Serie. Bye, bye Spax-Cup

Erst gespielt, dann organisiert

Mit zu den großen Momenten zählt, wenn der Pokal vom Titelverteidiger abgeholt wird. Hier vor zwei Jahren beim Nachwuchs des FC Schalke 04 mit (v.l.) Michael Klein, Dirk Hiby, Thorsten Kornemann, Michael Peiniger, Oliver Ruhnert (Nachwuchs-Koordinator auf Schalke), Rainer Falkenroth und Marc Schulte.

Mit zu den großen Momenten zählt, wenn der Pokal vom Titelverteidiger abgeholt wird. Hier vor zwei Jahren beim Nachwuchs des FC Schalke 04 mit (v.l.) Michael Klein, Dirk Hiby, Thorsten Kornemann, Michael Peiniger, Oliver Ruhnert (Nachwuchs-Koordinator auf Schalke), Rainer Falkenroth und Marc Schulte.

Foto: Verein

Ennepetal.   Fast zwei Jahrzehnte war Thorsten Kornemann der Sportliche Leiter des Turniers. Angefangen hat er als Spieler – u.a. gegen Stefan Effenberg.

Nach knapp zwei Jahrzehnten hat er sich zurück gezogen. Nach zwei Jahrzehnten, in denen Thorsten Kornemann zusammen mit Stephan Kirsch das Pfingstturnier entscheidend geprägt und organisiert hat. Eine Zeitspanne, in der die Fußballer der A-Junioren sich immer professioneller aufgestellt haben. In der es immer schwieriger wurde, ein attraktives Teilnehmerfeld für den Kampf um das Spax-Turnier auf die Beine zu stellen. Kornemann sah darin eine gewisse Entwicklung, doch „das schnelle Aus in diesem Jahr hat mich völlig überrascht, damit habe ich nicht gerechnet“, sagt der einstige Sportliche Leiter des internationalen Turniers im Bremenstadion.

Mit erstem Anpfiff ist Arbeit getan

Keine Frage, dass er mit ein wenig Wehmut das kommende, das letzte Turnier dieser Art besuchen wird. „Ich kann allerdings nicht beurteilen, warum und wieso diese Entwicklung so gekommen ist“, sagt Kornemann. Und er betont: „Das hat mit Sicherheit nichts mit den neuen Turnierleitern Alexander Ischebeck und Philipp Rath zu tun. Beide leisten exzellente Arbeit.“

Als der erste Anpfiff des ersten Spieles der Turniere zwischen 1999 und 2017 ertönte, hatte Korne­mann zusammen mit Stephan Kirsch (Kornemann: „Wir haben eine ausgesprochen angenehme Zusammenarbeit gehabt, wir haben uns prima ergänzt.“) die meiste Arbeit getan. Jetzt konnte kaum noch etwas passieren. Vor allem die letzten Wochen vor dem ersten Turniertag wurden stressig.

Zum einen wollten die Hoteliers wissen, wie viele Leute mit welcher Mannschaft für welche Zimmer kommen. Welche Essen gewünscht werden. Ob es Extra-Wünsche gab. Diese Informationen sollten so früh wie möglich, möglichst Wochen vorher kommen. „Das hat natürlich nie wirklich hingehauen“, sagt Thorsten Kornemann mit einem Lachen. „Die Mannschaften hatten zehn Wochen vor dem Turnier andere Sachen im Kopf.“ Und dennoch: Irgendwie hat es immer geklappt. Die Einzel- und Doppelzimmer wurden belegt, Essenswünsche erfüllt. Und sogar das berühmt-berüchtigte Eisbecken zur Regeneration der Muskeln konnten die vielen Helferinnen und Helfer organisieren. Überhaupt hält Thorsten Korne­mann große Stücke auf das große Helferteam. „Da hat ein Rad ins andere gegriffen. Jeder wusste meist, was zu tun ist“, erinnert sich Korne­mann. „Und keiner wurde ins kalte Wasser geworfen. Jeder hatte immer irgendwie einen erfahrenen Betreuer zur Hand, der in die Aufgaben einweisen konnte.“

Doch ganz so zum Zurücklehnen waren die Turniertage nicht – weder für Thorsten Kornemann noch für Stephan Krisch. Denn es ging auch darum, die Kontakte zu pflegen, neue hinzu zu gewinnen. „Mit dem Finaltag gab es die ersten Absprachen, um die Spitzen-Mannschaften auch fürs kommende Turnier zu gewinnen“, so Korne­mann. Also gab es nur bedingt die Möglichkeit, das Geschehen auf dem Rasen im Bremenstadion zu verfolgen.

