Fußball

„Das Gastspiel in Silschede war nicht einfach für mich“

Einer der Erfolge für Jürgen Lappe als Trainer (rechts): Im April 1978 schaffte die C-Jugend des FC Silschede souverän mit zwölf Punkten Vorsprung und 135:8 Toren unbesiegt den Aufstieg in die 1. Kreisklasse. Die Mannschaft (v.l.) Bernd Wielga, Thomas Schweser, Ralf Benkert, Udo Rosworra, Thorsten Vogel, Jürgen Sauer, Dirk Heiermann, Dirk Onasch, Martin Höhle, Stefan Söhngen, Stefan Wesener, Hartmut Bechhaus, Trainer Heinz-Jürgen Lappe; vorn: Jörg Hecker.

Einer der Erfolge für Jürgen Lappe als Trainer (rechts): Im April 1978 schaffte die C-Jugend des FC Silschede souverän mit zwölf Punkten Vorsprung und 135:8 Toren unbesiegt den Aufstieg in die 1. Kreisklasse. Die Mannschaft (v.l.) Bernd Wielga, Thomas Schweser, Ralf Benkert, Udo Rosworra, Thorsten Vogel, Jürgen Sauer, Dirk Heiermann, Dirk Onasch, Martin Höhle, Stefan Söhngen, Stefan Wesener, Hartmut Bechhaus, Trainer Heinz-Jürgen Lappe; vorn: Jörg Hecker.

Foto: Archiv / Peter Görtzen

Gevelsberg/Wetter.  Fußball ist sein Leben. Jürgen Lappe ist seit knapp fünf Jahrzehnten im Geschäft. Wir sprachen mit ihm über das „Geschäft Fußball“.

Jürgen Lappe kann auf ein bewegtes Fußballer-Leben zurück schauen. Der aktuelle Trainer des B-Ligisten TuS Esborn II spielte in frühester Kindheit bereits bei seinem heutigen Verein, wechselte später dann zum FC SW Silschede. Ab 1976 übernahm Lappe als Seniorenspieler schon diverse Jugendmannschaften bei den Schwarz-Weißen, später folgten Trainer-Tätigkeiten in verschiedenen Seniorenteams im Umkreis. Im Interview erklärt der 66-Jährige, was für ihn die Leidenschaft zum Fußball ausmacht, welche Probleme er im heutigen „Geschäft Fußball“ sieht und welche Ziele er noch verfolgt.

Herr Lappe, hinter Ihnen liegen mittlerweile 49 Jahre Fußballleben. Was macht für Sie die Leidenschaft zum Fußball aus?

Da muss ich weit ausholen. Wer mich kennt, wird wissen, dass ich nie der Kräftigste war. Ich war immer sehr klein und schmächtig. Zu meiner aktiven Zeit als Fußballer habe ich immer nur um die 55 bis 60 Kilogramm gewogen. Für mich war es daher immer ein Ansporn, mich gegen körperlich robustere, größere und massigere Gegenspieler durchzusetzen. Das war in jedem Spiel mein Ziel, das ich mir selbst gesteckt habe, und meistens hat das auch gut geklappt.

Und wie kam es zur Leidenschaft zur Trainertätigkeit?

Das ging schon sehr früh los bei mir. Schon als Seniorenspieler mit Anfang 20 habe ich Jugendmannschaften von Silschede trainiert. Meine Begeisterung für den Trainerjob rührte immer daher, jungen Spielern etwas beizubringen und sie zu fördern. Ich begreife meine Tätigkeit als Trainer aber nicht nur als den Typen, der an der Seitenlinie steht und lauthals Kommandos gibt. Für mich ist das Trainer-Sein viel mehr. Die Spieler, die ich in meiner Laufbahn trainiert habe, wissen das auch ganz genau. Ich hatte und habe auch aktuell noch immer ein offenes Ohr für die Spieler und ihre privaten Angelegenheiten. Mich kann man nachts aus dem Bett klingeln, wenn man Probleme hat. Ob mit der Freundin, der Ehefrau oder der Familie, ich habe immer einen Ratschlag für meine Spieler. Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Trainer auch neben dem Platz für seine Spieler da sein muss. Vor allem im Amateurbereich ist das Menschliche und das Binnenverhältnis zwischen Mannschaft und Trainer extrem wichtig, um Erfolg zu haben.

