Basketball

Warum die Bayern Phoenix Hagen eine teure Rechnung stellten

Über Ringniveau: Daniel Zdravevski ist bei Phoenix Hagen zum Leistungsträger geworden.

Über Ringniveau: Daniel Zdravevski ist bei Phoenix Hagen zum Leistungsträger geworden.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Der FC Bayern München verlangte von Phoenix Hagen Ausbildungsgebühren in fast fünfstelliger Höhe – für einen Hagener Spieler. Die Hintergründe.

Im April dieses Jahres ging in der Geschäftsstelle von Phoenix Hagen Post vom FC Bayern München ein. Und der Inhalt des Briefs machte die Verantwortlichen des Volmestädter Basketball-Zweitligisten so fassungslos, dass das Schriftstück erstmal gut vier Wochen lang in der Schublade liegen gelassen wurde. Nach dem Saisonabbruch und inmitten des Lockdowns stellten die Bayern Phoenix einen hohen vierstelligen Geldbetrag in Rechnung, weil das Hagener Eigengewächs Daniel Zdravevski zwischen 2017 und 2019 beim FCB eine basketballerische Ausbildung genoss.

Timing des Bayern-Briefs „irritierend“

„Für diese zwei Jahre forderten sie eine Ausbildungsgebühr. Die Bayern sind ja ein armer Verein“, merkt Wolfgang Röspel, Vereinsvorsitzender von Phoenix Hagen, im Gespräch mit unserer Zeitung zynisch an. Weil das „Timing dieses Briefs in der Corona-Hochzeit irritierend war“, wie Phoenix-Hagen-Geschäftsführer Patrick Seidel findet, reagierte der Hagener ProA-Klub darauf zunächst nicht.

Kein Anruf, auch keine erklärende E-Mail seitens der Bayern habe es gegeben, bedauert Seidel. Also wandten sich die Phoenix-Verantwortlichen an den Spielleiter der Basketball-Bundesliga, Dirk Horstmann, der nach Prüfung des Sachverhalts zu dem Schluss kam: Die Forderung der Bayern-Basketballer ist rechtens.

Je älter der Spieler, desto teurer wird’s

Phoenix war als ehemaliges Mitglied der BBL noch an den Ausbildungsfonds der ersten Liga gebunden. „Wir sind da nicht aktiv ausgetreten“, erklärt Seidel. Und die Statuten der BBL sehen vor, dass der Ausbildungsverein, also in diesem Fall die Bayern, gewisse Prämien von jenem Verein bekommen, zu welchem der Spieler hin gewechselt ist, diesem Fall Phoenix. Und zwar pro absolviertem Spiel in der Jugend-Bundesliga- (JBBL) bzw. Nachwuchs-Bundesliga (NBBL), den Eliteklassen der Basketball-Talente.

Wobei gilt: Je älter der Spieler, desto teurer wird’s, und auch für die NBBL-Einsätze von Jonas Gieseck, der im vergangenen Jahr ebenfalls von den Bayern nach Hagen wechselte, musste Phoenix in die Tasche greifen.

Phoenix-Trainer Chris Harris wütend

Das Bizarre aus Sicht des ProA-Ligisten: Zdravevski ist ein „Hagener Junge“, spielte von klein auf für BG Hagen, den Heimatverein seines Vaters Tome Zdravevski, zwischenzeitlich auch für Boele-Kabel. Das Talent wurde hier ausgebildet, machte nur einen zweijährigen Abstecher gen Süden.

„Das Ganze hat mich wütend gemacht“, ärgert sich Chris Harris, Trainer der Phoenix-Profimannschaft. „Wie können die den Nerv haben, und von uns so eine hohe Summe verlangen, wo Daniel doch aus Hagen kommt?“ Zumal man Zdravevski, der 2019 zurück zu seinem privaten Umfeld wollte, nicht aktiv abgeworben habe.

Der Ausbildungsfonds dient eigentlich dazu, dass junge Spieler nicht von zahlungskräftigen Großklubs abgeworben werden, und wenn doch, so werden die Ausbildungsbemühungen der kleinen Vereine immerhin mit Prämien vergütet. Soweit die Idee. „Zu 95 Prozent funktioniert das auch so“, sagt Patrick Seidel, „aber wir gehören leider zu der Fünf-Prozent-Nische, die die Ausbildungsgebühr an einen großen Klub zahlen muss.“

FC Bayern München pocht auf sein Recht

Kulant hätten sich die Bajuwaren keineswegs gezeigt, so Seidel, jegliche Verhandlungsversuche habe der FCB abgelehnt. „Sie haben nicht mit sich reden lassen, sondern komplett auf ihr Recht gepocht.“ Für den Phoenix-Geschäftsführer hatte das zweierlei Bedeutung: „Zum einen haben sie die Hagener Jungs anscheinend nicht gerne abgegeben“, so Seidel, „und zum anderen müssen sie wohl gerade selbst aufs Geld achten.“

+++INFO+++

Seit 2011 begeisterte die „kinder+Sport Basketball Academy“ Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland, und auch in Hagen war die Veranstaltung stets beliebt. Allerdings hat Initiator Ferrero die Akademie kurzerhand eingestampft, wie Phoenix-Geschäftsführer Patrick Seidel berichtet: „Das ist sehr schade, es war ein expandierender Bereich. Den Kindern hat die Akademie unheimlich Spaß gemacht.“

Für Phoenix ist das auch finanziell ein herber Schlag: Rund 15.000 Euro Einnahmen bekam der ProA-Klub durch die Ausrichtung der Basketball-Akademie.

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