Fußball Oberliga

Westfalia Herne: Drei Lattentreffer und Knappmanns Plädoyer

Die Szene vorm 1:2: Sengüng kann Ruzgis nicht stoppen – und reißt den Angreifer schließlich im Strafraum rum, den Elfmeter verwandelt der Angreifer selbst.

Die Szene vorm 1:2: Sengüng kann Ruzgis nicht stoppen – und reißt den Angreifer schließlich im Strafraum rum, den Elfmeter verwandelt der Angreifer selbst.

Foto: Florian Runte

Erndtebrück.  Herne spielt in Erndtebrück stark auf, lässt aber Punkte liegen, weil Kraft und Glück fehlen. Die Reaktion auf die Geldprobleme war eindeutig.

Auch wenn hinter der Zukunft von Westfalia Herne einige dicke Fragezeichen (finanzieller Natur) stehen, die sportliche Gegenwart macht wenig Grund zur Sorge – Westfalias Mannschaft punktet weiter. Am Sonntag allerdings nur einfach, beim 2:2 gegen TuS Erndtebrück fehlte die Kraft, vor allem aber fehlte etwas Glück, um einen Auswärtssieg zu feiern, so dass es mit hängenden Köpfen in die Kabine ging. Trainer Christian Knappmann wollte nachher gar nicht groß drumherumreden: „Die Stimmung ist nicht gut, da brauchen wir uns nicht anlügen.“

Seit Wochen warten die Herner Spieler auf versprochene Zahlungen und auch wenn Knappmann vorher sagte, für Ergebnisse könnte er aktuell keine Verantwortung übernehmen – dass das Team sich hängen lässt, danach sah es in Erndtebrück zu keinem Zeitpunkt aus.

Herne legt verdient und schnell das 2:0 vor

Im Gegenteil, die Westfalia machte da weiter, wo sie vor der Niederlage gegen Meinerzhagen aufgehört hatte: Aggressiv, zweikampfstark, unangenehm, Herne dominierte den Vorletzten von der ersten Minute an und ging früh in Führung, weil Erndtebrück zweimal komplett pennte.

Nach elf Minuten führte Herne einen Eckstoß kurz zu Kai Hatano aus. Der Japaner ging von der Eckfahne unbedrängt nach innen, schoss den Ball ins kurze Eck. Es kann so einfach sein. Und auch zehn Minuten später blieb er eiskalt, als er am zweiten Pfosten eine Flanke in aller Seelenruhe annehmen und am herausstürzenden Keeper vorbei ins Tor schieben konnte.

Dickes Lob von Knappmann für die Anfangsphase

2:0 nach 22 Minuten, eine Ansage. „Die ersten 30 Minuten waren glaube ich das beste, was wir in dieser Saison gespielt haben“, meinte Knappmann, „wie es oft so ist, ist 2:0 aber auch ein gefährliches Ergebnis, wenn man zu schnell zufrieden ist und nicht das 3:0 hinterhermacht.“ Das machte Westfalia nicht.

Bei einem Aussetzer von TuS-Keeper Knopf hatten die Herner ebenso Pech wie bei einem Lattenkracher von Nazzareno Ciccarelli. Stattdessen kam Erndtebrück und nach einem Ballverlust im Herner Spielaufbau konnte Kerem Sengün seinen Gegner im Strafraum nur mit Trikotziehen stoppen.

Manfredas Ruzgis verwandelte kurz vor der Pause und damit war das Spiel wieder offen. Das 2:2 zeichnete sich nach der Pause dann ab.

Auch Pakowski trifft nur Aluminium – Herne gehen die Kräfte aus

Nach und nach zeigten die Herner immer weniger ihre Qualitäten, kamen oft einen Schritt zu spät, ließen sich vom Gegner in Laberei verwickeln statt sich wie sonst so oft die Hektik auf dem Platz zu Nutzte zu machen. Die Abstände wurden immer größer, die zweiten Bälle landeten immer öfter bei den Gastgebern.

Trotzdem hätte Herne treffen können: Nach einem schönen Konter über Hatano und Ciccarelli traf Smykacz frei vor dem Tor nur die Unterkante der Latte, der Ball sprang raus. Die „Quittung“ dafür, wie Knappmann später sagte, folgte mit dem 2:2: Einen ganzen Angriff lang lief Herne nur hinterher.

Erst auf der linken Seite, dann auf der rechten Seite und am Ende war es Ruzgis, der in der Mitte eher am Ball war als Sengün und zum 2:2 traf.

Smykacz hätte direkt im Gegenzug wieder zur Herner Führung treffen können, Pakowski hatte später noch einen weiteren Herner Alu-Treffer, aber insgesamt schleppte sich Westfalia mehr Richtung Ziel.

Ohne den gesperrten Kapitän Temme, ohne Abdallah, der aus disziplinarischen Gründen nicht spielte, mit einem angeschlagenen Mittelfeldmotor Schick hatte Herne am Ende zu wenig Power und keine Optionen auf der Bank, um den Sieg zu erzwingen, stemmte sich aber bis zum Schluss gegen die drohende Niederlage.

Knappmann ist stolz auf seine Mannschaft

„Du kannst hier sechs oder sieben Tore schießen“, war dann aber auch das einzige, was Knappmann seiner Mannschaft vorwerfen wollte, nach einer Woche mit einer nicht der Spielklasse angemessenen Spielvorbereitung. „Gemessen an der Situation bin ich unheimlich stolz. Das war eine geile Partie und hat Spaß gemacht“, so der Trainer. Die Stimmung in der Kabine war trotzdem mies.

Knappmanns Plädoyer dagegen war flammend: „Der Charakter der Jungs ist top und deshalb coache ich so weiter, als ob nichts wäre – auch wenn die Jungs das natürlich nicht komplett ausblenden können. Heute hat man gesehen, dass die Jungs es wert sind, dass es weitergeht.“