Kartfahren

Corona: Für Gevelsbergerin platzt Traum einer Karriere

Eine nachdenkliche Gina Schnittke. Das vielversprechende Kart-Talent aus Gevelsberg hat derzeit keine Möglichkeit, ihr Hobby auszuüben.

Eine nachdenkliche Gina Schnittke. Das vielversprechende Kart-Talent aus Gevelsberg hat derzeit keine Möglichkeit, ihr Hobby auszuüben.

Foto: Privat / WP

Gevelsberg.  Vor einem Jahr bestritt Gina Schnittke ihr letztes Kartrennen. So ist es ihr seitdem ergangen.

Vor ziemlich genau einem Jahr hatte Gina Schnittke eine weitere Sprosse ihrer Karriereleiter erklommen – mit dem 13. Platz am Finaltag der Kart-Weltmeisterschaft im italienischen Lonato. Damit befand sich die Gevelsbergerin nach ihrer gerade einmal zwei Jahre jungen Karriere an der Spitze des Kartsports. Doch bei allem Jubel und Ambitionen: Es war bis heute ihr letztes Rennen.

Misslungene Suche nach Sponsoren

Nach der WM gelang es Gina Schnittke nicht, einen Sponsor für die neue Saison zu finden, ohne den es im teuren Kartsport nahezu unmöglich ist, an den Start zu gehen. Schon im Jahr vor der WM verbrachte sie ihre Sommerferien damit, 150 Firmen persönlich um Unterstützung zu bitten und erhielt von allen eine Absage. Ohne einen privaten Sponsor aus der Schweiz wäre ihre damalige WM-Teilnahme nicht möglich gewesen. So stand im Frühjahr fest, dass sie in dieser Saison nicht ins Kart steigen wird. „Nachdem mir klar war, dass ich nicht mehr fahren kann, war ich sehr sehr traurig. Ich musste das erstmal verarbeiten, weil es ein Traum von mir war“, so Schnittke.

Ihr Traum war geplatzt. Schnittke erklärt, sie sei deprimiert gewesen und in ein emotionales Loch gefallen. Es tat weh, nicht mehr das machen zu können, was sie liebt. Darunter litt auch ihr Training abseits des Kartsports. „Leider habe ich nicht mehr so viel trainiert“, so Schnittke. Hinzu kam, dass Fitnessstudios aufgrund von Corona lange Zeit geschlossen waren, so dass ein fester Trainingsrhythmus nicht möglich war. Ins Kart stieg sie nicht mehr, nachdem die Entscheidung über ihre vorübergehende sportliche Zukunft gefallen war. „Es ist viel Geld was man unnötig ausgibt, wenn man weiß, dass man nicht mehr weiterfahren kann“, erklärt Schnittke.

Für die 17-Jährige Gevelsbergerin rückte der Alltag abseits des Kartfahrens in den Mittelpunkt und so konnte sie sich intensiver auf die Schule konzentrieren. In der Schule verliert sie jedoch schnell die Konzentration. Dies war, während sie parallel Kart gefahren ist, nicht der Fall. „Ich habe auch nebenbei mal überlegt, was ich sonst machen könnte. Aber ich habe nichts gefunden, wo ich weiß, dass ich den Kopf frei bekomme und diesen Tunnel-Effekt kriege“, beschreibt es Schnittke, der das Kartfahren als Ausgleich fehlt. Trotzdem läuft es in der Schule gut für sie. Außerdem hat sie im September ihren Führerschein gemacht und ist froh, in ihrem Auto fahren zu können: „Das ist schonmal was, wo ich wieder ein bisschen das Lenkrad umfassen kann. Aber es ist nicht dieses Rennen fahren mit Helm, Visier runter und im Tunnel sein“. Für sie ist es das schlimmste, dies nicht mehr zu haben. Leider ist es Schnittke während Corona auch nicht möglich, Rennen ihres alten Teams zu besuchen.

Wenn, dann zurück ins Valier-Team

Wie geht es für Gina Schnittke jetzt weiter? Sie hat überlegt, sobald sich die Lage um Corona beruhigt, das ihr aktuell noch einen Strich durch die Rechnung macht, wieder auf Sponsorensuche zu gehen. Die meisten Firmen haben jedoch Probleme, sich selbst über Wasser zu halten. Umso mehr hat es sie erleichtert, zu Beginn des Jahres keinen Sponsor gefunden zu haben, der Laufe der Saison seine Meinung hätte ändern können. Möglicherweise besteht die Chance, dass sie im nächsten Jahr erneut einen Versuch starten kann. „Ich bin aber leider nicht mehr so sehr davon überzeugt, dass ich je wieder fahren werde, weil es ziemlich schwer ist, wieder einen Sponsor zu bekommen, vor allem nach einem Jahr Pause“, so Schnittke. Ihr Kart wird sie zunächst auch abgeben müssen. Ohne einen Sponsor kann sie nicht planen, lediglich hoffen. Falls sie doch einen Sponsor für die nächste Saison findet, würde sie im ADAC Kart Masters X30 Senior antreten, für ihr altes Team Valier Motorsport. „Ich würde niemals in ein anderes Team gehen“, sagt Schnittke.

„Es war eine geile Zeit, wenn ich auf die zweieinhalb Jahre zurückblicke. Ich bereue nicht, das Hobby in Angriff genommen zu haben. Ich bin zweieinhalb Jahre gefahren und hab´s beendet mit einem 13. Platz bei der Weltmeisterschaft“, so Schnittke stolz. Sie will um jeden Preis weiter Kartfahren. Jetzt kann sie nur noch abwarten und hoffen, dass sich jemand findet, der sie unterstützen will. Sie würde gerne ihren Traum erfüllen, später einmal professionell im Rennwagen zu sitzen und würde ohne mit der Wimper zu zucken, ins volle Trainingsprogramm einsteigen.

Ein Plan, der allerdings schon feststeht, ist es, Rennen ihres alten Teams zu besuchen, sobald dies wieder möglich ist und zu helfen, wo sie kann. Sie spielt mit dem Gedanken, mit 18 Jahren eine Art Ausbildung zur Mechanikerin dort zu machen, um den Kartsport trotzdem in ihrem Leben zu behalten. Denn sie noch nicht bereit, diesen für immer loszulassen.

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