Frauen-Pokalfinale

Gevelsberger Supertalent Oberdorf auf der Überholspur

Sie gibt schon die Richtung vor: Die 18-jährige Gevelsbergerin Lena Oberdorf.

Sie gibt schon die Richtung vor: Die 18-jährige Gevelsbergerin Lena Oberdorf.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Essen/Gevelsberg.  Vor dem Frauen-Pokalfinale drehen sich die Schlagzeilen fast nur um eine Spielerin: Das 18-jährige Supertalent Lena Oberdorf aus Gevelsberg.

„Supertalent“, „Juwel“, „das große Versprechen“ - Lena Oberdorf kann mit dem Hype um ihre Person wenig anfangen. „Ich gehe selten ins Internet und schaue mir Artikel über mich an“, sagte die Jung-Nationalspielerin dem SID: „Ich achte auf das, was auf dem Fußball-Platz passiert. Alles andere ist Bonus, da lege ich nicht so viel Wert drauf.“

Mit dieser gesunden Bodenhaftung geht die 18-Jährige von der SGS Essen auch das DFB-Pokalfinale am Samstag (16.45 Uhr/ARD) an, dabei geht es ausgerechnet gegen ihren zukünftigen Klub: den Serienmeister und -pokalsieger VfL Wolfsburg. „Es ist natürlich auch ein komisches Gefühl, jetzt nochmal gegen den neuen Verein zu spielen“, gibt Oberdorf zu: „Aber mein Herz schlägt im Moment noch ganz klar für die SGS.

Erst Prinz-Rekord, dann Abwehrchefin?

“Eine hohe fünfstellige Ablösesumme - im Frauenfußball noch immer nicht alltäglich - zahlt der VfL dem Vernehmen nach für die Allrounderin, die als Innenverteidigerin und im zentralen Mittelfeld einsetzbar ist. Dass sie das Endspiel in Köln noch für ihren bisherigen Verein spielen darf, wurde bei der Vertragsgestaltung extra berücksichtigt.

Sonst aber hat es die Überfliegerin extrem eilig. Im DFB-Team löste Oberdorf im vergangenen Sommer im Alter von 17 Jahren und 171 Tagen eine gewisse Birgit Prinz als jüngste deutsche WM-Spielerin der Geschichte ab, zwischendurch schrieb sie Klausuren im Teamhotel. Bis zur EM 2022 in England möchte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg „Obi“ zur Abwehrchefin aufbauen.

Sogar Angebote aus dem Ausland

Bis 2018 spielte die Gevelsbergerin, deren Bruder Tim (23) bei Fortuna Düsseldorf II kickt, noch bei der TSG Sprockhövel bei den Jungs. Nach zwei Bundesliga-Jahren in Essen fühlt sie sich nun reif für den Auszug aus dem Elternhaus, für die Herausforderung Wolfsburg, um Titel zu sammeln und in der Champions League zu spielen.

„Lena hat eine enorme Präsenz in den Zweikämpfen, ist körperlich sehr robust und kann ein sehr hohes Tempo gehen“, sagte VfL-Trainer Stephan Lerch über seine Neuverpflichtung. Er lässt auch durchblicken, wie heiß begehrt der Teenager ein Jahr vor Vertragsende in Essen war. „Sie war nicht nur national auf einigen Zetteln zu finden, sondern auch international.“

Die Coolness, die Oberdorf ausstrahlt, ist auch der besten Bundesliga-Stürmerin nicht verborgen geblieben. „Sie ist sehr talentiert, gut am Ball, eine clevere Spielerin. Mit der richtigen Mentalität hat sie eine große Zukunft vor sich“, schwärmt die dänische Torschützenkönigin Pernille Harder über ihre zukünftige Teamkollegin.

Abi-Schnitt von 2,5 „ist in Ordnung“

Doch die will dem VfL nun erst einmal die erhoffte Double-Party verderben. Was Feierlichkeiten angeht, hat Oberdorf ohnehin Nachholbedarf: Den improvisierten Abi-Ball und die Zeugnisvergabe am Gymnasium Gevelsberg verpasste sie im Juni, ein Auswärtsspiel beim SC Freiburg ging vor.

Das Abitur hat die Überfliegerin zwischen Coronakrise und Bundesliga-Restart nämlich auch noch ganz nebenbei gemacht. Das Ergebnis verrät Oberdorf („Ich bin eher die Stress-Lernerin“) ganz lässig, aber mit breitem Grinsen: „Ich habe einen Schnitt von 2,5. Ist in Ordnung, finde ich. Kann man mit leben.“ Das Zeugnis soll per Post folgen. Auch eine Senkrechtstarterin muss sich eben manchmal gedulden.

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