Sporthallen

Leerstand ist Stillstand

So sieht es derzeit an der Halle West neben der ehemaligen Gustav-Heinemann-Schule in Schwelm aus. Die Sporthalle ist seit drei Jahren nicht mehr in Betrieb, gerade die Handballer der Roten Erde wünschen sich aber jetzt eine Rückkehr an ihre alte Spielstätte.

So sieht es derzeit an der Halle West neben der ehemaligen Gustav-Heinemann-Schule in Schwelm aus. Die Sporthalle ist seit drei Jahren nicht mehr in Betrieb, gerade die Handballer der Roten Erde wünschen sich aber jetzt eine Rückkehr an ihre alte Spielstätte.

Foto: Stefan Scherer

Schwelm.   Der Streit der Abteilungen von RE Schwelm um die Nutzung der Dreifeldhalle schwillt weiter. Eigentümer Ralf Stoffels pocht auf den Dialog.

Munter dribbeln die Kinder aufeinander los, es wird geworfen, gesprungen und gelacht – den jungen Teilnehmern des Handballcamps von RE Schwelm ist nicht anzumerken, dass ihnen der Sport in der Dreifeldhalle Ärger bereitet. Hinter den Kulissen aber rumort es derzeit kräftig, Handballer und Basketballer liegen im Clinch. Der Grund dafür ist die Nutzung von Haftmitteln beim Handball – es gehört zu dem Sport auf höherem Niveau einfach dazu. Die Handballer fühlen sich benachteiligt, die Basketballer pochen auf das Verbot, das von der Stadt ausgesprochen wurde. Einer, der beide Seiten verstehen kann und auf ein Gespräch drängt, ist der Eigentümer der Halle, Ralf Stoffels.

Der Präsident der Südwestfälischen Industrie-und Handelskammer sieht die Geschichte rund um die von ihm finanzierte und an die Stadt Schwelm verpachtete Halle recht pragmatisch, auch wenn die Leidenschaft für dieses Projekt und dessen Gelingen herauszuhören ist. „Für mich ist das alles überdramatisiert worden. Wenn es darum geht, nur Druck aufzubauen, ist das keine gute Ausgangsposition“, sagt Stoffels über den Rücktritt des gesamten Abteilungsvorstand der Schwelmer Handballer.

Haftmittel bleibt das Problem

Stoffels tut etwas für seine Stadt, die neue Sporthalle die erst seit drei Jahren in Betrieb ist und in letzter Zeit für einigen Unmut sorgte, ist sein Kind. „Das ist keine Halle nur für Basketball, das ist eine Halle für den Schwelmer Sport“, sagt der Unternehmer. Damals, als es darum ging eine neue Sporthalle zu verwirklichen, gab es einige Anforderungen seitens der Stadtverwaltung, eine davon war unter anderem, dass die Sporthalle auch für den Anforderungen der ProA entspricht. Und das ist eben eine Basketball-Liga.

So wurde die Halle entsprechend dieser Vorgaben konzipiert, was angesichts der Klassenzugehörigkeit und des Zuschauerzuspruchs auch durchaus sinnvoll war. Kaum auszudenken, was passiert wäre, wenn die EN Baskets Schwelm den Sprung in die ProA in den vergangenen zwei Jahren geschafft hätten, die neue Halle aber dann nicht den Anforderungen gerecht geworden wäre. Der Aufschrei wäre mit Sicherheit groß gewesen.

Den Vorwurf, dass der Parkettboden der Halle an der Milsper Straße nicht für Handball geeignet ist, sieht Ralf Stoffels als haltlos. „Er ist für jeden Sport geeignet. Er ist aber nicht für den Gebrauch von Haftmitteln geeignet“, sagt er. Und damit spricht er genau das eigentliche Kernproblem an. Denn die Handballer brauchen ihr Harz, um auch in der kommenden Verbandsliga-Saison weiterhin attraktiv für starke Spieler zu sein. Etwaige Konzepte von der Abteilung seien kaum eingegangen oder waren laut Stoffels sehr teuer.

