Eishockey Oberliga

Traumstart: Warum der Herner EV weiter ist als die anderen

Herner Jubel – den sieht man häufig. In sechs Spielen machte der Herner EV 29 Tore, nur Tilburg ist besser. Dazu stellt der HEV auch die beste Abwehr der Liga.

Herner Jubel – den sieht man häufig. In sechs Spielen machte der Herner EV 29 Tore, nur Tilburg ist besser. Dazu stellt der HEV auch die beste Abwehr der Liga.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Herne.  Der Herner Eissportverein hat einen perfekten Start in die Oberliga hingelegt. Trainer Danny Albrecht erklärt, woran es liegt – aber warnt auch.

Danny Albrecht antwortet wie aus der Pistole geschossen. „Achtzehn natürlich“, sagt er und lacht laut. Die Frage war: Mit wie vielen Punkten hat der Herner EV aus seinen ersten sechs Oberliga-Partien gerechnet? Albrecht kann das jetzt so sagen, denn der HEV ist tatsächlich perfekt gestartet. Dafür gibt es zwei große Gründe.

Die hängen natürlich zusammen: Erstens ist die Mannschaft top vorbereitet in die Saison gegangen. „Wir sind zu diesem frühen Saisonzeitpunkt schon etwas weiter als die anderen“, meint auch Albrecht. „Unsere größte Stärke ist der Zusammenhalt und die Moral der Mannschaft, wie die Spieler untereinander agieren und kommunizieren.“ Der zweite Punkt ist ist, dass die Neuzugänge voll einschlagen. Dennis Palka zum Beispiel.

Bei Palka platzt der Knoten

„Bei ihm ist der Knoten in Leipzig endlich geplatzt“, meint Albrecht, „das war auch ausschlaggebend für den Sieg.“ Zwei Tore machte der Neuzugang aus der DEL2 (Dresden) selber, zwei Assists kamen obendrauf. Überhaupt hatte die zweite Sturmreihe in Leipzig einen sehr guten Tag, auch wenn durch die ständige Überzahl die Reihen nicht ganz vergleichbar waren.

„Das ist unsere Philosophie“, erklärt Albrecht: „Die Reihen rotieren nicht so viel, sondern sie sollen sich einspielen, ein blindes Verständnis entwickeln. Und jede Reihe hat schon in einem der Spiele den Unterschied ausgemacht.“ Und auch in der Defensive landeten die Herner einen Volltreffer, auch wenn die Positionsbezeichnung „Verteidiger“ die Funktion von Anthony Calabrese nicht annähernd beschreibt.

Mutiger Schritt mit Calabrese zahlt sich aus

„Wir waren auf der Suche nach einem offensiven Verteidiger, und der Markt ist da nicht so groß – es gibt wenige Deutsche für die Oberliga, die bleiben dazu gerne in der Nähe ihrer Familie. Also haben wir aufn einen Ausländer zurückgegriffen“, erklärt Albrecht den nicht ganz gewöhnlichen Schachzug, eine Kontingentstelle mit einem Ausländer zu besetzen.

Der zahlt sich voll aus: „Cally macht seine Sache top, in unseren Strukturen, mit unserer Spielweise war er ein richtig guter Griff.“ Die Zahlen belegen das.

Calabrese ist mit 12 Punkten Hernes Topscorer, hat ein Tor selbst gemacht und elf Assists. Damit ist er der zweitbeste Vorlagengeber der Liga, der sechstbeste Scorer überhaupt. Obendrauf verteidigt er natürlich auch noch gut, kein Team hat weniger Tore kassiert als Spitzenreiter Herne. Der Angriff ist der zweitbeste der Liga – es passt einfach beim HEV.

Albrecht nutzt die Vorbereitung für ein neues System – oder zwei

„In der vergangenen Saison war es nicht einfach, in der kurzen Zeit viel umzusetzen“, erinnert Albrecht an den Sommer 2018, als er kurzfristig einsprang.

2019 dagegen hatte er alle Möglichkeiten: „Wir haben ein defensives und ein offensives System, wir haben verschiedene Arten, das Spiel aufzubauen. Wir haben alles Schritt für Schritt eingeübt – und man sieht jetzt, dass das hilft.“ Die Vorbereitung haben die Herner genutzt, sind ihren Konkurrenten aktuell voraus.

Albrecht warnt vor leichteren Gegnern

Ohne Punktverlust ganz oben nach sechs Spieltagen, dabei Duisburg und vor allem Tilburg und Leipzig geschlagen. Wie lange kann das so weitergehen? „Meinetwegen natürlich bis zum Saisonende“, sagt Albrecht und lacht wieder laut. Dann schaut er auf die nächsten Gegner – da stehen Hamburg, Krefeld, Rostock, Ende Oktober geht es dann zu den ebenfalls ungeschlagenen Hannover Scorpions, an Allerheiligen kommt das erste Derby gegen die Moskitos Essen.

„Wir haben es geschafft, starke Mannschaften zu schlagen“, sagt Albrecht, „die Frage ist, ob dann ein Schlendrian kommt, ob die Mannschaft das auf die leichte Schulter nimmt. Davor warnen wir die Mannschaft – und ich glaube, die Jungs sind gut gewappnet.“

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