorort. Der Fußball nimmt sie nach wie vor in Beschlag - in reduzierter Form: „Der FSV Helden bietet Walking Football an, eine Variante insbesondere für die, die nicht mehr am Senioren- oder Altliga-Betrieb teilnehmen können.“ Es sei schon „technisch anspruchsvoller Fußball. Im Schritttempo gewissermaßen. Ich bin als Quotenfrau unter lauter Männern mit dabei“.

Die Natur und das Laufen durch die Wälder sind der Gegenpol. „Als Ausgleich brauche ich die Ruhe zu meinem anstrengenden Beruf als Lehrerin“, sagt die heute 54-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung.

Von 1979 bis 1989 spielte Karin Gabriel beim FC Finnentrop. Das Fußball-ABC erlernte die Straßenfußballerin am Finnentroper Schulzentrum unter dem damaligen 2. Vorsitzenden Hans Jäkel und Trainer Helmut Rokitte. Darüber hinaus hat sie der Trainerjob immer gereizt. Bei einem zwanglosen Gespräch mit dem Siegener Trainer Gerd Neuser in der Sportschule Kaiserau wurde der weitere Weg als Trainerin vorgezeichnet. „Er hat mich gefragt, ob ich mir ein Engagement beim Siegerländer Vorzeigeklub des Frauenfußballs TSV Siegen vorstellen könnte. Ich konnte,“ erinnert die Pädagogin. Es waren erfolgreiche Jahre. Aber: „Es ist auch ein abgeschlossener Abschnitt in meinem Leben.“

Info

Zur Person: Karin Gabriel. - Geboren: 1965. - Vereine: FC Finnentrop 1979 bis 1989.

Erfolge als Spielerin: Berufung in die Mädchen- Westfalenauswahl 1980, Aufstieg in die Bezirksliga und Kreispokalsieger 1982, Berufung in die Damen-Westfalenauswahl 1983, Aufstieg in die Landesliga 1985 und Mannschaft des Jahres durch eine Wahl der Leser der WESTFALENPOST.

Erfolge als Trainerin: B-Lizenz 1985 in Kaiserau als erste Frau in NRW, Trainerin der Mädchen-Kreisauswahl und Co-Trainerin der Mädchen und Damen-Westfalenauswahl von 1984 bis 1988. Co-Trainerin der Frauenmannschaft beim TSV Siegen, DFB-Pokalsiegerin 1989, Deutsche Meisterin 1990, 1991 und 1992.

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