Handball

Viele Fragezeichen rund um das neue Team

Mannschaftsfoto HTV Hemer I 2019/2020

Mannschaftsfoto HTV Hemer I 2019/2020

Foto: Johannes Stöwe / IKZ

Hemer.  Die fünfte Oberliga-Saison steht für den HTV unmittelbar bevor und das mit vielen personellen Veränderungen.

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Die fünfte Oberliga-Saison steht für den HTV unmittelbar bevor, und wohl selten zuvor hat es in Hemer zwischen zwei Spielzeiten so viele personelle Veränderungen gegeben - in der sportlichen Verantwortung wie im Mannschaftskader. Mit dem Spiel bei den Sportfreunden Loxten geht es am Samstag los, aber was ist von dieser runderneuerten Mannschaft zu erwarten?

Kommen und Gehen

Nach der letzten Saison schieden der sportliche Leiter Alfred Klein, Co-Trainer Walter Klein sowie viele langjährige Spieler aus, die den Erfolgsweg des HTV von der Landesliga bis in die Oberliga maßgeblich mitgestalteten. Neun Akteure des letztjährigen Kaders sind nicht mehr dabei, insgesamt sechs neue kamen hinzu. Einige von ihnen aber erst mit Verspätung, und weil die Neubesetzung der Rechtsaußenposition nicht gelang, wird auf Niklas Springer gebaut, der nicht mit der Mannschaft trainieren kann und nur zu den Spielen anreist. Das nach der Saison vorgelegte Konzept, auf routinierte Kräfte mit Erfahrung aus höheren Ligen sowie auf eigene Talente zu setzen, die die Chance in der Oberliga nutzen wollen, konnte nicht wie gewünscht mit Leben erfüllt werden. Denn die Trainer berichten von einer allenfalls punktuellen Teilnahme von A-Jugendlichen am Trainingsbetrieb der ersten Mannschaft, so dass aus diesem Kreis aktuell niemand im Kader auftaucht.

Die Vorbereitung

Der HTV absolvierte nach einigen Anlaufschwierigkeiten, weil noch Spielberechtigungen fehlten, zahlreiche Testspiele. Zunächst gab es unübersehbare Probleme, aber die letzten sieben Partien, inklusive des Pokalspiels gegen die SG Iserlohn-Sümmern, wurden gewonnen. Die Gegner waren allerdings durchweg Verbandsligisten. Ein Problem in der Vorbereitung war die dünne Besetzung im Training. Einige Neuzugänge sind erst seit August dabei, es gab Ausfälle durch Verletzung (Trattner), Krankheit (Bjelanovic) oder Beruf (Henkels), und weil im Training praktisch nie genügend Feldspieler zur Verfügung standen, um zwei komplette Mannschaften bilden zu können, blieben wichtige Inhalte zwangsläufig auf der Strecke.

Stärken und Schwächen

Der neue HTV besitzt starke Individualisten, Neuzugänge wie Bjelanovic, Paya oder Briatka deuteten in den Testspielen ihre Qualitäten an. Genügend Erfahrung sollte auch im Team vorhanden sein. Trainer Tihomir Knez legte in der Vorbereitung großen Wert auf die Abwehrarbeit, und mit Bjelanovic und Zechmeister hat er absolute Spezialisten auf dem Feld, die einen stabilen Mittelblock garantieren sollten. Die Schwäche des HTV liegt generell in der dünnen Kaderbesetzung, Ausfälle sind kaum zu verkraften. Und Philip Trattner ist nach seinem Kreuzbandriss ja noch nicht wieder spielfähig. 60 Minuten Oberliga-Handball mit begrenzten Wechselmöglichkeiten anzubieten, ist daher eine Herausforderung. Ein anderes Problem ist der Angriff: Die Abwanderer Moritz Frenzel, Christian und Max Klein waren pro Saison für rund 400 Tore gut. Die fehlen, und ein echter Torjäger ist nicht in Sicht. Ein Thema bleibt die rechte Seite. Niklas Springer hilft zwar aus, doch im Training fehlt in der Regel ein Linkshänder, was die taktischen Möglichkeiten einschränkt.

Die Liga

Meister LIT aus Nordhemmern ist in die 3. Liga aufgestiegen, aus der es diesmal keinen Zuwachs für die Oberliga gab. Aus der Verbandsliga sind HC Haltern/Sythen, CVJM Rödinghausen und HC Bergkamen aufgerückt, und ein Überflieger ist in diesem Trio nicht zu erkennen. Mit Jöllenbeck, Ferndorf II, Schalke oder Möllbergen gibt es weitere Kandidaten für die untere Tabellenhälfte, während im Rennen um die Meisterschaft die TSG AH Bielefeld, die SF Loxten und die Reserve des ASV Hamm hoch gehandelt werden.

Das sagt der Trainer

Tihomir Knez steht in seiner dritten Saison beim HTV wohl vor der größten Herausforderung. Im Training muss mangels Masse improvisiert werden, und aus Individualisten muss er eine schlagkräftige Mannschaft formen. Er weiß, dass das Zusammenspiel im Angriff noch verbesserungswürdig ist, was auch daran liegt, dass einige Spieler erst seit wenigen Wochen dabei sind. „Wir müssen in der Abwehr viele Bälle gewinnen und haben ja die schnellen Leute für erfolgreiche Tempogegenstöße“, lautet sein Rezept. Und weiter: „Wir haben nicht den Shooter, der aus zehn Metern draufhält.“

Knez empfiehlt, trotz einiger namhafter Neuzugänge die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben. „Wer in der Slowakei in der ersten Liga gespielt hat, ist bei uns nicht automatisch ein herausragender Oberligaspieler.“ Der Coach empfiehlt, demütig an die Aufgabe heranzugehen und verlangt von seiner Mannschaft Kampf und Einsatz über 60 Minuten als Erfolgsgrundlage. Und zum Saisonziel des HTV: „Wir wollen sehen, dass wir möglichst schnell auf 20, 21 Punkte kommen und uns keine Sorgen machen müssen.“

Die Prognose

Mit komplettem Kader sollte der HTV keine Probleme haben, sich von der Abstiegszone fernzuhalten. Aber es gibt ein beachtliches Leistungsgefälle im Kader, Teamgeist muss sich erst entwickeln, und wie die einzelnen Akteure über 60 Minuten in der Oberliga als Mannschaft funktionieren, bleibt abzuwarten. Nachdem im Frühsommer der vereinsinterne Machtkampf zu Gunsten des aktuellen Vorstandes entschieden wurde, könnte es beim HTV ruhiger zugehen, als in den letzten Jahren. Aber ob es dauerhaft ruhig bleibt und der Handball im Vordergrund steht, wird von den Ergebnissen abhängen.

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