Basketball Bundesliga

Mit Fotostrecke: Dramatische HTC-Pleite macht Trainer sauer

Adelina Abaiburova hatte in der Schlussphase ihren großen Auftritt, als sie Herne gegen Wasserburg mit sechs Punkten wieder im Spiel hielt.

Adelina Abaiburova hatte in der Schlussphase ihren großen Auftritt, als sie Herne gegen Wasserburg mit sechs Punkten wieder im Spiel hielt.

Foto: Rainer Raffalski / FUNKE Foto Services

Herne.  Der Herner TC dreht das Spiel gegen Wasserburg – und verliert doch in einem Basketball-Krimi. Es könnte für Herne aber eine Trendwende sein.

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Mit 63:66 (31:41) unterlagen die Bundesliga-Basketballerinnen des Herner TC am Samstagabend in heimischer Halle dem TSV 1880 Wasserburg und haben damit auch das vierte Spiel in den letzten neun Tagen verloren. Dennoch könnte der Deutsche Meister damit seine Talsohle durchschritten haben. Ab Mitte des dritten Viertels ging es jedenfalls wieder spürbar aufwärts. Vielleicht war es einer dieser mehr als zweifelhaften Pfiffe gegen die Hernerinnen, der den Tiefpunkt markierte, von dem aus es wieder aufwärts ging.

Als Jordan Frericks sich unter dem eigenen Korb einen Rebound erkämpfte, von Svenja Greunke zu Boden gerissen wurde und sich aus dieser Lage resolut befreite, kassierte sie ein „unsportliches Foul“, zugleich ihr viertes persönliches. Die Halle kochte, Trainer Marek Piotrowski schäumte und holte sich gleich noch ein „Technisches“ ab.

Greunke traf zwei von drei, stellte damit auf 36:50 (24.) – und weckte einen zuvor bis auf wenige Spielerinnen maßlos enttäuschenden HTC aus seiner Lethargie.

Die Schiedsrichter wecken Herne auf

Angepeitscht von ihren wütenden Fans, stemmten sich die Hernerinnen nun mit Macht gegen gefühltes Unrecht und die drohende Niederlage, angelten sich plötzlich die Abpraller, ahnten die Wasserburger Passwege, stahlen den Gästen mehrfach den Ball.

In der Offensive drehte nun Adelina Abaiburova auf, machte sechs Punkte in Folge und sorgte zusammen mit Kennedy Leonard für eine 9:0-Serie zum 45:50 (37.). Herne war wieder da.

Und hatte Chancen, diesen Lauf fortzusetzen und über die verdatterten Gäste hinwegzurollen. Doch plötzlich geriet wieder Sand ins Getriebe. Frericks’ Schrittfehler und Westeriks vergebener Korbleger nahmen dem HTC den Schwung und gaben dem TSV den Mut zurück, diesen Hexenkessel doch siegreich verlassen zu können.

Die starke Tina Jakovina beendet die offensive Durststrecke der Gäste, wenig später schickte Greunke einen Dreier zum 46:55 (30.) durch den Ring. Im direkten Gegenangriff traf Frericks, zog dabei nach Ansicht vieler Beobachter noch ein Foul, doch die Spielleiter hatten ihre eigene Sichtweise. Statt zwei Punkte plus Bonus-Freiwurf für Herne erkannten sie auf Offensivfoul.

Jordan Frericks muss nach fünf Fouls runter

Für Jordan Frericks, MVP der letzten Saison und jetzt Hernes Kapitänin, war das Spiel damit vorbei. Für einige Kameradinnen aber begann es erst richtig. Was sie noch an Kraft, an Leidenschaft, an Emotionen mobilisieren konnten, warfen sie in die Waagschale.

Angeführt von der unermüdlich rackernden Kennedy Leonard machten sie sich an die Aufholjagd. Die junge Britin selbst war es, die beim Versuch eines Buzzer Beaters gefoult wurde und das dritte Viertel mit drei Freiwurfpunkten zum 49:55 beendete. Im Schlussabschnitt schlug dann die Stunde, besser die Minute der Matilda Claesson.

Saß sie bis dahin meist auf der Bank und hatte noch keinerlei positive Akzente setzen können, zauberte die Schwedin nun binnen weniger Sekunden drei blitzsaubere Dreier in die Wasserburger Reuse. Plötzlich war aus dem 51:58 (32.) eine Herner 62:60-Führung (36.) geworden. Die Halle stand kopf, ein heißer Fight auf Messers Schneide. Doch das Glück war diesmal nicht auf Herner Seite.

Wasserburg dreht das Spiel in den letzten Minuten nochmal

Greunke egalisierte zum 62:62, dann verschlief Katharina Fikiel einen Rebound und ermöglichte Wasserburg zwei weitere Punkte durch Svenja Brunckhorst. Auf der anderen Seite verlegte Westerik völlig freistehend, dann sprang Abubairovas Dreier vom Ring zurück ins Feld. Der Rebound landete 44 Sekunden vor Schluss bei den Gästen, Kelly Moten übernahm Verantwortung, dribbelte durch die Herner Deckung und traf zum 62:66.

Herne versuchte alles, um in den letzten Sekunden das Spiel noch zu drehen, aber es reichte nur noch zu einem Punkt durch Kennedy Leonard. Damit war die vierte Niederlage in Folge besiegelt, der Meister ist ins Niemandsland der Tabelle abgerutscht. Und Marek Piotrowski war die Laune verhagelt.

Marek Piotrowski ist mehr als unzufrieden mit seinem Team

„14 Minuten Basketball spielen reicht nicht, um in der Bundesliga ein Spiel zu gewinnen“, schimpfte er. „Und selbst in diesen 14 Minuten haben wir noch genug Fehler gemacht.“ Sah der Herner Headcoach bei seinem Team neben viel Schatten auch etwas Licht, war er auf die Referees gar nicht gut zu sprechen.

„Was die heute gepfiffen haben, war einfach grauenhaft“, konnte er sich diesmal einen Kommentar nicht verkneifen. Fast wunderte sich Piotrowski, dass seine Damen unter diesen Umständen nur „mit drei“ verloren hatte.

Denn auch an deren Leistung hatte er eine Menge auszusetzen. „Gut, wir haben gefightet. Aber Fighten ist nicht alles. Insgesamt war das einfach viel zu wenig.“

So haben sie gespielt

Viertel: 14:17, 17:24, 18:14, 14:11.
HTC: Leonard (15/3 Dreier, 4 Assists, 4 Steals), Abaiburova (14, 8 Reb.), Claesson (9/3), Frericks (7), Westerik (5), Fikiel (5), Zolper (3/1), Rupnik (3/1), Brajkovic (2), Polleros, Sannes.
TSV: Greunke (13/1), Moten (11), Jakovina (9/1), Hodges (9, 8 Reb.), McKay (8, 8 Reb.), Perner (7/1), Brunckhorst (6), Schmidt (3/1), Scholzgart.

Statistik (HTC -- TSV)

Zweier: 39% (11/28) -- 49 % (19/39); Dreier: 28 % (8/29) -- 18 % (4/22); Freiwürfe: 74% (17/23) -- 80 % (16/20); Rebounds: 37 (29 def., 8 off.) -- 41 (32, 9); Turnovers: 15 -- 13; Steals: 8 -- 4; Fouls: 25 -- 18.

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