Interview

Hoffen auf Kreativität der Vereine

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KSB-Chef Günther Nülle ist froh, wenn die Sportvereine im Kreis ihr Angebot im Freien deutlich ausweiten.

KSB-Chef Günther Nülle ist froh, wenn die Sportvereine im Kreis ihr Angebot im Freien deutlich ausweiten.

Foto: Alexander Barth

Iserlohn.  Günther Nülle, der Chef des Kreissportbundes, äußert sich zu Förderpaketen und Perspektiven.

Den sportlichen Aktivitäten sind allerorten angesichts hoher Inzidenzwerte enge Grenzen gesetzt, und es herrscht Einigkeit darüber, dass Normalbetrieb auf Anlagen im Freien deutlich früher möglich sein wird als in der Halle. Daher ist das Outdoor-Förderprogramm des Landes, das den 54 Kreissportbünden jeweils 500.000 Euro zur zweckgebundenen Verteilung in ihrem Zuständigkeitsgebiet zuweist, eine überaus willkommene Hilfe. Über das Programm, die Perspektiven des Sports vor Ort in Pandemiezeiten und über mögliche neue Angebote sprachen wir Günther Nülle, dem Vorsitzenden des Kreissportbundes.

Die Bundes-Notbremse hat das gemeinsame Sporttreiben weiter limitiert. Jetzt dürfen nur noch fünf Kinder und Jugendliche gemeinsam draußen Sport treiben. Dabei betonen Wissenschaftler doch immer wieder, dass Sport im Freien eigentlich unproblematisch ist. Weshalb werden die Interessen des Sports nicht mehr beachtet?

Ich kann nur die Kommunikation auf Landesebene beurteilen, und die ist zwischen Landessportbund und Staatskanzlei wirklich gut. Der Sport wird gehört. Wenn es jetzt die weiteren Einschränkungen bei Inzidenzwerten von über 100 gibt, dann hat das wohl mit der Angst zu tun, dass bei Öffnungen für den Sport ähnliche Forderungen auch aus anderen Bereichen wie der Kultur kommen. Unkontrolliertes Öffnen will man wohl vermeiden, aber was ist derzeit schon kontrolliert?

Im Sport geht es, anders als in anderen Bereichen, aber auch um den gesundheitlichen Aspekt.

Das ist richtig, und deshalb dürfen Rehakurse und Physiotherapie weiter stattfinden. Ich denke, dass man zumindest bis Ende Mai alles geschlossen lässt und hoffe, dass es dann endlich losgehen kann. Ob Leichtathleten oder Fußballer: Alle hoffen doch darauf, wenigstens wieder trainieren zu können.

Seit zwei Wochen ist das Förderprogramm des Landes bekannt, das auch dem KSB 500.000 Euro zur Verteilung im Kreisgebiet zukommen lässt. Wie ist bisher die Resonanz der Sportvereine?

Wir haben schon über 30 Vorschläge auf dem Tisch liegen mit vielen Ideen und ausführlichen Beschreibungen der gewünschten Projekte. Wenn Vereine auf einer Sportanlage etwas verändern wollen, dann müssen sie natürlich das Einverständnis des Eigentümers einholen. In der Regel ist das die Kommune. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da Probleme gibt. Wichtig ist aber bei allen Projekten, dass eine Nutzungsdauer von mindestens zehn Jahren vorgesehen ist.

Welche Ideen kommen denn von den Vereinen?

Das ist ein breites Spektrum. Da geht es um eine Beachvolleyballanlage ebenso wie um ein Kleinfeld mit geeignetem Untergrund für Handball oder andere Sportarten.

Nach welchen Kriterien wird der KSB die Zuschläge geben?

Das ist noch nicht festgelegt. Wir werden sicher in einen Dialog mit den Nachbarkreisen eintreten, und wir werden auch alle Beteiligten an einen Tisch holen. Ich will nicht, dass man sich gegenseitig Konkurrenz macht und Neid entsteht. Wenn man am Ende 50 oder 60 Prozent der Kosten des Projekts aus diesem Programm bestreiten kann, ist das schon eine große Hilfe.

Wie lange nehmen Sie noch Anträge entgegen?

Der Zeitrahmen ist leider ziemlich weit gefasst, was daran liegt, dass die Mittel erst im Haushalt für 2022 stehen. Anträge sind bis zum Jahresende möglich, aber ich möchte bei uns eigentlich Ende September einen Strich ziehen. Mein Ziel ist es, dass wir das Gesamtpaket aus dem Märkischen Kreis zum Jahresende abschicken können. Dann könnte es im Frühjahr losgehen, und im Sommer gäbe es vielleicht schon einige neue Anlagen.

Sport im Freien läuft wieder ziemlich normal, während Hallensportler werten müssen: Ist es nicht ratsam, dass klassische Hallensportarten jetzt auch versuchen, ein Angebot im Freien zu schaffen? Stichwort Renaissance des Feldhandballs.

Ich kann nicht beurteilen, ob das möglich ist. Aber die Kommunen müssen sich umstellen. Es mag Bedarf für normierte Sporthallen geben, aber wichtig sind geeignete Räume für kleine Gruppen, und wichtig sind Außenanlagen, wo man Handball oder Basketball spielen kann. Hilfreich ist, wenn man nach einem Sportentwicklungsplan arbeiten kann und gerade in diesen Zeiten kreativ ist. Hallensportler werden nicht nur abwarten können, bis in den Hallen alles wieder so läuft wie vor Corona.

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