Fußball

Fortuna Düsseldorf sucht den Weg in die Tiefe

Als man sich noch in der 2. Liga traf: Marcel Sobottka (rechts) und Aues Dimitrij Nazarov im Januar 2018.

Als man sich noch in der 2. Liga traf: Marcel Sobottka (rechts) und Aues Dimitrij Nazarov im Januar 2018.

Foto: Marius Becker / dpa

Düsseldorf.  In der zweiten Runde des DFB-Pokals geht es heute gegen Zweitligist FC Erzgebirge Aue. Fortuna Düsseldorf benötiget Ideen und Spielfreude.

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Die Ernüchterung war groß. Nicht allein wegen des Ergebnisses – mehr noch als die 0:2-Niederlage beim Tabellenletzten SC Paderborn enttäuschte am Samstag die spielerische Darbietung von Fortuna Düsseldorf. Nicht zum ersten Mal zeigte sich, dass der Fußball-Bundesligist häufig ernste Probleme bekommt, wenn er selbst das Spiel machen muss. Der Fortuna-Kader ist nun einmal darauf angelegt, dem Gegner mehr Ballbesitz zu gestatten und dann nach Eroberung der Kugel schnell umzuschalten. Das ist gegen die allermeisten Teams in der Bundesliga auch sinnvoll – aber eben nicht gegen einen Kontrahenten, der selbst abwartend agiert.

Und genau das taten die Paderborner. Durchaus überraschend, wenn man ihren kompromisslosen Angriffsfußball der Spieltage zuvor betrachtet. SCP-Trainer Steffen Baumgart trickste damit seinen alten Lehrmeister Friedhelm Funkel aus, dessen System mit sieben defensiv orientierten Feldspielern und drei Spitzen damit ins Leere lief.

Aue wird defensiv spielen

Am Mittwoch nun droht den Düsseldorfern grundsätzlich eine ähnliche Gefahr – mit dem Unterschied freilich, dass diesmal von vornherein klar ist, dass Fortunas Gast sein Heil zuvorderst in der Defensive suchen wird. Zweitligist FC Erzgebirge Aue stellt sich ab 20.45 Uhr zur zweiten Runde des DFB-Pokals in der Arena vor, und dessen Trainer Dirk Schuster wird ganz sicher mit Interesse beobachtet haben, wie schwer sich die Fortunen mit einem tief stehenden Abwehrriegel tun.

„Wir werden viel Geduld brauchen“, ahnt Funkel voraus, „denn Aue verteidigt sehr diszipliniert.“ Und wenn das den „Veilchen“ aus Sachsen einmal nicht ganz so perfekt gelingt, dann machen sie das mit enormem Kampfgeist wieder wett. So wie beim 4:3-Heimsieg über den hochgewetteten Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg, als sie ungewohnte eigene Abwehrschnitzer wegsteckten und immer wieder zurückschlugen.

Diese Qualitäten führten den FC Erzgebirge geradezu sensationell auf Platz vier der Zweitligatabelle. „Aue ist aktuell eine Spitzenmannschaft der Zweiten Liga“, betont Funkel. „Und um ein Zitat meines Leverkusener Kollegen Peter Bosz auf uns umzumünzen: Wir sind nicht gut genug, um sagen zu können, dass wir gegen den FC Erzgebirge gewinnen müssen.“

Es muss sich einiges ändern

In Paderborn war es Fortuna ganz sicher nicht. Deshalb wird sich nicht nur wegen der ohnehin geplanten Pokal-Rotation vieles ändern müssen. Vor allem in der Spielanlage: Funkel monierte am Samstag völlig zu Recht, dass es die Außenspieler nicht verstanden hätten, mit tiefen Läufen hinter die Abwehr zu kommen. Das lag zum einen daran, dass die offensiven Außen Dawid Kownacki und Bernard Tekpetey zu oft nach innen zogen, zum anderen aber auch an der fehlenden Kreativität des Mittelfeldes. Adam Bodzek und Matthias Zimmermann, in Paderborn als zentrale Kräfte aufgeboten, haben schon oft ihren großen Wert für Fortunas Defensive nachgewiesen – mit der Organisation des Angriffsspiels waren sie in Paderborn jedoch überfordert.

In dieser Konstellation liegt auch eine Chance, namentlich für Marcel Sobottka. Der 25-Jährige galt jahrelang als der heimliche, zumindest aber kommende Kapitän Fortunas, war doch deren Schaltzentrale in dieser Zeit überhaupt nicht ohne ihn denkbar. Die Endphase der vergangenen und das erste Viertel der aktuellen Saison verliefen für Sobottka jedoch zum Vergessen. Einem Bänderriss im Januar folgten diverse muskuläre Probleme, so dass der gebürtige Gelsenkirchener die letzten fünf Partien der alten Spielzeit verpasste und in der neuen nur zu zwei Kurzeinsätzen kam.

„Marcel wird noch seine Spiele für uns machen“, versichert Funkel, und vieles spricht dafür, dass es am Mittwoch soweit ist. An der Seite des wie er mit Ideen ausgestatteten Alfredo Morales sowie der ohnehin offensiv orientierten Oliver Fink oder Lewis Baker könnte Sobottka neue Impulse für das zuletzt extrem statische Düsseldorfer Spiel bringen.

Die Stimmung bei Profis und Trainers, so betont Funkel, sei jedenfalls sehr gut: „Wir haben keinen Grund für Negativgedanken.“ Im Gegenteil, der 65-Jährige gönnt sich ausnahmsweise einen Traum: „Im Hinterkopf ist immer Berlin. Mein großer Wunsch ist es, noch einmal als Trainer im Pokalfinale zu stehen.“ Das nächste Etappenziel dafür heißt Sieg gegen Aue. (jol)

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