Fußball-Landesliga

Zwischendurch gab es auch Selbstzweifel bei Stefan Colmsee

Stefan Colmsee, der Trainer des Fußball-Landesligisten Viktoria Resse.

Stefan Colmsee, der Trainer des Fußball-Landesligisten Viktoria Resse.

Foto: Lutz von Staegmann

Resse.   WAZ-Interview mit dem 36-jährigen Trainer des Fußball-Landesligisten Viktoria Resse, der auf eine kräftezehrende Saison zurückblickt.

Vor drei Wochen feierte Stefan Colmsee, der 36-jährige Trainer von Viktoria Resse, mit seinem Team den Klassenerhalt in der Fußball-Landesliga. Am Sonntag darauf stieg er dann aber doch ab. Mit der zweiten Mannschaft der Resser, und zwar in die Kreisliga B. 90 Minuten hatte er gegen den FC Horst 59 auf dem Platz gestanden, verlor das Relegationsspiel. Mit der WAZ sprach er darüber, vor allem aber über eine nervenaufreibende erste Saison als Trainer im Seniorenbereich.

Herr Colmsee, Sie haben gegen Horst 59 noch mal die Knochen hingehalten…

Ja, und Gott sei Dank habe ich mich nicht verletzt. Meine Muskeln haben mir am Tag danach gesagt, dass ich wahnsinnig bin.

Warum haben Sie Ihren Muskeln das angetan?

Erstens war es natürlich wichtig für den Verein, zweitens war es auch wichtig für mich als Trainer der ersten Mannschaft. Da brauche ich einen guten Unterbau für mein Team. Das Ziel des Vereins wird es wohl sein, die Zweite zeitnah wieder in die Kreisliga A zu bringen. Es ist immer schwierig, wenn die zweite Mannschaft nur in der Kreisliga B spielt.

Eine Woche zuvor ist der Abstiegskampf für Viktoria Resse positiv ausgegangen. Wie fühlten sich die Stunden nach dem Sieg gegen Kaiserau an?

Im Laufe des Abends kam bei mir die Erleichterung durch, die ganze Anspannung fiel ab. Die Jungs waren zum Großteil noch lange am Platz, haben das eine oder andere Bierchen getrunken. Auch da ist sehr viel von der Seele abgefallen. Daniel Samson hat mir am nächsten Morgen geschrieben, dass er sich wie ein neuer Mensch fühle. Da liest man schon heraus, wie groß die Erleichterung war.

Wie wichtig war die Rettung für den Verein? Sie sind nach dem kurzen Besuch in der Westfalenliga nur knapp dem zweiten Abstieg in Folge entgangen...

Wir hätten jetzt nicht vor einem Scherbenhaufen gestanden. Mitte April haben wir Nägel mit Köpfen gemacht. Die Jungs sollten klare Kante zeigen, ob sie den Weg mit runtergehen würden. Alle Spieler, die für die nächste Landesliga-Saison zugesagt hatten, wären bis auf, ich sage mal anderthalb, auch in der Bezirksliga hier geblieben. Um den Fehler zu korrigieren. Wir haben jahrelang darauf hingearbeitet, in die Landesliga zu kommen, ich damals noch als Spieler. Es wäre schade, wenn das jetzt so runtergefallen wäre. Ganz überraschend war es aber auch nicht, dass wir uns erst so spät retten konnten.

Warum?

Nach dem Abstieg aus der Westfalenliga hatten wir wieder einen Umbruch. Stammspieler wie Lars Rustige oder Dominik Hanemann hatten Angebote von höherklassigen Vereinen. Und da wir finanziell nicht gerade der am besten aufgestellte Verein sind, kann man so etwas nicht kompensieren. Wir versuchen, Spieler zu holen, die Potenzial haben, die wir entwickeln können. Das ist unsere Marschroute. Spieler entwickeln und weitergeben, und das immer wieder von vorne. Zu dem Umbruch kam, dass uns vor allem zu Beginn der Saison einige Spieler verletzt weggebrochen sind. Dass die Mannschaft aber Potenzial hat, hat sie gezeigt. Wir haben vier Punkte gegen Meister Sodingen geholt, vier Punkte gegen den Tabellendritten Frohlinde, sechs gegen Buer. Aber eben auch nur einen gegen den Tabellenletzten Günnigfeld.

Sie sind früh in der Saison unten reingerutscht, steckten bis zur letzten Sekunde im Abstiegskampf. Wie plant man die kommende Spielzeit ohne Planungssicherheit?

Das war natürlich schwierig. Ich habe gefühlt 70 neue Kontakte in meinem Handy. Unsere Situation hat die Gespräche mit Spielern beeinflusst, der Großteil hat schon eher auf die Landesliga spekuliert. Uns sind auch zwei Jungs abgesprungen, weil wir nicht gesichert waren. Richtig gute, junge Spieler, die ich gerne bei mir gehabt hätte. Das ist traurig, aber auf jeden Fall nachvollziehbar.

Für Sie persönlich war es die erste Saison als Trainer im Seniorenbereich. Nach so einem anstrengenden Premierenjahr haben Sie sicher ein paar freie Tage nötig...

Ja! Ich habe momentan Urlaub, werde versuchen, Energie zu sammeln. Die vergangenen Wochen waren sehr kräftezehrend. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, das ist alles spurlos an mir vorbeigegangen. Ich habe viel gelernt, viele Erkenntnisse mitgenommen. Zwischenzeitlich habe ich auch Selbstzweifel gehabt. Wenn etwas, was ich angesprochen habe, nicht umgesetzt wurde, musst du überlegen: Woran liegt es? War das zu viel Input? Drückst du dich falsch aus? Die Zweifel waren aber relativ schnell wieder weg, weil ich viel Rückendeckung erfahren habe. Auch von Spielern.

Wie viel von Ihrer Idee, Fußball spielen zu lassen, haben Sie Ihrer Mannschaft in diesem Jahr vermitteln können?

Spielerisch bin ich eigentlich kaum dazu gekommen. Weil wir relativ früh Probleme in verschiedenen Bereichen hatten. Mit Verletzungen, in der Tabelle. Eigentlich wollte ich mit einem neuen System spielen. Das hat im Trainingslager gut geklappt, in den Tests auch. Aber dann haben wir gemerkt, dass das alles nicht so eingespielt ist. Viele Spieler kannten die taktischen Rahmenbedingungen noch nicht so gut. Also bin ich dann relativ schnell wieder zum alten System gewechselt, um den Jungs eine Grundsicherheit zu geben.

Klingt nach einem zweiten Anlauf in der Sommervorbereitung...

Ja, ich habe da noch ein bisschen Nachholbedarf mit den Jungs. Ich würde gerne taktisch flexibler sein. Natürlich hängt das auch immer von den Spielern ab, die ich zur Verfügung habe. Aber das wird noch kommen.

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