Isabel Schneider

„Es war ein unbeschreibliches Gefühl“

Isabel Schneider mit Riesenpokal zu Besuch in unserer Lokalsportredaktion Olpe.

Isabel Schneider mit Riesenpokal zu Besuch in unserer Lokalsportredaktion Olpe.

Foto: Verena Hallermann

Ottfingen/Olpe.  Hoher Besuch in unserer Sportredaktion in Olpe. Zu Gast war Isabel Schneider, frisch gebackene Deutsche Beachvolleyball-Meisterin aus Ottfingen.

Sympathisch, unverstellt und natürlich - so wie man sie eben kennt, sprach sie über ihren Triumph, ihre Saison und über ihre Pläne.

Ein paar Minuten vor den geplanten Termin schickte sie uns vom Parkplatz aus eine SMS: „Soll ich den Pokal mitbringen“? Aber klar doch! Womit der riesige Pott auf dem Tisch dem Ganzen noch zusätzlichen Glanz verlieh.

Mit etwas Abstand: Wie fühlte sich der Moment des Titelgewinns an?

Isabel Schneider: Es war ja ein Aufschlagfehler vom Gegner. Ein bisschen schade. Es ist schöner, wenn man den Punkt selbst, aber es war trotzdem unglaublich. Wir haben 20:15 geführt. Irgendwann konnten wir dann realisieren: Okay, das, was jetzt kommt, ist der letzte Punkt. Dann kam der Aufschlagfehler. Ein unbeschreibliches Gefühl!

Wie sind Eltern dabei? Waren Andrea und Rudi mit in Timmendorf?

Ja, sie waren mit, Es war echt cool, weil relativ viele Freunde, Verwandte, Onkel, Tante, Oma, Opa meine Cousins, auch Freunde, mit denen ich beim SFG Abi gemacht habe. Das Gleiche galt dann auch für Tori. Wir hatten im Endeffekt vierzig, fünfzig Fans in Timmendorf. Ich empfinde das immer so, dass man einen solchen Erfolg viel mehr genießen kann, wenn man die Freude teilen kann. Wenn ich hoch gucke auf die Tribüne und meinen Onkel habe jubeln sehen, oder Papa, dann ist das schon eine noch schönere Freude. Opa Paul, war dabei, Oma Rosi drei Tage im Bieneck-Schneider-T-Shirt.

Im Fußball ist es schwer vorstellbar, dass zwei Finalisten, zum Beispiel, nach einem Pokalendspiel in Berlin, zusammen feiern. Beim Beachvolleyball scheint das üblich zu sein...

Ja, das ist so. Wir trainieren sogar vor dem Turnier miteinander. Das wäre bei Bayern München und Eintracht Frankfurt vor dem Pokalfinale wohl kaum denkbar gewesen. Diesmal war es schade, dass das Finale erst Sonntag war, da mussten alle nach Hause gefahren. Wir sind noch nach Hamburg gefahren und haben dort ein bisschen gefeiert.

Kein Satz beim gesamten Turnier ging in die Verlängerung. Das zeugt ja von einer gewissen Dominanz...

Ja, ich glaub’ schon, dass wir durch unsere Stabilität im Zuspiel und im druckvollen Aufschlag definitiv die anderen Teams gut unter Kontrolle hatten.

Hinterlässt es ein etwas komisches Gefühl, dass Laboureur/Sude und Ludwig/Walkenhorst nicht dabei waren? Heißt das für Euch: Weil die gefehlt haben, sind wir Deutsche Meister geworden?

Es ist ja oft zitiert worden „in Abwesenheit der Stars“ oder so ähnlich. Für uns ist das der Lohn für harte Arbeit auch im Winter und für eine sehr konstante Saison. Der Fokus lag auf dem Turnier und auf uns, wir haben uns sehr, sehr gut auf uns konzentriert, vor 6000 Menschen. Auf die Frage zu antworten: Das tut nichts zur Sache, gegen wen wir da gewonnen haben. Wir stehen als Deutsche Meister 2018 da.

Apropos fokussiert: Wie gut oder wie schlecht schläft man vor einem solchen Finale? Wenn man weiß, in 24 Stunden kannst Du den größten Erfolg Deiner Karriere landen?

Immer unterschiedlich. Die Nächte in Timmendorf habe ich immer gut geschlafen, aber es gibt auch Nächte, da hat man einen leichteren Schlaf. Es ist schon eine Aufregung da. Aber weil wir das Halbfinale diesmal schon samstags gespielt haben, war klar: Wir haben eine Medaille. Für mich aber war auch klar: Ich möchte das Finale gewinnen, denn Vize war ich ja schon einmal.

Sie waren bei den höchstrangigen Turnieren weltweit permanent unter den Top Ten. Ist das nicht höher zu bewerten?

Wir haben in internationalen Turnieren, die vielleicht höher zu bewerten sind, im Halbfinale gestanden. Man kann’s sportlich und emotional trennen. So ein Titel ,Deutscher Meister’ in Timmendorf vor 6000 Menschen ist einfach enorm viel wert. Emotional. Es fühlt sich toll an, sowas zu gewinnen. Als wir uns 2017 gefunden hatten als Team, sollte jeder sagen, welche Ziele er hat. Eines meiner Ziele war, Deutscher Meister zu werden.

Sponsor Walter Mennekes ist als Vizepräsident des FC Bayern ja Experte für Deutsche Meisterschaften. Er ist doch sicher auch stolz auf Isa und Tori, oder?

