Historie

Mit der Seele des Duisburger Spielvereins

So feierte der DSC 1900 im Jahr 1950 sein 50-jähriges Bestehen. Am 21. Juli 1900 wurde der Spiel- und Sportverein Germania Duisburg gegründet, der 1924 mit dem FC Vorwärts Duisburg zum Duisburger SC 1900 fusionierte.

So feierte der DSC 1900 im Jahr 1950 sein 50-jähriges Bestehen. Am 21. Juli 1900 wurde der Spiel- und Sportverein Germania Duisburg gegründet, der 1924 mit dem FC Vorwärts Duisburg zum Duisburger SC 1900 fusionierte.

Foto: Duisburger SV 1900

Duisburg.  Vor 50 Jahren wurde aus dem Duisburger Sportclub 1900 der Duisburger Spielverein 1900. Urgestein Franz Hering erinnert sich.

An diesem Sonntag, sprich am 21. Juli, darf an der Düsseldorfer Straße gefeiert werden. Der Gründungstag des Duisburger SV 1900 steht an. Wie der Vereinsname schon verrät: Es ist kein rundes Jubiläum. Dennoch ist dieses Jahr golden für die Wanheimerorter – und auch das hat etwas mit dem Vereinsnamen zu tun. „Ich denke der Geist, also der fußballerische Geist des alten Spielvereins, lebt im DSV 1900 weiter“, sagt Franz Hering, lange Jahre Vorsitzender des Stadtsportbundes und ein Ur-1900er. „Zumindest zu einem großen Teil.“ Hering war bereits vor 50 Jahren Mitglied des Vereinsvorstandes, als aus dem Duisburger Sportclub 1900 der Duisburger Spielverein 1900 wurde. Keine Fusion, „nur“ eine Umbenennung. Aber eine mit Gewicht.

Der Duisburger Spielverein ist bedeutend in der Fußballgeschichte der Stadt. Lange, bevor der Meidericher Spielverein überregional in Erscheinung trat, wurde der alte DSV zwischen 1904 und 1927 zehnmal westdeutscher Meister. Und 1913 stand nur der VfB Leipzig im Endspiel dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft entgegen. Der Name verschwand aber am 1. Juli 1964 von der Landkarte – als der Spielverein mit dem TuS Duisburg 48/99 fusionierte und zu Eintracht Duisburg wurde. Und obwohl der alte Spielverein sein Gründungsjahr nicht im Namen trug, wird es kurios: Die Fußballer der Duisburger Turngemeinde für Erwachsene 1848 gründeten am 22. März 1900 den nun eigenständigen Duisburger Spielverein.

Der heutige DSV 1900 entstand vier Monate später: Am 21. Juli 1900 wurde der Spiel- und Sportverein Germania Duisburg aus der Taufe gehoben, der am 2. August 1924 mit dem FC Vorwärts Duisburg zum Duisburger Sportclub 1900 fusionierte. „Es gab viele Spieler, die vom DSC 1900 zum Spielverein gegangen sind und umgekehrt“, berichtet Hering. „Talentierte Jungs vom DSC landeten über kurz oder lang beim DSV.“

Einer von ihnen wurde zu einem Sporthelden: Denn Toni Turek spielte ursprünglich für den DSC 1900, ehe er sich dem TuS 48/99 anschloss und über Frankfurt und Ulm bei Fortuna Düsseldorf landete – und schließlich als Torhüter der Weltmeistermannschaft von 1954 in die deutsche Fußballgeschichte einzog. „Das wissen viele gar nicht, dass Turek beim DSC angefangen hat“, erklärt Hering.

Die Beziehung zwischen dem alten Spielverein und dem DSC 1900 war gutnachbarschaftlich. Dennoch hatten die 1900er ihre eigenen Traditionen und Vereinsikonen. Eine davon ist „Köbes“ Matthias, der an sich Jakob hieß. Wenn Hering vom damaligen Gastronomen berichtet, passiert zweierlei: Seine Augen leuchten – und er sagt immer nur „Köbes“. Und Köbes Matthias hatte einfach ein Herz für Kinder. „Er hat immer etwas für den Nachwuchs gemacht. Wenn er die Kinder hat spielen sehen, hat er oft einfach mal etwas in die Nachwuchskasse gespendet.“ Ein Mann mit Herz und Seele – wie auch der DSC 1900 ein Verein mit Herz und Seele war.

Nach der Fusion nicht wohlgefühlt

Dennoch hörten die 1900er genau zu, als 1968 die ersten Anfragen alter Spielverein-Mitglieder kamen. „Damals war Willi Hoffarth der Vorsitzende. Ich selbst gehörte dem Fußballausschuss des DSC an“, so Hering. „Viele ehemalige Mitglieder des Duisburger SV fühlten sich nach der Fusion bei Eintracht Duisburg nicht wohl.“ Jupp Schieren beispielsweise, oder auch Walter „Backes“ Driesen, Paul Kiepe, Eddy Ingenfeld, Rainer und Peter Beckmann. Sie alle kamen auf den DSC 1900 zu – mit einem Vorschlag. Sie würden sich den 1900ern anschließen – wenn sich der DSC in Duisburger Spielverein 1900 umbenennen würde. Als nettes Gastgeschenk kam das Versprechen finanzieller Aufwendungen dazu, um die Zukunft des Vereins zu sichern. Und 1969 wurde dieser Vorschlag in die Tat umgesetzt. „Ich denke, allen beim DSC 1900 war einfach klar, dass das für unsere Zukunft das Beste ist. Niemand hatte das Gefühl, die eigene Geschichte zu verlieren. Wir blieben ja wir. Schließlich war es nur eine Umbenennung und keine Fusion“, erklärt Hering.

Bei einer Versammlung im Café Kühn stimmten die Mitglieder zu. Dieser feine Unterschied war offenbar wichtig – denn einige Jahre zuvor gab es die Idee der Bildung eines „1. FC Duisburg“ durch die Fusion des alten Spielvereins mit dem DSC 1900 und Duisburg 08. Eine Idee, die keine Zustimmung fand. 1969 entstand aber der DSV 1900 mit den Farben Schwarz, Weiß und Rot. Schwarz-Weiß waren die 1900er, Rot-Weiß der Spielverein.

Die „geistige“ Verschmelzung ging kurz darauf weiter. Der DSC 1900 war bis dahin an der Wacholderstraße beheimatet gewesen. Dort, wo heute der FC Taxi kickt. 1973 kam das Angebot, an die Düsseldorfer Straße umzuziehen, wo zuvor der alte Spielverein zu Hause war. „Die Alten Herren des Spielvereins haben auch weiterhin bei uns gespielt“, berichtet Hering. So sind „DSVer“ schnell beim DSV 1900 heimisch geworden. Heinz Kaiser beispielsweise ist noch heute bei jedem Heimspiel an der Düsseldorfer Straße dabei. „Manche alte 1900er sagen aber auch heute noch manchmal DSC“, sagt Hering mit einem Augenzwinkern.

Die Eintracht ist ohne Wenn und Aber der offizielle Nachfolger des ruhmreichen Duisburger SV. Doch im Herzen der Fußballer beim DSV 1900 pochen eben zwei Herzen. Das des DSC 1900. Und eben auch das des Spielvereins, der vor 50 Jahren zum Namensgeber wurde.

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