Nostalgiespiel

Brandt Hagen: Show am Ischeland gehört wieder Keith Gatlin

Keith Gatlin führt das 94er-Pokalsiegerteam von Brandt Hagen gegen eine Hagener Auswahl an. Von links Steven Wriedt, Dominik Spohr, Ralf Risse, Robin Gieseck, Stefan Svitek, Keith Gatlin, Oliver Herkelmann, Kosta Filippou und Jonas Grof.

Keith Gatlin führt das 94er-Pokalsiegerteam von Brandt Hagen gegen eine Hagener Auswahl an. Von links Steven Wriedt, Dominik Spohr, Ralf Risse, Robin Gieseck, Stefan Svitek, Keith Gatlin, Oliver Herkelmann, Kosta Filippou und Jonas Grof.

Foto: Michael Kleinrensing

  800 Zuschauer sahen zu - und erlebten vieles wie vor 25 Jahren: Die Show beim Nostalgiespiel von Brandt Hagen gehört wieder Keith Gatlin.

Erst zierte er sich ein bisschen, wollte eigentlich gar nicht spielen – oder höchstens ein paar Minuten. Doch dann gehörte die Show am Ischeland natürlich wieder Keith Gatlin, wie vor einem Vierteljahrhundert hier regelmäßig. Der ehemalige US-Spielmacher von Brandt Hagen bewegte sich beim Nostalgie-Spiel nur noch sparsam und in gemächlichem Tempo, an seinem Legenden-Status arbeitete der mittlerweile 54-Jährige aber trotzdem. Als die Pokalsieger von 1994 am Ende einen 105:79 (43:38)-Sieg gegen eine Hagener Allstars-Auswahl auf die Anzeigetafel gezaubert hatten, stand dort ganz oben hinter dem Namen Gatlin die Zahl 33. Satte elf Dreier hatte er verwandelt – und nicht nur deshalb den etwa 800 Besuchern reichlich Vergnügen bereitet. „Er kann kaum noch laufen, aber die Dreier klappen noch immer ganz gut“, befand Teamkollege Oliver Herkelmann: „Das war doch ein Super-Spaß.“

Nostalgiespiel der 94er Pokalsieger von Brandt Hagen
Nostalgiespiel der 94er Pokalsieger von Brandt Hagen

1996 hatte Gatlin, der zwei Jahre zuvor Brandt Hagen in seinem Debütjahr zu Pokalsieg und Vizemeisterschaft geführt hatte, letztmals am Ischeland gespielt, 2005 noch einmal beim Team-Revival in der nahen Sporthalle Altenhagen. „Hagen hat immer noch einen ganz speziellen Ort in meinem Herzen“, bekannte der Amerikaner nach der Jubiläums-Partie mit Blick auf die Ränge - nachdem er zahllose Autogramm- und Foto-Wünsche alter und neuer Fans erfüllt hatte: „Es war gut, die Jungs mal wieder zu sehen. Für mich war es ein Segen, hierhin zu kommen. Hoffentlich bald wieder, nicht erst in zehn Jahren.“

Ob Gatlin tatsächlich kommt, da waren sich die früheren Teamkollegen und Coach Peter Krüsmann, die das Nostalgie-Spiel organisiert hatten, bis zuletzt nicht ganz sicher. Doch dann traf der 54-Jährige am Vorabend der Partie ein, feierte das Wiedersehen beim Team-Essen - und zog ungeachtet des Jetlags tags darauf das weiße Brandt-Trikot mit seiner Nummer vier über. Das Aufwärmen absolvierte er noch sehr dosiert, den Platz in der gewohnten Stammfünf mit Herkelmann, Steven Wriedt, Stefan Svitek und Adam Fiedler nahm er aber natürlich ein. Und war ebenso selbstverständlich die erste Angriffsoption seiner Mannschaft. Der erste Dreier war noch zu kurz, die drei nächsten aber saßen. Und so ganz allmählich eroberten die Oldies von den Allstars, bei denen mit Dominik Spohr und Jonas Grof immerhin zwei aktuelle Phoenix-Profis mitmischten, die Führung. Auch dank der Hilfe des Nachwuchses, Lance Wriedt tat sich hervor, die zwei Körbe des zehnjährigen Michel Lohkamp - Sohn von Ralf Risse - wurden besonders bejubelt. „Die Halbzeit-Ansprache wird hart“, mutmaßte Allstars-Guard Kosta Filippou, als Gatlin mit Buzzerbeater – sein sechster Dreier – den 43:38-Pausenstand besorgt hatte.

Wenig Bewegung, aber elf Dreier

„Wir spielen weiter, wenn die Herren wieder zu Luft kommen“, kündigte Hallensprecher Norbert Schardt an. Doch an Ruhepausen war für die 94er nicht zu denken, der Verkauf von Tombola-Losen für den guten Zweck stand an. „Am Ende wollen wir 2000 Euro für Hagener Kinderheime erreicht haben“, kündigte Herkelmann an. Währenddessen staunte Krüsmann über sein zwar partiell mit Wohlstand-Bäuchlein ausgestattetes, aber weiter enorm spielfreudiges Team. „Sie spielen immer noch nach dem gleichen Muster. Man sieht, welche Qualität diese Mannschaft hatte“, befand der Coach: „Und Keith Gatlin ist immer noch eine Augenweide, wenn er wirft.“

Was der US-Amerikaner auch – neben der Demonstration von Dribbelkünsten, Passqualitäten und Spielwitz – weiter tat, während er defensive Anstrengungen weitgehend vermied. Die Dreier sieben bis zehn streute er, begleitet vom Raunen auf der Tribüne, ganz nebenbei ein, ehe er auf der Bank Platz nahm. Und als dann auch Bernd Kruel – mit 42 wieder der Youngster unter lauter Mitt-Fünfzigern – mal eben drei Distanztreffer, begleitet von lauter werdenden „Kruel-Kruel-Kruel“-Stakkatorufen, in Serie beisteuerte, war die eher nebensächliche Frage nach dem Sieger geklärt. „Keith hat in der Pause gesagt, ich müsste schon noch einen Dreier nehmen“, erklärte „Storch“ später, „es sind drei draus geworden.“ 91:67 stand es übrigens jetzt, als der Ehrgeiz Gatlins noch einmal erwachte, für die letzten 60 Sekunden kehrte er zurück aufs Parkett. Und weil es so schön war, packten die Schiedsrichter Horst Pelzer und Günter Brökelmann nochmal zwei Minuten darauf. Damit Svitek den Hunderter erzielen konnte – und Gatlin auch noch der elfte Dreier gelang. Und ein feiner Pass auf Svitek, der zum 105:79-Endstand traf.

94er-Team ist eingespielter

„Das hat richtig Spaß gemacht“, freute sich der Slowake, der tags darauf schon wieder nach Prag zum Trainingslager der von ihm gecoachten tschechischen Damen zurückkehrte: „Vielleicht sollten wir uns jetzt in etwas kürzeren Abständen treffen.“ Beeindruckende Eingespieltheit und Teamspirit, die Filippou als entscheidende Unterschiede zwischen beiden Mannschaften ausmachte, zeigten die 94er auch so. „Man hat das Gefühl, das Spielverständnis kommt sofort wieder“, staunte Herkelmann, „beim Gedanken daran kriege ich eine richtige Gänsehaut.“ Damit dürfte der frühere Center an diesem Abend nicht allein gewesen sein.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben