Handball

Untätigkeit frustriert die Handballer

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Im August 2020 spielte die A-Jugend des Letmather TV gegen die SG Menden Sauerland um die Bundesliga – vor Publikum.

Im August 2020 spielte die A-Jugend des Letmather TV gegen die SG Menden Sauerland um die Bundesliga – vor Publikum.

Foto: Michael May

Iserlohn. Das neue Infektionsschutzgesetz des Bundes hat dem Sport weitere Beschränkungen beschert, mit denen nicht zuletzt die heimischen Handballer fertig werden müssen.

Für den Branchenführer HTV Hemer schilderte Jugendleiter Lars Heierhoff die aktuelle Situation. „Pedro Alvarez, der Trainer unserer ersten Mannschaft, hat mit seinem Kader insgesamt 66 Online-Schulungen durchgeführt, und wir bieten nicht nur bei den Männern weiterhin Handball an.“ Dabei kann der Verein auf die Mitarbeit von Athletiktrainer Dennis Konrad-Werner sowie auf Dunja Hajrushi, die den Bundesfreiwilligendienst beim HTV leistet. „Sie hat tolle Videos gedreht, die den Einstieg in ein normales Training vorbereiten“, lobt Heierhoff, der sich von der Politik im Stich gelassen fühlt. „Da gibt es nur Schwarz oder Weiß, keinen Plan B. Wir kleinen Vereine haben einfach keine Lobby. Es fehlt das Vertrauen in die verantwortungsvolle Arbeit im Amateursport.“

Wie hält der HTV talentierte Nachwuchsspieler bei der Stange? Ideen gibt es genug, aber immer wieder stoßen die Verantwortlichen an die neu gezogenen Grenzen. „Wir machen nur das, was erlaubt ist. Hoffentlich müssen wir am Ende keine substanziellen Verluste hinnehmen“, sagt der Nachwuchschef. Eine Sonderstellung nimmt die weibliche A-Jugend ein, die im Kampf um die Deutsche Meisterschaft auf das Parkett durfte. Es besteht die Hoffnung, dass dieses Erlebnis, das einen Hauch von Normalität versprühte, eine gewisse Wirkung zeigt. „Aber nicht nur die Mädchen wollen schnellstmöglich wieder in die Halle, um zu trainieren und sich im Wettkampf messen“, stellt Heierhoff klar.

Der TV Lössel hat seinem Landesliga-Kader Hausaufgaben an die Hand gegeben. Trainer Jan-Martin Belgardt: „Alle zwei Wochen stelle ich ihnen neue Aufgaben, um ein bisschen Abwechslung in die Sache zu bringen. Es ist viel Laufarbeit dabei, und natürlich geht das nicht ohne Rückmeldungen der Spieler“, erläutert der Nachfolger von Henning Schierbaum. Traditionell kann Lössel auf die viel zitierte Vereinstreue bauen, der Kader der ersten Mannschaft bleibt komplett zusammen und soll sich in der Landesliga etablieren. „Nach dem März-Plan war noch an Training in Kleingruppen gedacht, aber diese Hoffnung ist nun dahin. Allerdings könnten wir uns sicher auch mal in Zweier-Gruppen auf der vereinseigenen Anlage in Bewegung halten.“ Ansonsten treffen sich die Lösseler online, wo zuletzt eine Pokerrunde für Abwechslung gesorgt hat. „Die Ungewissheit, wann die neue Saison startet, macht einem schon zu schaffen“, meint Belgardt, der noch einen monatelangen Leerlauf sieht.

Beim Letmather TV ist man frustriert. „Die sportliche Seite ist fast völlig zum Erliegen gekommen. Wir sitzen auf heißen Kohlen, wissen nicht, wann es weiter geht“, erklärt Geschäftsführer Stefan Brunswicker. Trainer Arnd Wefing spricht Klartext: „Ich sehe keine Notwendigkeit, die Anspannung hochzuhalten - wozu auch. Die Jungs, mit denen ich regelmäßig telefoniere, sind auf sich allein gestellt, jeder muss sehen, wie er sich fit hält. Wenn es wieder losgeht, werden wir das Training hochfahren.“

Beim Nachwuchs steuert Artur Rath einen klaren Kurs: „Wir gehen kein Risiko ein. Bis zur Herden-Immunität ist noch ein großer Schritt, da bleibt es erst einmal beim Online-Training mit vielen technischen Inhalten. Alles andere wäre bei den hohen Inzidenzzahlen nicht darstellbar“, bezieht der Jugend-Koordinator, der sich mit der A-Jugend für die Oberliga qualifizieren möchte, eindeutig Stellung. Er ist aber optimistisch, dass der Nachwuchs in absehbarer Zeit wieder seinen Bewegungsdrang ausleben kann und das nicht nur an frischer Luft. Dennoch ist er überzeugt, dass der Hallensport erst ganz zum Schluss wieder seine Tore öffnen wird.

Es wird immer schwieriger,die Motivation zu erhalten

Bei der SG Iserlohn-Sümmern äußerte sich Vorstandsmitglied Ilka Alberts zur aktuellen Situation. „Es ist und bleibt eine Gratwanderung. Auf der einen Seite wünschen sich alle die Wiederaufnahme der sozialen Kontakte,aber die Gesetze müssen eingehalten werden.“ Die Senioren und die talentierten C-Juniorinnen, wo es keine Abmeldungen zu verzeichnen gibt, mühen sich weiterhin beim Online-Training. Bei der D-Jugend, die schon einmal kontaktloses Präsenz-Training zu fünft absolviert hat, könnten sich zwei Kleingruppen ohne Kontakte finden, natürlich nicht in der Halle. „Noch ist der Großteil unserer Sportler und Sportlerinnen motiviert. Aber wie soll man die nächsten Wochen und Monate gestalten, das wird immer schwieriger?“

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