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Kabinengeflüster: Als Dominik Spohr das Unheil kommen sah

Lesedauer: 6 Minuten
Schwitzen für die nächste Saison: Dominik Spohr, Yannick Opitz, Bernd Kruel, Dima Simanovic, Matthias Grothe, Filip Marjanovic, Malte und Kristof Schwarz im Jahr 2009 (von links).

Schwitzen für die nächste Saison: Dominik Spohr, Yannick Opitz, Bernd Kruel, Dima Simanovic, Matthias Grothe, Filip Marjanovic, Malte und Kristof Schwarz im Jahr 2009 (von links).

Foto: Jörg Laube

Hagen.  Im zweiten Teil von „Kabinengeflüster“ erinnert sich Phoenix-Captain Dominik Spohr an kuriose und lustige Geschichten seiner Basketball-Laufbahn.

In der zweiten Folge unseres Kabinengeflüsters mit den Gastgebern Yannick Opitz und Sören Fritze kommt ein echtes Hagener Urgestein zu Wort: Dominik Spohr (31), Kapitän von Basketball-Zweitligist Phoenix Hagen, erinnert sich an eine schmerzhafte Kollision mit einem Schiedsrichter, einen bitteren Fahrfehler und Trainingsmethoden jugoslawischer Art.

Die Korbleger-Schwäche

Yannick Opitz hatte viele, viele Jahre eine schwierige Beziehung zu Korblegern, der eigentlich einfachsten Art auf dem Basketballfeld Punkte zu erzielen. Für den Guard gilt: Je weiter er weg ist von der Korbanlage, desto wohler fühlt er sich. „Yannick hatte schon immer andere Stärken. Dreierwerfen und Steals in der Verteidigung“, lobt Dominik Spohr seinen ehemaligen Mitspieler. Aber immer wenn der Weg zum Korb völlig frei war, kam Opitz ins Schwitzen.

So wie bei einem Auswärtsspiel der BG Hagen im Jahr 2008. „Da war es wieder soweit“, fängt Spohr an zu lachen. „Yannick hat dem gegnerischen Aufbauspieler sauber den Ball abgeluchst, er kam über die Mitte, und weil er nicht die athletischen Fähigkeiten für einen Dunking hatte, wusste ich: Jetzt kommt der Layup.“ Die Gegenspieler liefen nicht mehr zurück in die Verteidigung, wozu auch? Aber Spohr befürchtete, dass sein Mitspieler die einfachen Punkte mal wieder liegen lassen würde: „Ich sah das Unheil kommen. Also bin ich wie ein Geisteskranker losgerannt.“

Der Laufweg des Flügelspielers wurde aber abrupt unterbunden, als auf einmal der Schiedsrichter in seine Richtung ausscherte. Und dann knallte es. „Wir sind beide auf den Boden geflogen, der Schiri hat seine Pfeife verloren, und als wir uns wieder gesammelt hatten, wollte er mich zur Ordnung rufen. Am liebsten hätte er mich rausgeschmissen“, erinnert sich Spohr. Gut, dass der besonnene BG-Trainer Kosta Filippou die Szene beobachtete und glaubhaft vermitteln konnte, dass sein Flügelspieler wirklich nur zurückrennen wollte. „Ich habe dem Schiri gesagt, dass ich wegen Yannicks Korblegerschwäche halt zurücklaufen musste“, grinst Spohr. Der Schiedsrichter glaubte ihm. Und das, obwohl Opitz den Korbleger eigentlich ganz sicher verwandelte.

Der erste Gang

Als sich Dominik Spohr und sein neues Team Gießen 46ers auf die Bundesligasaison 2012/13 vorbereiteten, gab es eine nette Überraschung: Jeder Spieler bekam einen brandneuen Seat Ibiza. Der Kleinwagen war zwar kein Ferrari, aber die Basketballer waren zufrieden mit ihren Firmenfahrzeugen. Nur ein Spieler hatte so seine Probleme mit dem Gefährt.

„Wir saßen alle in der Kabine, als unser amerikanischer Aufbauspieler fragte: Jungs, was ist mit diesen Autos los? Warum fahren die so langsam?“, denkt Spohr zurück. „Der fährt 160, 170, wie schnell willst du denn damit werden?“, entgegnete der Hagener. Doch der US-Amerikaner war sich sicher: Sein Wagen fährt auf Teufel komm raus nicht schneller als 40 km/h. „Dann wird der Wagen total laut und fliegt mir um die Ohren.“

Die Verwirrung wich, als ein Gießener Mitspieler fragte, ob er denn nicht richtig schalten würde. „Schalten, wie schalten? Ich bin in 1, das bedeutet doch fahren, sagte er“, schüttelt Spohr ungläubig den Kopf. In der Kabine brach Gelächter aus. Das Bittere: Der Point Guard fuhr ganze zwei Wochen lang im ersten Gang durch die Gegend. Wie viel Sprit er dabei verbraucht hat, ist nicht übermittelt...

Jugoslawische Methoden

Der legendäre Trainer Miodrag „Pure“ Radomirovic, der seit 41 Jahren im Basketballgeschäft seine Spuren hinterlässt, hat so manchen Jugendspieler zum gestandenen Profi geformt. Doch nicht immer war es vergnügungssteuerpflichtig, unter dem exzentrischen Jugoslawen zu trainieren. „Als ich in Schwelm Einzeltraining bei Pure hatte, musste ich eineinhalb Stunden ein- und denselben Move üben“, sagt Sören Fritze. Radomirovic, der in Hagener Turnhallen selbstgebastelte Körbe anbrachte, damit alle seine Schützlinge Einzeltraining machen konnten, schwor auf schier unendlich viele Wiederholungen und auf anspruchsvolle Drills. So musste man mit zwei Bällen hantieren oder sich an Kletterseilen bis zur Hallendecke hochhieven. „Wenn du das bis nächste Woche nicht kannst, brauchst du nicht mehr wiederkommen“, raunte Radomirovic dann.

Methoden, mit denen der junge Dominik Spohr nicht immer einverstanden war, als er in der Brandt-Hagen-Jugend unter „Pure“ spielte. Also ging er nicht mehr zum Training. Drei Monate lang. Wer Radomirovic kennt, weiß, dass man das nicht einfach so macht. Aber Spohr radelte eines Tages auf seinem Fahrrad mutig zurück zur Halle. „Alle haben gestaunt, dass er sich das getraut hat“, erinnert sich Opitz, der damals auch bei „Pure“ Einzeltraining hatte. „Ich musste ihm erklären, wo ich die ganze Zeit war. Ich kam richtig ins Schwitzen, und es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Aber dann hat er mir liebevoll auf die Wange geklatscht, und die Welt war wieder in Ordnung. Pure hat dich immer wieder aufgenommen“, grinst Spohr.

Erst später habe er erkannt, welch ein guter Mensch der nach außen hin sehr strenge Radomirovic war, der stets darauf achtete, dass alle seine Spieler auch in der Schule gute Leistungen erbrachten. „Man hat bei ihm viel gelernt fürs Leben“, rühmt Spohr seinen alten Basketball-Lehrer. Eine Aussage, die Yannick Opitz nur unterstreichen kann: „Wenn jemand in der Uni Angst vor einer Klausur hatte, dachte ich mir: Der hätte mal bei Pure trainieren müssen. Alles, was so im Leben auf einen zukommt, wird deutlich leichter, wenn man mal in seiner Mannschaft stand.“

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