Fußball

Ein Horster spielt mit Ennepetal auf Schalke

Alexander Thamm ist für den SV Horst 08 als Spieler gemeldet. Am Sonntag trifft er als Ennepetaler Trainer auf die U23 des FC Schalke 04.

Alexander Thamm ist für den SV Horst 08 als Spieler gemeldet. Am Sonntag trifft er als Ennepetaler Trainer auf die U23 des FC Schalke 04.

Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen.   Alexander Thamm half am Wochenende Null-Acht noch als Spieler aus. Am Sonntag kehrt er als TuS-Trainer zur Partie gegen die Schalker U 23 zurück.

Gemeinsam mit Jens Grembowietz führte Alexander Thamm den SV Horst 08 in der vergangenen Saison als spielender Trainer zurück in die Fußball-Westfalenliga. Danach wechselte er als Coach zum TuS Ennepetal in die Oberliga. Auch heute kickt er nebenbei noch ab und zu für die Horster, meistens bei den Alten Herren und im Notfall auch schon mal in der ersten Mannschaft. Die WAZ unterhielt sich mit dem 35-Jährigen, dessen Ennepetaler am Sonntag bei der U 23 des FC Schalke 04 zu Gast sein werden.

Herr Thamm, wo wird man Sie am kommenden Sonntag sehen? In Hassel oder auf Schalke?

Alexander Thamm: Ich werde definitiv mit dem TuS Ennepetal auf Schalke sein. Aber ich weiß, worauf Sie anspielen …

Also muss Horst 08 im Westfalenliga-Derby bei YEG Hassel ohne Sie auskommen?

Dass ich vor fast zwei Wochen im Nachholspiel beim TuS 05 Sinsen ausgeholfen habe, war absolut nicht geplant. Ich bin immer noch bei Horst 08 gemeldet, und als Jens Grembowietz mir von seinen zahlreichen Ausfällen berichtete und mich fragte, ob ich einspringen könnte, habe ich mich für diesen Notfall dazu bereiterklärt. Leider war das Comeback nicht erfolgreich.

Also eine einmalige Sache?

Man soll nie nie sagen. Aber ich stehe nicht mehr im Saft, ich trainiere seit einem halben Jahr nicht mehr regelmäßig. Ich will die ganze Aktion nicht überbewerten.

Was verbindet Sie noch mit Horst 08, außer dass Sie dort ihren Spielerpass haben?

Dass Jens Grembowietz und mir vor fast zwei Jahren als junges Trainer-Duo das Trainer-Amt übertragen wurde, empfand ich als Riesenvertrauensvorschuss. Es fiel leicht, sich dort einzuleben. Ich habe mich in Horst immer sehr wohl gefühlt. Obwohl ich dort nur ein Jahr war, fühle ich mich dem Verein sehr verbunden.

Sie haben Horst nach dem Aufstieg verlassen und machen jetzt auch in Ennepetal einen guten Job als Trainer, wie Platz vier und 35 Punkte aus 20 Spielen unterstreichen.

Die Jungs machen es einfach gut. Ich habe einen nahezu unveränderten Kader übernommen, zudem haben die Zugänge gut eingeschlagen. Bei dreimal Training in der Woche werde ich die Jungs fußballerisch nur eingeschränkt besser machen können, aber ich kann ihnen Selbstvertrauen vermitteln. Mein Credo ist: Fußball muss Spaß machen. Das ist das A und O.

Dreimal Training in der Woche? Ich glaube, die Schalker U 23 steht etwas häufiger auf dem Platz…

Jede Mannschaft in der Oberliga trainiert weniger als Schalkes U 23. Das sind halt Profi-Fußballer.

Also ein ungleiches Duell, das da am Sonntag ausgetragen wird?

Ich habe einen Riesenrespekt vor der Punktezahl, die die Schalker in dieser Saison bislang erreicht haben. Dass sie den größten Aufwand betreiben, heißt ja nicht, dass sie auch automatisch aufsteigen, wie man in der zurückliegenden Spielzeit sehen konnte.

Was rechnen Sie sich für Sonntag aus?

Für jeden Oberligisten gibt es im Laufe der Saison zwei Pokalspiele. Das sind die beiden Spiele gegen Schalke. Auch wir werden alles raushauen, alles in diese Partie reinwerfen und Gas geben. Wir werden uns nicht hinten reinstellen und damit zufrieden sein, wenn wir weniger als fünf Gegentore kriegen. Wir wollen was mitnehmen, wissen aber auch, wie schwierig das sein wird.

Worauf müssen sich die Schalker einstellen?

Man sagt uns eine eigenartige Spielweise nach, dass wir häufig mit langen Bällen operieren und nach Standards gefährlich sind. Wir haben es den Schalkern bereits im Hinspiel bei unserer 1:3-Niederlage nicht einfach gemacht.

Kann der TuS Ennepetal aufsteigen?

Es gibt 17 Mannschaften in der Oberliga – und es gibt Schalke. Von den 17 kann fast jeder jeden schlagen, es gibt fast nur 50:50-Spiele. Wir konzentrieren uns nicht auf die Tabelle, sondern stets auf das nächste Spiel. Wir liegen bereits jetzt deutlich über den Erwartungen, aber wir sind noch nicht satt.

Wie sieht es mit Ihren Ambitionen als Trainer aus?

Als ich in Ennepetal anfing, haben wir uns auf eine zweijährige Zusammenarbeit geeinigt. Mal schauen, was danach kommt. Ich arbeite jeden Tag bis 18 Uhr als Buchhalter in einer Düsseldorfer Werbeagentur. Es ist schwierig, danach noch den Oberliga-Jungs gerecht zu werden. Vielleicht gehe ich irgendwann wieder zurück in eine tiefere Spielklasse, oder es öffnet sich eine Tür, professionell in der Regionalliga oder in der 3. Liga zu arbeiten.

Sie haben vor etwa einem Jahrzehnt selbst für die Schalker U 23 gespielt. Gibt es noch Kontakte?

Ja, beispielsweise zu Tomasz Waldoch, der schon damals Co-Trainer war. Oder zu Till Beckmann und Willi Landgraf. Aber es ist schwierig, im Fußball-Geschäft die Kontakte zu pflegen. Es war eine tolle Zeit auf Schalke, obwohl mein Herz ja etwas mehr für einen anderen blau-weißen Verein im Ruhrgebiet schlägt, für den VfL Bochum.

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