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Ehemaliger Klitschko-Gegner Johnson boxt in Gelsenkirchen

Ein gutes Team: Schwergewichts-Boxer Kevin Johnson (rechts) und sein Trainer Christian Hiller.

Foto: Olaf Ziegler

Ein gutes Team: Schwergewichts-Boxer Kevin Johnson (rechts) und sein Trainer Christian Hiller. Foto: Olaf Ziegler

Gelsenkirchen.   Schwergewichtsboxer Kevin Johnson bereitet sich mit seinem Trainer Christian Hiller in Ückendorf auf den Kampf am Samstag gegen Petar Milas vor.

Nach einer halben Stunde auf dem Stepper wischt sich der ältere Herr den Schweiß von der Stirn, nimmt seine Sporttasche in die Hand und verabschiedet sich mit einem nicht zu überhörenden „Glückauf!“ Ein paar Meter weiter, im Nebenraum des Studios „TopFit“ in einem Hinterhof in Gelsenkirchen-Ückendorf, fließt ebenfalls Schweiß. Mehr Schweiß. Beim Boxtraining.

Coach Christian Hiller bleibt nur noch wenig Zeit, um seinen Schützling auf den Kampf gegen den Kroaten Petar Milas vorzubereiten. Links, rechts, links, rechts und gleich noch einmal. Der Mann, der seinem Trainer in Ückendorf in die Handpratzen schlägt, ist einer, bei dem die Sonne untergeht, wenn er aufsteht. Kevin Blue Johnson ist ein echtes Schwergewicht der Boxbranche.

Am Samstag kämpft er im Maritim-Berghotel in Braunlage um die Verteidigung seines IBO-International-Titels im Schwergewicht. Seit dem 14. Oktober, seit dem K.o.-Sieg gegen den Gelsenkirchener Francesco Pianeta, gehört der Gürtel mit den goldenen Abzeichen dem 38-jährigen US-Amerikaner. „Wir hatten uns gegen Pianeta auf einen härteren Kampf eingestellt“, sagt Coach Hiller.

Kevin Johnson hat schon die allerhärtesten Fäuste dieser Welt zu spüren bekommen. 2015 stand er Anthony Joshua gegenüber, der zwei Jahre später auch Wladimir Klitschko besiegte. 2014 boxte Johnson gegen WBA-Weltmeister Manuel Charr und verlor nach Punkten. 2012 war mit Tyson Fury ein weiterer Bezwinger Wladimir Klitschkos sein Gegner, Johnson verlor nach Punkten. 2009 kämpfte Kevin Johnson gegen Vitali Klitschko, blieb über zwölf Runden stehen, Klitschko gewann erst nach Punkten.

Seit Oktober 2017 in Gelsenkirchen

Die Heimat von Kevin Johnson ist New Jersey, der Bundesstaat im Nordosten der Vereinigten Staaten, sein sportliches Zuhause ist seit Oktober 2017 aber Gelsenkirchen-Ückendorf. Hier lebt der Boxer in einer Wohnung, hier trainiert er. Johnson hat sogar eine Köchin, die penibel darauf achtet, was auf den Teller kommt. Im Gespräch mit der WAZ kann der Boxer dem Plätzchen, das es zum Kaffee gibt, allerdings nicht widerstehen. „Ausnahmsweise“, sagt Christian Hiller und lacht. Mit 112 Kilogramm habe Johnson das optimale Gewicht erreicht.

Christian Hiller hat selbst erfolgreich geboxt, war unter anderem WBU-Weltmeister im Halbschwergewicht, konzentriert sich seit ein paar Jahren aber nur noch aufs Coaching. „Ich habe einfach ein gutes Gefühl, bei Christian zu trainieren“, sagt Kevin Johnson über den Mann, der ihn derzeit mindestens vier Stunden am Tag fordert. „Kevin hat eine unglaubliche Ringintelligenz, er hat für fast jede Situation die passende Lösung parat“, lobt Christian Hiller.

Kevin Johnson habe zuletzt vor der Frage gestanden, ob er mit Ende 30 noch einmal gegen „einen Großen“ in den Ring steigen will – oder anders gesagt, ob er das Risiko überhaupt noch einmal eingehen kann. Als alleinerziehender Vater lebt er in New Jersey und ging einem anderen Job als dem Boxen nach. Dann suchte er eine Möglichkeit, um sich in Deutschland auf den Kampf gegen Francesco Pianeta vorzubereiten – und fand Christian Hiller.

Die weiteren Planungen laufen

Die gemeinsamen Planungen gehen weit über den Kampf am Samstag gegen Petar Milas hinaus. Gewinnt Kevin Johnson, habe er die Zusage, in Potsdam gegen den Amerikaner Michael Grant um den Titel des Verbandes WBC kämpfen zu dürfen. 90 Tage später soll sein Gegner Shannon Briggs heißen, der ehemalige WBO-Weltmeister. Ende des Jahres lädt Christian Hiller zu einer großen Boxgala nach Essen ein, bei der auch Kevin Johnson boxen soll. 2019 hofft Hiller dann auf einen Kampf um einen Titel der vier Major-Verbände.

Unterstützt wird der 42 Jahre alte Gelsenkirchener bei der Arbeit mit Kevin Johnson von Dr. Andreas Falarzik, dem ehemaligen Schalker Mannschaftsarzt und Leiter der orthopädischen Abteilung am Olympiastützpunkt in Wattenscheid. Physiotherapeut des US-Boxers ist Markus Schreiber, der schon Vitali Klitschko und Axel Schulz betreut hat. „Kevin fühlt sich sehr wohl bei uns. Vor allem bei unseren älteren Kunden ist er sehr beliebt, weil er viele Scherze mit ihnen macht.“

Sicher auch bei dem älteren Herrn, der den Stepper bevorzugt. Die meisten Mitglieder des „TopFit“ haben ihrem wohl stärksten Mitglied gesagt, dass er es nicht wagen soll, ohne den Gürtel zurück nach Gelsenkirchen-Ückendorf zu kommen.

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