Baseball

Sie macht den Männern das Leben schwer

Leonie Dzierson von den Ennepetal Raccoons ist die einzige Baseballspielerin in der Region.

Leonie Dzierson von den Ennepetal Raccoons ist die einzige Baseballspielerin in der Region.

Foto: Fabian Vogel

Ennepetal.  Alleine unter Männern: Leonie Dzierson ist die einzige Baseballspielerin weit und breit – und sorgte bei den männlichen Gegnern oft für Ärger.

Der Spielzug ist beendet, die Spieler gehen vom Feld in Richtung Dugout, der Ersatzbank beim Baseball. Leonie Dzierson nimmt die Kappe mit dem Waschbären der Ennepetal Raccoons darauf ab – wer es noch nicht gesehen hat, dem wird es spätestens jetzt bewusst: Dzierson ist eine Frau, die gemeinsam mit den Herren auf einem Feld steht. Eine echte Rarität, schließlich spielen Frauen eher Soft-als Baseball. Das Leonie Dzierson genau eben dies nicht tut und mit fast ausschließlich Männern auf dem Feld steht, passt dabei nicht jedem Gegenspieler.

Das Ego mancher Männer ist schon angekratzt, wenn Dzierson sie an der zweiten Base ausmacht oder ihre Würfe mit dem Schläger weit über den Platz befördert. „Manchmal werde ich im Vorfeld belächelt“, sagt sie. „Wenn sie aber gesehen haben, dass ich mithalten kann, kommen viele an und drücken ihren Respekt aus“, sagt die 22-Jährige. Für sie ist es kein Problem allein unter Männern zu sein, sie stört sich nicht daran dass sich manche Männer beleidigt fühlen, wenn sie von ihr in die Schranken gewiesen werden.

Die ganze Familie spielt Baseball

Einen entsprechenden Fall gab es bis jetzt erst einmal. „Zum Glück habe ich das damals nicht mitbekommen“, sagt die angehende Physiotherapeutin. Einer ihrer Gegenspieler kam nicht damit zurecht, von einer Frau besiegt worden zu sein – und beschimpfte die Spielerin der Ennepetal Raccoons. Eine Ausnahme, die seitdem nicht mehr vorkam.

Das sie mit dem Baseballspielen irgendwann anfangen wird, war in der Tat relativ schnell absehbar. Denn Leonie Dzierson ist in einer Familie groß geworden, in der es fast gar keinen anderen Weg als zum Baseball geben konnte. „Mein Vater und mein Onkel haben gespielt, meine Mutter und meine Tante auch“, sagt Dzierson. Ihr Onkel ist Achim Hilger, Erfolgstrainer der Raccoons. Kein Wunder also, dass Leonie Dzierson wie auch ihr Cousin beim Baseball landen.

Zwei Mal Fußball, zwei Mal Baseball

„Irgendwann bin ich aus Langeweile in den Ferien dann mal mitgegangen“, erinnert sie sich an ihre erste Trainingseinheit bei den Waschbären. Bis dahin war sie schon als Fußballerin beim FFC Ennepetal aktiv, auch heute tritt sie noch beim FC SW Silschede gegen den Ball. Vor ihrer Ausbildung zur Physiotherapeutin ging sie zwei Mal die Woche zum Fußballtraining und zwei Mal zum Baseball – jetzt, da sie kurz vor der Examensprüfung steht, ist das Programm etwas reduzierter.

Was nicht heißt, dass sie weniger sportlich unterwegs ist. Wobei die körperlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen ihr nicht verborgen geblieben sind, was auch manche Männer im direkten Duell mit ihr versuchen gewinnbringend einzusetzen.

„Ich versuche dass über Technik und eine hohe Konzentration auszugleichen“, sagt Leonie Dzierson. Was ihr auch immer wieder gelingt, wie ihr Onkel und Trainer Achim Hilger zu berichten weiß. „Sie ist extrem ehrgeizig und trainiert immer am Limit“, sagt er. Sie steckt nicht auf, Hilger hat an seiner Nichte eine große Freude. Dennoch darf sie nur bis zur Landesliga bei den Herren mitspielen, danach werden die Geschlechter getrennt und die Frauen spielen Softball.

Auch das hat Leonie Dzierson bereits ausprobiert, großen Gefallen hat sie in den reinen Frauenteams in Wuppertal, Siegen oder Hagen aber nicht gefunden. „Da fehlt einfach etwas. Ich war nach den Trainingseinheiten damals nicht kaputt“, erinnert sie sich an das kurze Intermezzo. Und so blieb sie der Reserve der Ennepetal Raccoons erhalten, mit der sie aktuell um den Aufstieg in die Landesliga kämpft. In dieser Saison ist das Team noch ungeschlagen, auch weil Dzierson ihren Job zuverlässig erledigt. Dass sie auch weiter bei den Männern mitmischt, stört sie nicht. Die Männer dagegen teilweise schon – für sie aber kein Grund die langen blonden Haare unter der Kappe zu verstecken.

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