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Reiterverein Gelsenkirchen braucht Unterstützung beim Umzug

Michele Di Cosola, Sportwart des Reitervereins, führt Pferd Detlef über das Gelände an der Willy-Brandt-Allee. Bald muss der Klub, der in diesem Jahr 66 Jahre alt wird, umziehen.

Michele Di Cosola, Sportwart des Reitervereins, führt Pferd Detlef über das Gelände an der Willy-Brandt-Allee. Bald muss der Klub, der in diesem Jahr 66 Jahre alt wird, umziehen.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen.  Der Klub muss sein Gelände im März 2020 verlassen, weil der Pachtvertrag ausläuft. Ein Neuaufbau ist für den Verein finanziell kaum zu stemmen.

Der Reitplatz muss weg. So viel steht fest. „Das wird sich kaum vermeiden lassen“, sagt Michele Di Cosola, Sportwart vom Reiterverein Gelsenkirchen. Er führt Pferd Detlef aus der Box. Die Pferdeställe sind alt, die Tiere gut gepflegt. Warum muss er weg, der Reitplatz? „Klar ist, dass unser Pachtvertrag ausläuft“, sagt Di Cosola, der mit seinen 28 Jahren nicht einmal halb so alt ist, wie sein Verein im Herzen der Stadt. Und warum wird der Pachtvertrag nicht verlängert? Di Cosola zuckt mit den Schultern. Er biegt ab auf den Reitplatz im Schatten der Stallungen, hinter ihm reckt sich der mächtige Turm des städtischen Wasserversorgers empor. Das Gelände des Reitervereins grenzt unmittelbar an das von Gelsenwasser.

Verein vor 66 Jahren gegründet

Damit, dass der Verein seinen angestammten Platz nach 66 Jahren verlassen muss, haben sich die meisten Vereinsmitglieder bereits abgefunden. Mit dem Gedanken, dass es ihren Reitklub in Zukunft gar nicht mehr geben könnte, wollen sie sich aber in keinem Fall anfreunden. Einfach wird der Neustart für den ältesten Gelsenkirchener Reiterverein aber nicht.

„Das Gute ist, dass uns von Seiten der Stadt ein Gelände in Aussicht gestellt wird, auf dem wir unseren Reiterverein wieder aufbauen können“, sagt Di Cosola. Schwierig wird es für den Klub mit Blick auf die Finanzen aber alle Mal. Das Gelände an der Horster Straße in der Nähe des Bahnhofs Buer Süd ist bisher nicht erschlossen, es gibt keine Einzäunung, kein fließendes Wasser, geschweige denn einen Boden, auf dem Pferde reiten oder Stallungen, in denen sie untergebracht werden könnten.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es aber nach Gesprächen mit der Stadt: „Unserem Verein ist finanzielle Hilfe in zwei Etappen in Aussicht gestellt worden. Sollte der Betrag für die erste Zahlung durch den Rat der Stadt abgenickt werden, so wäre das ein kleiner Erfolg für uns und wir könnten unser Projekt der Verlagerung zumindest erstmal rudimentär beginnen“, sagt Di Cosola. Schwarz auf Weiß haben die Reiter die Zusage aber noch nicht. „Das wäre für die weitere Planung allerdings sehr wichtig“, betont er. Der Verein rechnet damit, dass die Minimalkosten für einen Neubau bei etwa 700.000 Euro liegen. An eine ähnliche Ausstattung wie zum jetzigen Zeitpunkt ist da nicht zu denken. Das Budget würde höchstens für eine kleine Reithalle und einige Stallungen reichen. Nicht aber Reitplätze und weitere Bauten.

Dass die Mitglieder des Klubs alles in ihrer Macht stehende dafür tun, ein paar Euro in die Vereinskasse zu spülen, beweisen Finja (7) und Soley (8). Die beiden Mädchen kommen regelmäßig an die Willy-Brandt-Allee. „Wir wären sehr traurig, wenn wir nicht mehr reiten könnten“, sagt Finja. Soley ergänzt: „Wir basteln darum kleine Sachen, die wir verkaufen können.“ Ihrer Mutter liegt besonders das familiäre Klubleben am Herzen. „Hier halten alle zusammen. Man trifft sich, verbringt viel Zeit miteinander.“ In anderen Reitvereinen kämen viele nur vorbei, um nach ihrem Pferd zu sehen. Beim Reiterverein Gelsenkirchen sei das ganz anders. Jeder steuere bei, was er tun könne. Einige Jugendliche hätten für die 66-Jahrsfeier des Klubs beispielsweise ein YouTube-Video geplant.

Nicht nur Leistungssport, sondern auch Breiten- und Schulsport

Allein durch die Bemühungen der Klubmitglieder wird die benötigte Summe nicht zusammenkommen. Das ist auch Michele Di Cosola klar. Darum betont er noch einmal, wie wichtig sein Klub für Gelsenkirchen ist: „Wir bieten hier nicht nur Leistungssport, sondern auch Breiten- und vor allem Schulsport an.“ Und das sogar zertifiziert. Acht Schulpferde leben derzeit beim RVG, sodass auch diejenigen, die sich kein eigenes Pferd leisten können oder wollen, ihrem Sport nachgehen können. Di Cosola ergänzt: „Inzwischen bieten wir auch inklusive Reitstunden an.“ Damit auch Menschen mit Behinderung Reitsport erleben können.

„Wir hoffen darum auf weitere Unterstützung und natürlich auf die Hilfe von Gelsensport und der Stadt“, sagt der Sportwart und führt Pferd Detlef noch eine Runde über der Reitplatz. Bis zum März 2020 wird er das noch etliche Male machen können. Aber spätestens dann muss ein neues Vereinsgelände geschaffen sein, für den Umzug des Reitervereins Gelsenkirchen.

Genießt die Sonnenstrahlen auf der Anlage an der Willy-Brandt-Allee: Pferd Detlef. Foto: Olaf Ziegler >>> Spendenkonto für Reiterverein eingerichtet

Wer den Reiterverein Gelsenkirchen finanziell und mit handwerklichen Tätigkeiten unterstützen möchte, kann sich auf der Internetseite des Klubs informieren: www.reitervereingelsenkirchen.de.


Ein Spendenkonto gibt es auch: Reiterverein Gelsenkirchen, Sparkasse Gelsenkirchen, IBAN: DE79 4205 0001 0116 0215 00.

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