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Für Lennart Vente wird ein Traum wahr

Rot, wohin man auch blickt. Lennart Vente zeigt, mit welchem Spieler er am Freitag am liebsten auf den Rasen in München laufen möchte.

Rot, wohin man auch blickt. Lennart Vente zeigt, mit welchem Spieler er am Freitag am liebsten auf den Rasen in München laufen möchte.

Foto: Lothar Linke

Kirchhundem.  Der neunjährige Bayern-Fan Lennart Vente aus Kirchhundem ist Einlaufkind beim Bundesliga-Spiel Bayern München gegen Hertha BSC.

Für einen sonnigen August-Morgen ist das Kinderzimmer von Lennart Vente eher dunkel. Nicht etwa weil die Jalousien noch unten sind. Oder üppige Sträucher das Licht abhalten. Es sind Poster und Fotos vom FC Bayern München, die an der Scheibe kleben und die die Sicht nach draußen trüben.

Ein bisschen Verlust ist immer. Aber Lennart blieb nichts anderes übrig. Anderswo im Zimmer des neunjährigen Jungen aus Kirchhundem blieb kein Platz mehr übrig. Denn alle Wände waren bis auf den letzten Quadratmeter belegt. Mit Manuel Neuer, mit Leon Goretzka, mit Franck Ribéry und Robert Lewandowki oder mit der kompletten Mannschaft des Rekordmeisters. Die Bettwäsche muss nicht näher beschrieben werden. Das Nachtlager bewacht tagsüber das Maskottchen Bernie.

Völlig sprachlos

Wer die glühende Leidenschaft des Kirchhundemers zum FC Bayern erlebt, kann sich in etwa ausmalen, wie er auf die Nachricht reagiert hat, dass er am Freitag an der Hand eines Bayern-Profis zum Spiel gegen Hertha BSC Berlin in die Allianz-Arena einlaufen darf. Wie hoch er gesprungen ist, weiß er nicht mehr so genau. „Er war vollkommen sprachlos,“ erzählt seine Mutter Tatjana Vente.

Sie hatte für ihn das Preisausschreiben gemanagt und das schönste Sommerbild ihres Sohnes an den „Kids Club“ des FC Bayern geschickt. Es zeigt Lennart Vente im Pool. In Bayern-Montur, versteht sich. Dahinter hängt ein großes Bayern-Badetuch.

Derart in Schale geschmissen empfing Lennart Vente uns am Dienstag Morgen auch zum Gespräch. Er hangelte sich fröhlich am Treppengeländer herunter, dabei trug er das Heimtrikot, das knallrote. „Seit zweieinhalb Jahren machen wir bei solchen Preisausschreiben mit, bei allen möglichen Sponsoren“ berichtet Tatjana Vente, „ich bin dafür die zuständige Stelle. Jetzt hat es geklappt.“ Lennart Vente wird von seinen Eltern begleitet, auch sie bekommen Karten für das Spiel. Am Freitag Morgen brechen sie auf Richtung München, am Samstag sind sie wieder in Kirchundem.

Einlaufkind zu sein, das ist extrem begehrt. Um einen der Plätze, die Lennart nun gewonnen hat, hatten sich „ungefähr 600 Kinder“ beworben, berichtet die Mutter.

Am 25. Juli schlug die Nachricht aus München bei den Ventes ein. „Wir wollten es ihm eigentlich ein paar Tage später sagen und was Besonderes draus machen,“ erzählt Tatjana Vente. Ein aussichtsloses Unterfangen. Denn Lennart fragte jeden Tag nach. Irgendwann war das elterliche Stillschweigen nicht mehr durchzuhalten.

Wahl zwischen zwei Heimspielen

Das frisch gekürte Einlaufkind hatte übrigens die Wahl zwischen zwei Heimspielen. Gegen Hertha BSC oder gegen Mainz 05. Lennart entschied sich für Hertha. Der Grund leuchtet ein: „Gegen Mainz hätten wir mit der Gastmannschaft auflaufen müssen.“

Mit welchem Bayern-Spieler Lennart auf den Rasen schreiten wird, ist noch offen. Das wird eingeteilt, wenn die Kinderschar sich um 19.15 Uhr komplett versammelt hat. Geht es nach Lennart Vente, kann sich der Kids Club diese Prozedur sparen. Er hat sich längst festgelegt: „Mit Robert Lewandowski, Thomas Müller, aber am liebsten mit Manuel Neuer. Aber Coman wäre auch gut.“ Hat er vor, mit dem Profi an seiner Hand zu plaudern? Gern. „Ich werde ihm sagen, dass er mein Idol ist,“ hat Lennart Vente sich fest vorgenommen. Sollte es Manuel Neuer werden, muss sich der Kirchhundemer Junge mächtig strecken. Der Bayern-Torwart misst 1,93 Meter, Lennart ist 1,40 Meter groß. Daher kommt er auch nicht als Fahnenkind infrage, also als derjenige, der vor allen anderen mit der Flagge vorausgeht. Dazu muss man 1,50 Meter aufbringen.

Vorfreude auf Bernie

Seit 2016 ist Lennart Vente Bayern-Fan. Einmal war er bereits in der Münchner Arena. „Gegen Leverkusen,“ erinnert er sich. Auch in Dortmund hat er schon Stadionluft geschnuppert und in Düsseldorf beim Telekom-Cup.

Aber vor 75.000 Zuschauern auf den Rasen zu gehen und diesen 75.000 Menschen zuzuwinken, ist freilich eine ganz andere Dimension. Ob er aufgeregt sein wird, das kann er noch nicht abschätzen. „Im Tunnel vielleicht noch nicht,“ antwortet er nach kurzem Überlegen, „aber auf dem Platz sicherlich.“

Logisch, dass er sich auf Bernie freut. Auf das mächtige, pelzige Maskottchen seines Vereins, das vor und nach dem Spiel über den Rasen spazieren geht.

Tatjana Vente nimmt die Bayern-Leidenschaft ihres Sohnes gelassen hin. Ein Vorteil hat das Ganze: „Man muss nicht überlegen, was man zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenkt,“ sagt sie.

Ein Teil des Kommuniongeldes wurde in das neue Heimtrikot investiert. Aber der Fanartikel-Katalog ist eine schier unerschöpfliche Quelle. Und die hat Lennart noch längst nicht trocken gelegt. „Ein Neuer-Trikot, ein Hochbett, eine Wanduhr...“ präsentiert er seine mittelfristigen Planungen.

Auch in der Schule nimmt niemand Anstoß an Lennarts Vorlieben. Die Sportlehrerin sei zwar Schalke-Fan, aber sie lasse ihn in Ruhe und meckert nicht, verrät er. Gleiches gilt für einen seiner Lehrer, der sich zu Borussia Dortmund bekennt. Die Borussia erwartet er übrigens als den großen Konkurrenten. So wie in der vergangenen Saison. „Diesmal sind sie noch stärker.“

Überflüssig wie die Frage nach dem Meister 2020 ist auch die nach Lennearts Berufswunsch: „Bayern-Profi“.

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