Schwimmen

Fabian Brune: Der WM-Countdown läuft

Fabian Brune mit Trainerin Martina Döbbeler.

Fabian Brune mit Trainerin Martina Döbbeler.

Foto: Michael Meckel

Finnentrop.  Seit Freitag sind Ferien in NRW. Auch bei den Wasserfreunden Finnentrop.

Trainerin Martina Döbbeler bat ihre Schützlinge zur letzten Trainingseinheit vor der Sommerpause.

Nur für einen von ihnen geht es in den nächsten Wochen so richtig rund: Fabian Brune. Für den 18-jährigen Finnentroper beginnt am heutigen Mittwoch die heiße Vorbereitungsphase auf die Weltmeisterschaft der Para-Schwimmer, die vom 9. bis 15. September in der Olympia-Schwimmhalle in London ausgetragen werden. Bei dem Gedanken bekommt Fabian Brune leuchtende Augen: „Es ist natürlich eine tolle Sache, dort schwimmen zu dürfen, wo vor sieben Jahren die Olympischen Spiele stattfanden.“

London springt für Malaysia ein

Dennoch ist ein „weinendes Auge“ auch dabei. Denn eigentlich hätte die WM bereits im August in Malaysia stattfinden sollen. Doch wegen fehlender Sicherheitsgarantien für die israelische Mannschaft wurde Malaysia die WM Anfang des Jahres wieder abgenommen. Danach wurde ein Ersatzort gesucht. „Auch Berlin war im Gespräch. Aber das klappte aus Termingründen nicht. Und so geht es nun im September nach London“, berichtete Martina Döbbeler.

Für Fabian Brune ist das schon etwas ärgerlich: „London ist sicher eine tolle Stadt. Aber ich wäre gerne nach Malaysia geflogen. Allein nur mal in die Gegend zu kommen, das wäre, schon super gewesen. Ich finde es auch vom Gefühl her für den Wettkampf besser, wenn er weiter weg ist“, sagt Fabian Brune.

Die Verlegung der WM um einen Monat hinten und nach Europa habe aber auch etwas Gutes. „Dadurch haben wir zeitlich bessere Möglichkeiten für die Vorbereitung. Außerdem könnte das heimische Klima ein Vorteil für ihn sein“, hofft Martina Döbbeler.

Doch was nicht ist, kann ja noch werden: Vielleicht geht es im nächsten Jahr ins ferne Asien. Denn Fabian Brunes großes Ziel sind die Paralympischen Spiele in Tokio. „Da möchte ich auf jeden Fall hin“, sagt Fabian Brune. Doch zunächst steht die WM in London an. Dort startet Fabian Brune über 100 Meter Rücken. Über diese Strecke wurde er 2018 in Dublin Vize-Europameister. Insgeheim hofft Fabian Brune noch auf einen weiteren Auftritt in der britischen Hauptstadt: „Vielleicht gibt es auch noch einen Staffeleinsatz.“

Qualifikationszeit zwei Mal geknackt

Um bei der WM starten zu dürfen, musste Fabian Brune die vom Deutschen Behinderten Sportverband (DBS) geforderte Zeit für seine Startklasse S6 von 1:25,78 Minuten zweimal knacken. Dies gelang ihm unter anderem im Juni bei den Internationalen Deutschen Meisterschaft in Berlin, wo er eine persönliche Jahresbestleistung von 1:22,66 Minuten aufstellte. „Es war eine Erleichterung für Fabian. Wir haben uns riesig gefreut“, erzählt Martina Döbbeler.

Jetzt geht es richtig los. Am heutigen Mittwoch geht der Flieger Richtung Lanzarote, wo ein zweiwöchiges Trainingslager ansteht. Anschließend ist Training in Potsdam angesagt. Danach fliegt Fabian Brune für die direkte Wettkampfvorbereitung zurück nach Lanzarote und von dort geht es dann direkt nach London.

Die WM soll für den Schwimmer der Wasserfreunde Finnentrop die Krönung seiner bisherigen Karriere und der Lohn für die viele Arbeit werden. „Ich trainiere fast jeden Tag, 14 bis 16 Stunden in der Woche“, erzählt Fabian Brune. Martina Döbbeler ergänzt: „Fabian trainiert ja nicht nur beim offiziellen Training der Wasserfreunde, sondern auch viel allein und dazu gehört sehr viel Selbstdisziplin. Dank der Unterstützung des Finto und der Gemeinde Finnentrop kann er immer abends zusätzlich im Finto trainieren. Da kommt er auf gut sechs Tage Training in der Woche. Schwimmen ist eben eine sehr trainingsintensive Sportart. “

Unterstützung vom Arbeitgeber

Von seinem Arbeitgeber, Raiffeisen in Attendorn, bei dem Fabian Brune eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann macht, erhält er die nötige Unterstützung und Zeit. Fabian Brune: „Mein Arbeitgeber unterstützt mich so gut es geht. Ich bekomme, wenn nötig, Sonderurlaub für diverse Trainingslager und Wettkämpfe. Zur Berufsschule gehe ich nach Münster. Dort habe ich ebenfalls die Möglichkeit, während der Blockunterrichtszeit bei der SGS Münster zu trainieren.“

Bleibt die Frage: Gibt es für Fabian Brune eigentlich noch etwas anderes als Schwimmen? „Ich angele gerne, aber zu mehr bleibt mir keine Zeit“, lacht Fabian Brune, der mit sechs Jahren in Attendorn das Schwimmern erlernte. Seine Lieblingslage kristallisierte sich schnell heraus: das Rückenschwimmen. „Weil es scheinbar in der Familie liegt. Auch meine beiden Brüder haben Rücken als Hauptlage. Außerdem kann man hier durchgehend atmen“, erzählt Fabian Brune.

Mit zehn Jahren begann er mit dem Wettkampf-Schwimmen. Und es ging schnell aufwärts. „Nach der Deutschen Kurzbahn-Meisterschaft 2011 ist Fabian das erste Mal in den Landeskader berufen worden. Damals hat er Silber über 100 Meter Rücken gewonnen“, berichtet Martina Döbbeler.

Alternativen zum Schwimmen? Gab es nicht. Denn, so Fabian Brune: „Ich fühle mich im Wasser frei, Wasser ist mein Element.“ Martina Döbbeler lobt darüber hinaus den Charakter ihres Schützlings, er habe leider aber auch eine Schwäche: „Fabian lacht immer. Man kennt ihn nicht mit schlechter Laune. Seine Nervosität vor wichtigen Wettkämpfen macht ihm manchmal zu schaffen.“

VfG und Wasserfreunde

Fabian Brune startet bei Wettkämpfen im Kreis Olpe oder in der Umgebung für die Wasserfreunde Finnentrop. Bei Wettbewerben im Behindertensport schwimmt er für den VfG (Verein für Gesundheitsförderung) Finnentrop. Schwimmwart Gerhard Kowalzik klärt auf, warum das so ist: „Wenn Fabian für die Wasserfreunde starten wollte, müsste der Verein Mitglied im DBS (Deutscher Behinderten Sportbund, d.Red.) werden. Das lohnt für einen Schwimmer nicht. Deshalb haben wir die Kooperation mit der VfG. Bei den Wasserfreunden trainiert Fabian, für die VfG startet Fabian bei den Para-Wettkämpfen.“

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