Fußball-Bundesliga

Fortuna Düsseldorf macht mit Vorstand Röttgermann weiter

Wirkte nicht immer glücklich: Thomas Röttgermann.

Wirkte nicht immer glücklich: Thomas Röttgermann.

Foto: Janning

Düsseldorf.  Fußball-Bundesligist Fortuna Düsseldorf hält an Vorstandschef Thomas Röttgermann fest. Das beschloss vor dem Paderborn-Spiel der Aufsichtsrat.

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Für Fortunas Aufsichtsrat ist die Sachlage klar: Thomas Röttgermann ist in seiner kurzen Amtszeit als Vorstandschef – bildlich gesprochen – in alle Fettnäpfchen getreten, in die er nur treten konnte. Doch aus Sicht des Aufsichtsrates waren es eben nur Fettnäpfchen. Und diese Fehltritte waren dem Kontrollgremium nicht Grund genug, um den 59-Jährigen wieder vor die Tür zu setzen. Stattdessen bekunden alle Beteiligten nun, die Uhr auf Null setzen. Alle eint dabei ein Ziel: Endlich Ruhe einkehren zu lassen bei der Fortuna.

Fünf Wochen hat sich der Aufsichtsrat Zeit genommen, um die so genannte App-Affäre rund um Röttgermann aufzuarbeiten. Diese Aufgabe war allem Anschein nach gar nicht so leicht, hatte der Vorstandschef doch im Zuge der Veröffentlichung seiner E-Mails weitere E-Mails einfach gelöscht. Also wurde geforscht, mit vielen Leuten gesprochen und wurden verschollen geglaubte E-Mails auf anderem Wege beschafft. Alles, um herauszufinden, inwieweit Thomas Röttgermann denn nun wirklich einer Nebenbeschäftigung nachgegangen ist.

Streit um die Fußball-App

Das „Handelsblatt“ und „Der Spiegel“ hatten Mails veröffentlicht, die nahelegten, dass Röttgermann zusammen mit Felix Welling (VfL Wolfsburg) und Ingo Schiller (Hertha BSC) die Idee einer Fußball-App auch nach Amtsantritt bei Fortuna weiter vorantrieb – ohne das mit dem Aufsichtsrat abgestimmt zu haben. Nur peu à peu gab Röttgermann das auch im Nachhinein vor dem Aufsichtsrat zu, beharrte dabei aber stets auf seiner Darstellung, nicht mehr operativ bei der App-Idee eingegriffen zu haben.

Nun teilte der Verein am Freitag mit: „Es hat sich (...) herausgestellt, dass die anderen Mitwirkenden zur Entwicklung der App-Idee die Darstellung von Thomas Röttgermann bestätigt haben, dass er aus der unternehmerischen Zusammenarbeit mit dem Beginn seiner Tätigkeit bei Fortuna Düsseldorf ausgestiegen ist und in der Folge nur noch unterstützend tätig war.“

Weiter heißt es: „Der Aufsichtsrat ist weiter davon überzeugt, dass Thomas Röttgermann zusammen mit seinen Vorstandskollegen Lutz Pfannenstiel und Christian Koke der Richtige ist, um Fortuna auf dem eingeschlagenen Weg weiter nach vorne zu bringen.“

Röttgermann bekommt also vom Gremium um den Vorsitzenden Reinhold Ernst das Vertrauen ausgesprochen. Das ist vor allem mit der Hoffnung verknüpft, dass der Vermarktungsexperte in den kommenden Monaten und Jahren das abliefert, wofür er geholt wurde: Mehr Erlöse generieren und Fortuna als Verein im großen Fußballgeschäft weiterentwickeln.

Einer, den Röttgermann dafür gern in Düsseldorf an Bord hätte, ist eben jener Felix Welling. Deshalb nahm er den Mann, mit dem er schon beim VfL Wolfsburg zusammengearbeitet hatte, bereits im August unter Vertrag. Die Tinte ist längst getrocknet. Ab Dezember wird Welling laut Arbeitspapier neuer Direktor Strategie, Marke, Geschäftsentwicklung und Digitalisierung. Sein Vorgänger Alexander Steinforth wurde bereits freigestellt, eine juristische Auseinandersetzung zur Rechtmäßigkeit dieser Freistellung läuft noch.

Nach Informationen unserer Redaktion hat der Aufsichtsrat Röttgermann nahegelegt, die Personalie Welling im Hinblick auf die App-Affäre noch einmal zu überdenken. Gut möglich, dass Röttgermann das Gespräch mit dem Wolfsburger Welling suchen wird, um zu erörtern, ob ein Engagement bei der Fortuna im neuen Jahr mit dem Rucksack der App-Affäre wirklich sinnvoll erscheint.

Ungeschickte Äußerungen

Die weitere Zusammenarbeit mit Röttgermann ist auch mit dem klaren Wunsch verbunden, dass der Vorstandschef aus den vergangenen Monaten lernt und Fettnäpfchen jeglicher Art in Zukunft links liegen lässt. Dazu gehören auch ungeschickte öffentliche Äußerungen.

Röttgermann hatte sowohl am damals noch nicht gewählten Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Fritz Keller, als auch an Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies öffentlich Kritik geübt. Zudem beharrte Röttgermann in mehreren Interviews darauf, dass Fortuna für den Deal um Benito Raman und Bernard Tekpetey mehr als 13 Millionen Euro vom Ligakonkurrenten FC Schalke 04 bekommen würde – und verstieß damit gegen eine Verschwiegenheitsklausel.

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