Kabinengeflüster

Der Drill, der Basketballer noch Jahre später zittern lässt

Lesedauer: 6 Minuten
Der Irokesenschnitt hat kein Glück gebracht: Die Phoenix Hagen Juniors um Niklas Geske (vorn, Nummer 7) verlieren 2012 das NBBL-Finale gegen die Eisbären Bremerhaven.

Der Irokesenschnitt hat kein Glück gebracht: Die Phoenix Hagen Juniors um Niklas Geske (vorn, Nummer 7) verlieren 2012 das NBBL-Finale gegen die Eisbären Bremerhaven.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Schreckliche Drills und schicke Frisuren: Basketballprofi Niklas Geske erinnert sich an kuriose Geschichten aus seiner Zeit bei Phoenix Hagen.

Er hat zwar just mit seinem neuen Team die erste Heimniederlage kassiert, für Niklas Geske läuft die Saison mit Basketball-ProB-Ligist Sparkassen-Stars Bochum dennoch mehr als passabel. Der Aufbauspieler überragt mit durchschnittlich 22,2 Punkten und 9,4 Assists pro Spiel, die Ruhrstädter sind Tabellenführer und auf dem besten Weg, in die ProA aufzusteigen.

Beste Erinnerungen hat der Dortmunder Junge an seine lange Zeit bei Phoenix Hagen, wo er unter anderem zum Rotationsspieler in der 1. Bundesliga wurde. In der vierten Folge unserer Serie „Kabinengeflüster“ mit den Gastgebern Yannick Opitz und Sören Fritze, die jahrelang Seite an Seite mit Geske spielten, blickt der 26-jährige Aufbauspieler auf witzige Anekdoten aus seiner Hagener Zeit zurück.

Der Rat des Altmeisters

Schon Bernd „Storch“ Kruel erzählte uns in der dritten Kabinengeflüster-Folge von den legendären Cooper-Tests von Phoenix-Hagen-Trainer Ingo Freyer, die als Grundlage sämtlicher Erfolge (oder Misserfolge) galten. „Storch lief mit seinen gefühlten 40 Jahren locker durch das Ischelandstadion, während Sören und ich uns die Lunge aus dem Leib rannten", erinnert sich Niklas Geske an die Saisonvorbereitung aus dem Jahre 2013.

Die beiden Perspektivspieler wurden Zweite und Dritte des Fitnesstests und empfahlen sich für den Bundesliga-Kader. Und dann trabte Kruel, der den Test eher gemächlich anging, bei der Auslaufrunde an Geske und Fritze vorbei, gab ihnen einen Klaps auf den Hintern und den gut gemeinten Rat eines Altmeisters: „Tja Jungs, es hat sich noch niemand ins Team gelaufen. Da muss man schon ein bisschen mehr machen als durchs Stadion zu rennen", erinnert sich Geske und lacht. Den Spruch wird der Point Guard wohl nie vergessen - und er gibt ihn mittlerweile selbst an jüngere Spieler weiter. „Ingos Cooper-Tests waren einfach legendär", erinnert sich Sören Fritze und lacht: „Mit welch einer Seriosität er an die Sache herangegangen ist... Du hattest das Gefühl: Das ist heute der wichtigste Test in deinem Leben."

Weniger beliebt war bei den jungen Spielern hingegen Freyers Konzentrations-Drill, böse Zungen nennen ihn auch „Psycho-Drill". Dabei musste man nach umfangreicher Passstafette einen Korbleger treffen. Alle Augen waren auf denjenigen gerichtet, der das Ding im Netz unterbringen musste. Wenn nicht getroffen wurde, musste das ganze Team Linienpendel absolvieren, was nicht gut bei den etablierten Profis ankam. „Das war für mich und meine Korblegerschwäche natürlich genau das richtige. Einmal hat mich Quentin Pryor gefragt, was ich überhaupt hier mache, wenn ich keinen Korbleger kann", sagt Yannick Opitz. „Ich zittere heute noch, wenn ich an Ingos Konzentrations-Drill denke", scherzt Fritze, „daran sind ganze Basketballer-Existenzen gescheitert."

Die Nachteule

Einer, der Freyers Übungen gut kennt, ist der US-amerikanische Center Dino Gregory, zwischen 2012 und 2015 Center von Phoenix Hagen und damals einer der gefürchtetsten Shotblocker der Bundesliga. Ein echter Publikumsliebling. Und ein im Team angesehener Basketballer, mit dem auch Niklas Geske super klar kam. Nur Gregorys Biorhythmus kann der Lehramtsstudent bis heute nicht nachvollziehen.

Als Geske mal Familie zum Phoenix-Spiel einladen wollte, bat er Gregory um eine der VIP-Karten, die der Mannschaft gehörten. „Klar, bringe ich dir rüber", schrieb der US-Amerikaner ihm damals. „Okay, wann bist du hier?“ Es war ca. 22 Uhr und Geske wollte langsam zu Bett, um fit für den nächsten Tag zu sein. „Gegen 3 Uhr", schrieb Dino Gregory. Wie bitte, 3 Uhr nachts?

Der US-Center blieb in der Regel noch länger wach, spielte auf der Playstation oder schaute NBA-Spiele. Ein Wunder, dass er im Training topfit war. Die VIP-Karte versteckte er übrigens an Niklas Geskes Auto. Der Aufbauspieler ließ sich seinen Schlaf nicht nehmen.

Die Lockenpracht

Wenn Basketball-Teams in die Playoffs einziehen, lassen sie sich gerne ein Ritual einfallen. Als eine Art Glücksbringer. Der wohl bekannteste aller Bräuche ist der Playoff-Bart. Das kam für die Phoenix Hagen Juniors im Jahr 2012 aber nicht in Frage - zumindest einige der jungen Korbjäger hätten monatelang Playoffs bestreiten müssen, um sich einen „echten“ Bart wachsen zu lassen. Die Alternative: Playoff-Irokesen. Also rasierte sich das Juniors-Team geschlossen die Seiten ab, das Oberkopf-Haar ließ man lang. Das wirkte cool. Und vielleicht auch ein wenig gefährlich.

"Nur einer hat damals nicht mitgemacht, das war Jens Winterberg", erinnert sich Sören Fritze. Der Grund: Der Center war zu stolz auf seine Frisur. „Der hatte einen richtigen Lockenkopf. Die Locken waren ja auch schön, das muss man sagen", grinst Geske. Als Teenager hat man natürlich nur Unsinn im Kopf, und so wollte das Team dem Widersacher die langen Haare abrasieren. Aber Juniors-Trainer Falk Möller ließ das nicht zu. „Papa Falk hat ihn beschützt, sonst hätten wir das bestimmt gemacht", lacht Niklas Geske. Winterberg brach also mit dem Ritual.

Der Grund, warum die Juniors letztlich im Finale an den Eisbären Bremerhaven scheiterten? Wir werden es nie wissen.
+++ Info +++
Bis zum 16. Lebensjahr durchlief Niklas Geske seine Ausbildung beim TVE Barop, bis er seine Karriere im Seniorenbereich bei SVD 49 Dortmund begann. 2012 und 2013 erreichte er mit den Phoenix Juniors jeweils das Finalturnier der NBBL. 2013 feierte er sein Bundesligadebüt.
Die fünfte Folge von Kabinengeflüster mit Maja Grothe erscheint am kommenden Dienstag, 2. Februar.

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