Ein Weg war die Nutzung eines speziellen Haftmittels aus der Schweiz, das in Verbund mit einer entsprechenden Reinigungsmaschine keine Rückstände auf dem Boden hinterlässt. Doch beides ist sehr teuer und war spätestens mit dem Rückzug von Lars Günther aus der Handball-Abteilung kein Thema mehr. Seitdem wird in der Sporthalle bei Spielen der Roten Erde geharzt – wobei die Spieler auch noch Stunden nach Ende der Partien auf dem Parkett stehen und dieses reinigen.

Stoffels mit Handballern im Dialog

Beklagt werden aber auch Verunreinigungen im Innenraum oder an den Tribünen der Sporthalle. Und auch die ProB, die Liga in der die EN Baskets aktiv sind, hat sich bereits über klebende Rückstände auf dem Spielfeld der Basketballer beschwert. Ein entsprechendes Schreiben ging von der Liga ein – bei Nichtberücksichtigung wurden dort sogar Maßnahmen wie der Entzug der Spiellizenz angedroht.

Für Ralf Stoffels gibt es nur eine Lösung – eine die im Interesse aller Schwelmer Sportler wäre, wie er sagt. „Ich habe vor kurzem noch mit den Handballern telefoniert, sie halten eine Rückkehr in die Halle West für die beste Lösung“, sagt er. Seit drei Jahren steht diese nun leer, eine Wiederinbetriebnahme ist laut dem Unternehmer mit guten Draht zu Politik kein allzu großer Aufwand. „Es geht vor allem um die Kosten für die Heizung und die Hausmeister“, vermutet Stoffels.

Gemeinsames Auftreten erwünscht

Eine Rückkehr in die altehrwürdige Halle an der Holthausstraße wäre wohl in der Tat die beste Lösung – vor allem bei Berücksichtigung der fehlenden Hallenzeiten für die Sportvereine und die Schulen. Um diese zu realisieren gilt es für Stoffels, vor allem gemeinsam als Schwelmer Sport aufzutreten und sich nicht untereinander auf die Füße zu treten. Zudem müssten Kompromisse gemacht und Konzepte erstellt werden, die der Stadtverwaltung signalisieren, dass die verschiedenen Abteilungen von RE und die anderen Vereine auch bereit seien, Kosten und Mühen dafür auf sich zu nehmen, sagt der Unternehmer. „Es sollte auch im Interesse der Stadt sein, diese Aushängeschilder für die Stadt Schwelm aufrecht zu erhalten“, so Ralf Stoffels. Doch das gehe nur, „wenn sich alle Vereine gemeinsam mit der Politik an einen Tisch setzen würden.“

>>> KOMMENTAR

Eigentlich wäre die Lösung in Schwelm relativ einfach. Alle Beteiligten müssten sich an einen Tisch setzen und Tacheles reden. Keine geschönten Wahrheiten, nur Fakten und Wünsche müssten mitgeteilt und eine Lösung gesucht werden. Eine, die allen Beteiligten gerecht wird – Handballern, Basketballern und auch den Schulen.

Es ist und bleibt unverständlich, warum sich die Parteien bisher für ein Gespräch nicht zusammenfinden konnten. Denn damit führen sie die verbindende Wirkung des Sports ad absurdum. Statt gemeinsam für eine Wiederinbetriebnahme der Halle West aufzutreten, werden Vorwürfe und Politik für die eigene Abteilung gemacht. Was angesichts der Zugehörigkeit zu ein und demselben Verein noch absurder wirkt. Kriegen die Verantwortlichen diese Grabenkämpfe in den Griff und treten gemeinsam vor der Stadtverwaltung als Schwelmer Sport auf, könnte etwas bewegt werden – mehr als durch ein Hashtag in den sozialen Medien.

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