Fußball

Für Daniel Borzek heißt es Kreisliga C statt Profifußball

Daniel Borzek stand kurz vor einer Profikarriere. Eine Knieverletzung bremste ihn aber aus. Nun ist er spielender Co-Trainer beim SV Schwarz-Weiß Bue­r-Bülse.

Daniel Borzek stand kurz vor einer Profikarriere. Eine Knieverletzung bremste ihn aber aus. Nun ist er spielender Co-Trainer beim SV Schwarz-Weiß Bue­r-Bülse.

Foto: Heinrich Jung

Bülse.   Daniel Borzek spielte vor 14 Jahren unter Eurofighter Mike Büskens in Schalkes U 23. Heute betreut er den C-Ligisten Bülse als Spielertrainer.

Der Ascheplatz auf der Bülser Alm unterscheidet sich in einem wesentlichen Merkmal von seinen Kreisliga-Genossen. Die liebevolle Bezeichnung der Amateurfußballer „roter Rasen“ trifft auf der Sportanlage des SV Schwarz-Weiß Buer-Bülse nämlich nicht zu. Aufgrund der betonähnlichen Farbe und Härte geht die Asche hier eher als „grauer Rasen“ durch.

Daniel Borzek hat sich inzwischen daran gewöhnt. Der Co-Trainer des Tabellenzweiten der Kreisliga C 1 muss wohl auch an diesem Sonntagnachmittag seine Qualitäten als Aushilfsstürmer zeigen. Die Personallage lässt mal wieder nichts anderes zu. Dabei ist der Spielertrainer doch eigentlich ganz andere Verhältnisse als den Bülser Beton gewohnt.

Aus den prophezeiten vier Wochen werden 13 Monate

In der Vergangenheit kickte der Angreifer nämlich vornehmlich auf gepflegten Rasenplätzen, beispielsweise in der Oberliga Niederrhein für die Reserve des Wuppertaler SV und den 1. FC Bocholt. Von dort aus wechselte er 2005 zur U 23 des FC Schalke 04 in die Oberliga Westfalen. Daniel Borzek wusste zu überzeugen, unter Trainer und Eurofighter Mike Büskens gehörte er zum Stammpersonal.

Der Traum Profifußball war zum Greifen nah. Ein Riss des Außenmeniskus bremste das aufstrebende Talent jedoch jäh aus. „Eigentlich hieß es, dass es keine langwierige Verletzung sei“, erinnert sich der heute 34-Jährige an die Worte der Teamärzte. Doch es kam anders: Aus den prophezeiten vier Wochen wurden satte 13 Monate.

Neustart 2006 beim Landesligisten Erler SV 08

Nach zahlreichen missglückten Rückkehrversuchen zog Daniel Borzek die Reißleine – entgegen der Meinung von Trainer Mike Büskens. „Er hätte mit mir gerne noch für ein Jahr verlängert, aber ich wollte das nicht“, sagt er. Stattdessen brach er die Reha ab und kehrte dem Fußball den Rücken zu. Bis das Geld plötzlich knapp wurde. Eine Ausbildung absolvierte Daniel Borzek nämlich nie, der Fußball nahm zu viel Zeit ein.

So begann er im Sommer 2006 wieder mit dem Kicken, zwei Ligen tiefer beim damaligen Landesligisten Erler SV 08. Überraschenderweise waren die Schmerzen im Knie verpufft. Die Angst aber noch nicht: „Als ich in Erle wieder angefangen habe, hat die Angst, dass die Verletzung wieder auftritt, schon eine Rolle gespielt. Erst im Laufe der Zeit ging das weg.“

Die Familie steht bei Daniel Borzek an erster Stelle

Am Forsthaus hielt es den ehemaligen Schalker aber nicht lange. Der GSV Moers, SV Zweckel und VfB Hüls, bei dem er erstmals als spielender Co-Trainer anheuerte, waren nur einige seiner Vereine, die ihm zusätzlich zu einer kleinen finanziellen Gage auch – und viel wichtiger – einen Job bei bestimmten Klubgönnern organisierten. Inzwischen ist er als Lkw-Fahrer tätig. Da der Familienvater jedoch abends bei seinen beiden Töchtern sein will, verzichtet er auf längere Touren. „Die Familie steht für mich an erster Stelle“, bekräftigt Daniel Borzek. Dies kommunizierte er auch so, als im Sommer vergangenen Jahres die Anfrage seines Kindheitsfreundes Rejhan Nailovic kam, ob er die Bülser gemeinsam mit ihm übernehmen möchte.

Seither steht er sonntags wieder auf oder neben dem Platz. Statt Profifußball heißt es nun Kreisliga C. Seine Familie ist davon nicht sehr begeistert. Schließlich musste Daniel Borzek vor seinem Comeback in Bülse zweieinhalb Jahre wegen einer schweren Verletzung am zweiten Knie, das zu Schalker Zeiten noch nicht betroffen war, aussetzen. „Aber ich kann einfach nicht ohne Fußball“, beteuert er. Da zählt es nicht, ob der Untergrund Beton, Rasen oder Asche ist.

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