Fußball

Von (fast) ganz unten in die Oberliga

Florian Schneider begräbt den Ball unter sich.

Florian Schneider begräbt den Ball unter sich.

Foto: Marinko Prša

Ennepetal.  Eigentlich wollte er seine Karriere schon beenden, doch ein Pokalspiel änderte alles. Florian Schneider wechselt von der Kreis-in die Oberliga.

Der Pokal genießt ja bei den meisten Fußballvereinen im Kreis keinen hohen Stellenwert. Die Spiele im einzigen Wettbewerb neben dem Ligabetrieb werden oft als lästig angesehen, nicht selten kommt es vor das Mannschaften aus mehreren Reserveteams zusammengestellt werden. Für Florian Schneidet und den Fußball-Oberligisten TuS Enneptal hat der Pokal in der vergangenen Saison für einen Berührungspunkt gesorgt, den es sonst unter Umständen nie gegeben hätte.

„Thomas Riedel hat mich vor zwei Wochen angerufen und gefragt, was ich mache und ob ich Bock hätte, nach Ennepetal zu wechseln“, eröffnet der 22-jährige Florian Schneider,. In der vergangenen Saison steht er für Vogelsang in der Kreisliga im Tor. „Ich habe gedacht, er meinte die zweite Mannschaft. Auf Kreisliga hatte ich keine Lust. Als er aber gesagt hat, er meint die Oberliga, hat er mein Interesse geweckt“, schildert der Schlussmann den ersten Kontakt zu Thomas Riedel. Eigentlich, so sagt er, wollte er mit dem Fußballspielen aufhören.

Thamm hat keine Bedenken

In der vergangenen Saison spielte Schneider für den FC Gevelsberg-Vogelsang in der Kreisliga A2 Fußball, mit dem er in die B-Liga abstieg. Der TuS spielt in der Oberliga. Zwischen beiden Mannschaften liegen im Moment vier Ligen, im ersten Augenblick und ohne den Hintergrund zu kennen, wirkt dieser Schritt sehr groß und ungewöhnlich. Im Pokal trafen die beiden Teams in der zweiten Liga aufeinander, Schneider bekam von den Ennepetalern gleich sieben Tore eingeschenkt. Und dennoch hinterließ er Eindruck.

Sein Trainer Alexander Thamm war nicht überrascht oder verwirrt, als Thomas Riedel ihm von jemanden aus der Kreisliga erzählt hat. Für ihn ist Schneider auch kein typischer Spieler aus der Kreisliga. „Ich war sehr angetan. Wir möchten den Fokus auch auf Spieler aus der Region legen.“ Und nach der ersten Trainingseinheit sagt er: „Ich hätte keine Bedenken, ihn auch in der Oberliga einzusetzen.“

Warum für seinen Trainer der neue Torwart kein typischer Kreisliga-Spieler ist, wird an seiner Laufbahn deutlich. Schneider spielte in seiner Jugend zunächst für die SpVg Radevormwald, die er als „Dorfverein“ beschreibt. Von dort ging es zum Wuppertaler SV. Die nächsten Stationen in seiner Jugend lauteten VfL Bochum, Wattenscheid und Köln. Von Köln wechselte er als noch Jugendspieler zurück nach Wuppertal und später nach Germania Ratingen. „Ich bin fußballerisch im Loch gelandet“, beschreibt Schneider, was nach Ratingen geschah.

Er hegt damals den Wunsch, in den USA zu studieren, sucht dort einen Verein, findet aber erst keinen. Später war er sich mit einer Universität in Los Angeles einig. Doch weil seine Mutter an Krebs erkrankte, zuschlug sich der Weg auf den anderen Kontinent. Er verlor die Lust am Fußall und landete in Vogelsang, wo er bis zu seinem Wechsel nach Ennepetal zwei Jahre verbrachte.

In Ennepetal ist Schneider sich über seine Rolle bewusst. Er sagt: „Mir ist klar, dass ich nicht die Nummer eins bin und dass Marvin spielt“, sagt er mit Blick auf die unangefochtene Nummer eins beim TuS, Marvin Weusthoff. Schneider führt aber aus, dass er denkt dass Ennepetal für ihn ein „Sprungbrett“ sein könnte. Er möchte dort anknüpfen, wo er vor zwei Jahren aufgehört hat.

Bessere Förderung

Der Schritt von der Kreisliga in die Oberliga klingt groß, das sagt er auch selbst. Aber er meint, dass er in seiner Jugend auf hohem Niveau Fußball gespielt hat und so der Schritt nicht die Dimensionen annehme, die er implementiert. Deswegen traut er es sich zu, diesen Schritt zu schaffen. Sein Beweggrund für das Engagement in Ennepetal ist auch die Möglichkeit, sich selbst weiterzuentwickeln. Beim TuS bekommt er einen Torwarttrainer, der ihn trainiert und verbessert. Das sieht Schneider als Chance an.

„Kreisliga ist nicht das, wofür ich meine Jugend geopfert habe“, schließt Schneider. Über seine neue Mannschaft sagt er, dass er es noch nie erlebt habe, dass eine Mannschaft soviel Spaß mit soviel Seriosität verbunden habe. Der Pokal war es, der ihm diese Möglichkeit nun gegeben hat. Vielleicht ein Ansporn für alle Kicker, den Wettbewerb doch ein wenig ernster zu nehmen.

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