Fußball-Bundesliga

Genie und Wahnsinn bei Fortunas Kasim Adams

Kasim Adams im Kopfballduell mit dem Schalker Ozan Kabak (links).

Kasim Adams im Kopfballduell mit dem Schalker Ozan Kabak (links).

Foto: Bernd Thissen / dpa

Düsseldorf.  Die Leistungen von Kasim Adams schwanken stark. Fortunas Trainer Friedhelm Funkel weiß noch nicht ganz, wie er damit umgehen soll.

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Friedhelm Funkel kann lachen, als er auf Kasim Adams angesprochen wird. Doch wie es um den Gemütszustand des Fortuna-Trainers gestanden hätte, wäre sein Team nicht mit einem 3:3 auf Schalke vom Platz gegangen, bleibt fraglich. „Er hat eine ordentliche Leistung gebracht“, sagt der 65-Jährige, gibt dann aber einen noch tieferen Einblick in seine Gedanken zum stämmigen Innenverteidiger: „Kasim spielt manchmal ein bisschen waghalsig und zu leichtsinnig. Damit muss ich mich erst noch anfreunden. Ob ich das kann, weiß ich noch nicht. “

In Gelsenkirchen war der ghanaische Nationalspieler, der am Donnerstag mit seinem Heimatland gegen Südafrika um die Teilnahme an der Afrikameisterschaft kämpfen wird, bei allen Gegentoren in direkter Nähe des Schützen. „Das erste Tor darf so nicht passieren. Da haben sich Kasim und Andre zu einfach ausspielen lassen“, betont Funkel, nimmt Adams dafür beim wuchtigen Kopfball zum 2:1 der Schalker in Schutz: „Das war ein toller Eckball, das war einfach super gemacht. Das ist nicht so einfach zu verteidigen, wie es vielleicht aussieht. Kaan war eingeteilt, Kasim war am Mann, aber Ozan Kabak ist eben noch höher gesprungen. Da mache ich keinem einen Vorwurf.“

Slapstick beim dritten Gegentor

Beim 3:2 der Hausherren, das Andre Hoffmann passend als „Slapstick“ titulierte, misslang Adams erst ein Befreiungsschlag, dann fälschte er den Ball noch unhaltbar für Torhüter Zack Steffen ab. „Vor dem dritten Gegentor müssen wir besser verteidigen – keine Frage“, sagt Funkel, und kündigt an, das Gespräch mit dem 24-Jährigen zu suchen: „Wir werden darüber noch sprechen müssen. In manchen Situationen muss ich als Trainer schon die Luft anhalten.“

Es war die schwierigste Personalie für die Düsseldorfer Verantwortlichen in der Sommer-Transferperiode. Lange wurde nach einem Innenverteidiger gesucht. Viele Kandidaten waren im Gespräch. Am Ende lotste Sportvorstand Lutz Pfannenstiel seinen alten Bekannten aus Hoffenheimer Zeiten an den Rhein. Für ein Jahr wurde Adams von der TSG ausgeliehen – ohne Kaufoption.

Von den ersten elf Ligaspielen absolvierte Adams sieben, sechs von Beginn an. In den vergangenen fünf Begegnungen stand er immer in der Startelf – mal in einer Vierer-, mal in einer Dreierkette, immer als linker Mann, auch wenn er kein Linksfuß ist.

Und das ist Teil des Problems: Wenn Adams den Spielaufbau über die linke Seite anstrebt, versucht er manchmal in Franz-Beckenbauer-Manier den Ball per Außenrist zum Mitspieler zu bringen. Klappt es, sieht es höchst elegant aus. Doch die Fehlerquote ist durchaus hoch, was Funkel zum Haare raufen bringt. Ähnlich nervenaufreibend für den Trainer ist Adams’ teils sorgloser Umgang mit der Kugel nach Ballgewinn. Auch im Stellungsspiel offenbart Adams immer mal wieder Schwächen.

Dennoch möchte Funkel auf den 1,90-Meter-Mann, bei all dem, was er noch lernen muss, ungern verzichten. Denn Adams bringt eine bemerkenswerte Robustheit im Zweikampf mit. Genau das, was der Coach sehen möchte. Und so ist Funkel bemüht, sich mit den Schwächen des ehemaligen Spielers von Young Boys Bern anzufreunden. (erer)

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