Am vergangenen Wochenende haben Sie mit Ihrer aktuellen Mannschaft, dem TuS Esborn II, gegen die Zweitvertretung des FC SW Silschede mit 8:5 gewonnen. Für Sie also eine Rückkehr zur alten Wirkungsstätte. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in die Nachbetrachtung des Spiels?

Das war natürlich nicht einfach für mich. Die zweite Silscheder Mannschaft habe ich als Trainer mit aufgebaut. Ich kenne da jeden Spieler und pflege mit den Jungs immer noch einen guten Kontakt. Es war schön, mal wieder die Leute und das Vereinsgelände zu sehen, aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass sich der Verein verändert hat. Das Familiäre, was Silschede in meiner Zeit noch ausgezeichnet hat, ist heute nicht mehr so greifbar wie vor ein paar Jahren noch. Gegen meine alte Mannschaft zu spielen, tat natürlich weh. Für uns war es ein wichtiges Spiel, denn wir brauchten die Punkte unbedingt und das ist uns als TuS Esborn auch gelungen. Man muss dazu auch sagen, dass Esborn mein Heimatverein ist und mein Herz natürlich an diesem Verein hängt. Trotzdem war es ein komisches Gefühl, gegen meine ehemalige Mannschaft zu spielen, mit der ich etwas aufgebaut habe.

Was würden Sie eigentlich ohne den Fußball machen?

Das ist für mich überhaupt nicht vorstellbar. Wenn ich nur daran denke, dass ich an den Trainingstagen nicht zum Sportplatz könnte, werde ich rappelig. Das Schlimmste sind für mich die Winter- und Sommerpausen. Meine Frau hat sich schon daran gewöhnt, dass ich auch in dieser Zeit dann Trainingspläne vorbereite, Einzelgespräche mit Spielern führe oder versuche, neue Spieler für meinen Verein zu gewinnen. Klar, die Familie kommt für mich immer an erster Stelle, aber dann kommt sofort der Fußball.

Kommen wir zur aktuellen Gesamtentwicklung: Wie betrachten Sie den sogenannten modernen Fußball?

Für mich geht der aktuelle Profifußball total den Bach runter. Wenn ich sehe, dass die jungen Spieler in den Akademien feste Spielzüge einstudieren sollen, an die sie sich in den Spielen zu halten haben, wundert mich auch die Entwicklung der Nationalmannschaft nicht mehr. Man muss sich bei den heutigen Trainingsprinzipien und Anweisungen nicht wundern, dass es keine richtigen Instinktfußballer mehr gibt. Alles ist vorgegeben und läuft nach festen Maßstäben ab. Das gefällt mir überhaupt nicht.

Sie arbeiten auch heute noch mit jüngeren Spielern zusammen. Bei Esborn II integrieren Sie gerade etliche A-Jugendliche im Seniorenbereich. Mit welchen Problemen hat man da zu kämpfen?

Manche Jugendspieler denken, sie wären bei den Senioren sofort der große Star. Das muss man den Jungs frühzeitig austreiben, so etwas gibt es bei mir nicht. Als junger Spieler muss man sich erst einmal an die härtere Gangart im Seniorenbereich gewöhnen, das ist ganz klar. Und das dauert seine Zeit. Meine Aufgabe als Trainer ist es da, erstmal festzustellen, ob der Jugendspieler überhaupt bereit dazu ist, sich etwas von meiner Hilfe anzunehmen. Wenn er das ist, muss ich dem Spieler weiterhelfen und ihm die nötigen Ratschläge geben, um ihn in den Senioren zu etablieren. Da heißt es: Erklären, erklären, erklären. In Esborn klappt das mit unseren Jugendspielern momentan sehr gut, darauf können wir aufbauen.

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