Ja, sie haben uns schon am Montag sehr herzlich gratuliert. Über die Glückwünsche habe ich mich natürlich sehr gefreut. Die Firma Mennekes ist ja langjähriger Partner, erst von mir, jetzt auch von Tori. Eine gute Sache.

Sie sind seit 2017 Vollprofi...

Genau. Ich habe vorher meinen Bachelor in Köln erfolgreich abgeschlossen, habe vorher noch Halle gespielt, musste auch in NRW viele Strecken mit den Auto zurücklegen, zur Beach-Halle in Düsseldorf oder in Witten. Jetzt, in Hamburg, ist halt alles in einem Komplex, das Umfeld ist nochmal professioneller geworden und auch Morph ist ein Trainer, der sehr, sehr viel Erfahrung hat. Er war als Trainer schon an zwei Olympichen Spielen beteiligt. Sicherlich trägt das Gesamtkonstrukt, das wir jetzt haben, also Hamburg mit den Coaches, die wir jetzt haben, dazu bei, dass wir so erfolgreich sind.

Olympia Tokio 2020 ist Ihr Ziel. Wie sehen Sie die Chancen?

Unser Plan war ja von Anfang an, von Januar 2017, auf August 2020 ausgerichtet. Das heißt, unsere Leistungsentwicklung geht, wenn alles nach Plan läuft, immer weiter nach oben. Wenn ich jetzt 2017 betrachte und 2018 betrachte, sind wir genau die Schritte gegangen, die wir auch geplant haben. Dazu gehörte, in diesem Jahr eine Konstanz zu entwickeln. Man sieht ganz gut an unseren Ergebnissen, dass uns das gelungen ist. Konstant Top Ten in der Welt ist schon ein guter Schritt, der nächste ist, sich in die Top Five zu entwickeln.

Es wäre ja auch schade, wenn man mit 27 Jahren schon den sportlichen Höhepunkt erreicht hätte...

Das ist vielleicht in anderen Sportarten so. Ich muss sagen, in dem Umfeld, in dem ich mich jetzt befinde, glaube ich, dass wir noch sehr, sehr viel Potenzial haben

Sie kommen viel herum. Haben sie überhaupt Gelegenheit, die interessanten Reiseziele zu erkunden?

Vor dem Turnier mag ich es mehr, den vollen Fokus auf das Turnier zu richten. Mal Kaffee trinken oder abends was essen, ja. Aber großes Sightseeing ist für mich nicht drin. Das ist eher mal so, wenn man rausgeflogen ist. Ich empfinde es schon als Privileg, durch die Welt reisen zu dürfen und in so vielen Städten Beachvolleyball spielen zu können.

Gibt es Orte, wo Sie noch nie waren, aber gern spielen würden?

Ja: Australien und auch Neuseeland fände ich als Austragungsort mal sehr spannend.

Sehen Sie sich als Vorbild für junge Volleyballerinnen?

Ich glaube, man selber sieht das nicht so sehr, aber in Timmendorf, die Kinder, freuen sich schon, einen abzuklatschen. Das sind so kleine Beispiele, an denen man merkt: Für die ist es vielleicht auch mal das Ziel, auf diesem Platz hier Volleyball zu spielen. Es ist schön, wenn man da zu ihrer Motivation beiträgt.

So wie Sie möglicherweise früher auch zu den Volleyballerinnen aufgeschaut haben?

Ja, klar. So wie ich damals, als ich zwölf war, mit dem Ziel nach Hause gegangen bin, so zu werden wie sie. Ich erinnere ich selber noch an die Zeit. Ich war mit Mama damals in der Halle, bei Rot-Weiß Hünsborn, (Andrea Schneider war selbst eine gute Volleyballerin, d.Red.). Oder wir sind mal nach Leverkusen gefahren und haben uns ein Volleyball-Bundesligaspiel angeguckt. Das waren Momente, die mich super motiviert haben, weiterzumachen. Heute komme ich gern nach Olpe in die Halle zurück, und ich würde mich mega freuen, wenn das eine oder andere Mädchen sagen würde: Hey, das ist mein Ziel. Isa motiviert mich, diesen Weg zu gehen.

Wie geht es jetzt weiter?

Jetzt gibt es erstmal ein bisschen Freizeit. Wir sind ja im Februar offiziell in die Saison gestartet, waren vorher schon im Trainingslager. Daher ist es jetzt ganz schön, mal ein bisschen Zeit hier zu haben, zu Hause zu haben. Die Absprache ist, jetzt zwei Wochen mal, sportlich mal gar nichts zu machen. Aber das fällt sehr schwer. Aber ich fasse keinen Beachvolleyball an.

Sie fliegen in Urlaub. Doch wohl nicht an einen Strand. Man kann doch sicher keinen Sand mehr sehen, wenn man beruflich damit zu tun hat, oder?

Doch, doch, an einen Strand. Aber ohne einen Volleyball. Wir gehen gern tauchen. Und da ist ja dann zwangsläufig ein Strand dabei.

Könnten Sie sich vorstellen, nach der aktiven Zeit beim Volleyball zu bleiben?

Ich könnte mir vorstellen, dass ich nach meiner Karriere erstmal sage: Ich möchte nicht mehr ständig die weiten Reisen machen. Die Zeit in Hamburg genieße ich wirklich sehr. Aber Großeltern, Eltern, Familie und Freunde sind hier in NRW, daher wird es mich vielleicht wieder hier herunterziehen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben