Eishockey

Eine Schiedsrichter-Legende redet Klartext

Schiedsrichter Josef „Jupp“ Kompalla schrieb fleißig Autogramme.

Schiedsrichter Josef „Jupp“ Kompalla schrieb fleißig Autogramme.

Foto: Foto: Privat

Hemer.  Beim Besuch in Hemer erzählt Jupp Kompalla aus seinem Eishockeyleben und kritisiert aktuelle Rahmenbedingungen.

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Zur Premiere der neuen Gesprächsreihe mit bekannten Gesichtern aus der schnellsten Mannschaftssportart der Welt hatte „puck- das Eishockeymuseum“ den international bekannten Schiedsrichter Josef „Jupp“ Kompalla zusammen mit seiner Tochter Nicole Kompalla ins Café Flora im Sauerlandpark eingeladen. Vor dem Talk zeigten sich die beiden bei einem Rundgang durch das Museum beeindruckt von der Ausstellung.

„Mein Name ist Josef Kompalla, ich bin 83 Jahre alt, habe ungefähr 2000 Liga-Spiele gepfiffen, war bei elf Weltmeisterschaften, bei drei Olympischen Spielen und wurde dreizehnmal in Folge zum Schiedsrichter des Jahres gewählt“, lautete die nüchterne Selbstvorstellung einer echten Eishockeylegende. Allein diese Zahlen beeindruckten die rund 60 Zuhörer, darunter auch der frühere ECD-Torjäger Dieter Brüggemann, der hoffte, bei der ein oder anderen Anekdote nicht namentlich genannt zu werden.

„Mir tut das Herz weh, wenn ich sehe was sich im deutschen Eishockey tut“, übte Kompalla Kritik an den Strukturen. „Früher war es ein schöneres Eishockey. Man spielte mehr als Mannschaft, heute sind es Holzfäller. Wenn jedes Jahr 13 Spieler gehen und 13 neue kommen, wie kann man sich da einspielen?“ Und zu den Schiedsrichtern: „Wir haben zweiundzwanzig, darunter fünf Top-Leute. Von den anderen können zehn vielleicht auf der Orgel spielen.“

Im Alter von 32 Jahren endete bei Preußen Krefeld seine Spielerkarriere. „Ich habe mich zum Schiedsrichter überreden lassen“, berichtete er von einem Brief des damaligen DEB-Schiedsrichter-Obmannes Georg Zeller. „Mach Schluss mit dem Eishockey und werde Schiedsrichter“, so die Kernbotschaft des Schreibens. National wie international erkannte man schnell Kompallas Qualitäten. „Der Senkrechtstarter aus Germany“ lauteten die Schlagzeilen.

Höhepunkt seiner noch jungen Laufbahn war 1972 die Leitung des Finales der Summit-Series zwischen Kanada und Russland, das die Nordamerikaner mit 6:5 für sich entschieden. „Phil Esposito hat mich als „Bloody German“ bezeichnet“, blickt er heute mit einem Schmunzeln zurück. Aus der Zeit verbindet ihn heute noch eine Freundschaft mit Torhüterlegende Wladislaw Tretjak, heute russischer Verbandspräsident. Mit dem früheren Sowjetpräsidenten Leonid Breschnew rauchte er beim Iswestija-Cup eine Zigarre, der heutige russische Präsident Wladimir Putin erkannte ihn bei einer Weltmeisterschaft.

Freundschaft mit TorhüterWladislaw Tretjak

„Meine Englisch- und Russischkenntnisse haben mir im Eishockey geholfen. Sprachen sind heute das Kapital im Sport“, lautete sein Rat an die junge Gilde. Den Schiedsrichter Kompalla bezeichnete er ebenso als „knochenhart“ wie den Spieler. „Es sind zweiundzwanzig Tiger, du musst sie bändigen. Du hast keine Peitsche, aber eine Pfeife“, beschrieb er seine Herangehensweise. Mit seiner geradlinigen Art eckte Kompalla oft an, verschaffte sich damit aber auch Respekt.

Lauscht man seinen Erzählungen, dann spürt man, dass er mit über 80 dem Eishockey und den Unparteiischen immer noch stark verbunden ist. „Mein Herz schlägt für die Schiedsrichter.“ Gleichzeitig keimt in ihm aber auch der Unmut über die heutigen Rahmenbedingungen auf.

Bei den Heimspielen der Krefeld Pinguine trifft man Kompalla noch oft an, aber im heutigen Eishockey vermisst er eine gesunde Härte. „Wo sieht man heute noch einen schönen Hüft- oder Bodycheck? „Wenn es nicht läuft, musst du als Schiedsrichter Action machen und provozieren“, so seine Empfehlung. Aber auch mit mancher Strafzeitenverteilung hat er seine Probleme. „Ich muss die Strafen nicht suchen, sondern geben, wenn sie da sind.“ Und wenn sich nach einem Crosscheck der Gefoulte wehrt und beide auf die Strafbank müssen, hat er dafür kein Verständnis. „Soll der andere ihn küssen?“ so seine Frage in die Runde und erntete nicht nur dafür Applaus.

Als Raucher fühlte er sich in der verqualmten Eishalle wohl

Einmal schweift er auch ins Politische ab. Doch dann kommt die Frage nach dem 4. Dezember 1987. Dem Tag als der ECD Iserlohn zum ersten und letzten Mal mit dem „Grünen Buch“ als Trikotwerbung im Heimspiel gegen den Sportbund Rosenheim auflief. „Beim DEB haben sie mich gewarnt, das sei politisch. Ich habe mich mit Heinz Weifenbach super verstanden. Ich sollte mit zu Ghaddafi kommen, ich war aber nicht verrückt. Er war verrückt fürs Eishockey und hat tolle Spieler nach Iserlohn geholt“, blickte Kompalla leicht wehmütig zurück. In der verqualmten Eissporthalle am Seilersee hat der beste Schiedsrichter aller Zeiten immer gerne gepfiffen. „Das war meine Atmosphäre, ich habe schließlich selbst geraucht“, so der heutige Nichtraucher.

Der weit gereiste Schiedsrichter lebt heute eher zurückgezogen. „Manchmal bin ich einsam“, sagt er und erntet dabei warme Blicke seiner Tochter Nicole. „Manche sagen deshalb, dass ich zu wenig aus meinem Leben gemacht habe. Das stimmt nicht, ich hatte sechs Porsche“, erklärt der Träger des Bundesverdienstkreuzes mit einem Schmunzeln..

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