Aber genügend Zeit, um auch die Rosinen des Nachwuchs-Fußballs zu verfolgen, zu genießen. Und da hat Thorsten Kornemann einen ganz klaren Favoriten: „Der FC Porto hat mir in meiner Zeit als Spotlicher Leiter ganz eindeutig am besten gefallen“, sagt der Ennepetaler spontan. Er meint die portugiesische Mannschaft, die in 2001 das Turnier beherrschte und völlig verdient den Turniersieg davon trug – den Titel ein Jahr später nicht verteidigte, sondern in 2002 Dritter hinter Borussia Dortmund und Hertha BSC Berlin sowie vor dem Hamburger SV wurde.

Aber auch einzelne Spieler bleiben Thorsten Kornemann in guter Erinnerung. Genau genommen: ein Spieler. Nicht als Sportlicher Leiter. Vielmehr als Spieler, der selbst für die gastgebenden A-Junioren aufs Feld auflief. Zunächst als Jungjahrgang im Jahre 1987, als er als Einwechselspieler zum Zuge kam. Dann als Stammspieler beim Turnier in 1988. Beide Male war Werner Boldt, der keines der Turniere in welcher Form auch immer, verpasst hat, sein Trainer.

Schalke sagt einmal kurzfristig ab

Insbesondere der Wettstreit in 1987 bleibt in bester Erinnerungen haften. Als der TuS Ennepetal gegen den VfL Borussia Mönchengladbach spielte, zog ein gewisser Stefan Effenberg im Mittelfeld der Nachwuchs-Fohlen die Fäden. damals schon war zu erkennen, dass dieser Mittelfeldspieler das Zeug für einen Führungsspieler hat. „Drei, vier Spieler waren stets um ihn herum. Das hat ihn nicht gestört. Er hat immer wieder die Bälle gefordert, sie bekommen und verteilt. Ein echter Führungsspieler“, so Thorsten Kornemann. Allein: Es hat für Mönchengladbach nicht zum Turniersieg gereicht. Das Finale entscheid seinerzeit Bohemians Prag für sich.

Probleme, dass Mannschaften kurzfristig absagten oder erst kurzfristig zusagen wollten, das gab es kaum. Wenngleich sich die Organisatoren immer mal den Meisterschaften im deutschen Nachwuchs-Fußball unterordnen mussten. Sei es in der entscheidende Phase um den DFB-Pokal oder um die nationale Meisterschaft. „Es gab immer mal die Situation, dass Mannschaften nur unter der Bedingung zusagten, dass sie nicht eines der Halbfinals um deutsche Titel erreichten“, so Kornemann. So musste einmal der Rekordsieger FC Schalke 04 absagen. „Das hat Trainer Norbert Elgert besonders bedauert. Er galt als ein besonderer Freund unseres Turniers“, meint Kornemann. Doch das Team der Knappenschmiede musste in 2014 den Kampf um die deutsche Meisterschaft vorziehen. Dank der guten Kontakte sprang seinerzeit Eintracht Braunschweig kurzfristig ein. Schalke zog übrigens im Halbfinale gegen Hoffenheim mit 0:0 und 0:1 den Kürzeren.

Das waren schon erste Anzeichen dafür, dass es immer schwieriger würde, hochkarätige Nachwuchs-Mannschaften nach Ennepetal zu locken. „Vor Jahrzehnten sind alle gerne gekommen, haben das Turnier als Höhepunkt gesehen“, so Kornemann. „Mittlerweile ist die Anforderung stetig gestiegen. Wie durch die Youth League. Da genießt unser Turnier nicht mehr die höchste Priorität.“

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