Rekorde für die Ewigkeit

Werner Lueg verfehlt in Helsinki 1952 nur knapp Gold

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Der Name Werner Lueg hat in der heimischen Leichtathletik-Szene immer noch einen guten Klang. Anfang der 50er Jahre zählte der Gevelsberger Leichtathlet zur Weltspitze, seine Kreisrekorde über 1000 und 1500 Meter haben heute, mehr als 50 Jahre später, immer noch Bestand.

In die internationalen Bestenlisten hat sich Werner Lueg am 29. Juni 1952 für die Ewigkeit eingetragen.

Die Olympischen Spiele in Helsinki stehen kurz bevor, als Lueg bei den Deutschen Meis-terschaften in Berlin in 3:43,0 Minuten den Weltrekord ein-stellt. Eine Zeit, die ihn schlag-artig zum Favoriten für das olympische Rennen macht. „Hinter vorgehaltener Hand wurde ich als heißester Gold-Anwärter gehandelt”, erzählt Werner Lueg heute.

Zwar kam es letztendlich anders - auf der Zielgeraden wurde der Gevelsberger von Sensationssieger Josy Barthel aus Luxemburg und dem Amerikaner Bob Macmillan überspurtet - doch ist die Olympische Bronzemedaille einer der größten Erfolge, der je von einem Südkreis-Athleten gefeiert wurde. 1952 war sein Jahr, der Weltrekord, den sich Lueg mit den Schweden Gunder Hägg und Lennart Strand teilte, hatte fast zwei Jahre Bestand.

Kaum vorstellbar, dass dieser Ausnahmesportler gerade einmal fünf Jahre vor seinen größten Erfolgen zum ersten Mal die Laufschuhe geschnürt hatte. „Die Engländer hatten die Sportplätze besetzt”, erinnert sich Werner Lueg, „und nach dem Krieg konzentrierten sich alle erst einmal darauf, etwas zu essen zu bekommen.” Als 15-Jähriger lief er zum ersten Mal für den TuS Iserlohn. Und zählte wenige Monate später schon zur deutschen Spitze.

Ein Angebot der Firma Krefft lockte Werner Lueg nach Gevelsberg, wo er sich dem damaligen VSF Gevelsberg anschloss und den Namen der Stadt als Weltrekordler und Medaillengewinner in die internationalen Leichtathletik-Bücher eintrug. Später wechselte er zum Barmer TV und stieß zur Trainingsgruppe der damaligen Spitzenläufer Herbert Schade, Hans Emde und Friedel Stracke.

Indes: Die Glanzlichter aus dem Jahr 1952 blieben uner-reicht, auch wenn Werner Lueg in den Folgejahren drei weitere Male Deutscher Meister wurde. Sämtliche Angebote, auf andere Strecken zu wechseln - unter anderem von der damaligen Trainer-Legende Artur Lambert - hat Lueg abgelehnt. So endete die einzigartige Karriere nicht einmal zehn Jahre nach dem Start auf dem Iserlohner Sportplatz schon wieder.

Eine Entscheidung, die Werner Lueg heute immer noch für richtig hält: „Ich war beruflich zur Firma Vorwerk nach Barmen gewechselt.” Beruflicher Aufstieg und sportlicher Erfolg ließen sich nicht vereinbaren. „Mit der Lauferei alleine wurde es damals nichts”, sagt Lueg. Und von der Popularität eines Emil Zatopek war er damals weit entfernt.

Der Beruf führte die junge Familie 1968 nach Niedersachsen, wo Werner Lueg heute noch in Gehrden bei Hannover lebt. „Kontakt nach Gevelsberg gibt es nicht mehr”, bedauert er. Seine Frau, eine gebürtige Hagenerin, ist vor zwei Jahren verstorben, viele ehemalige Weggefährten ebenfalls. Werner Lueg hält sich mit Rad fahren fit, die Leichtathletik ist nur als Erinnerung geblieben.

Kokettieren möchte der ehemalige Star mit seinen Erfolgen heute aber nicht. Die Bronzemedaille glänzt nicht in einer Vitrine. „Sie liegt irgendwo im Schrank”, sagt Lueg bescheiden. Auch wenn in seiner Wohnung nichts von der gro-ßen Karriere zu sehen ist - im heimischen Leichtathletik-Kreis wird Werner Lueg noch lange ein Begriff sein. Im Jahr 2008 fehlten zu den immer noch aktuellen Kreisrekorden von Werner Lueg über 1 000 Meter zehn, über 1 500 Meter sogar fast 20 Sekunden.

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