Deutsche Eishockey-Liga

Düsseldorfer EG kämpft gegen die Finanzkrise

Zukunft ungeklärt: Johannes Johannesens Haltung ist sinnbildlich für die DEG und das Eishockey.

Zukunft ungeklärt: Johannes Johannesens Haltung ist sinnbildlich für die DEG und das Eishockey.

Foto: Thomas Hahn / imago

Düsseldorf.  Das vorzeitige Saisonende reißt ein Millionenloch in die Kasse der Düsseldorfer EG. Die Höhe ist derzeit noch gar nicht absehbar.

Eigentlich sollte jetzt die heiße Phase der Play-off-Vorbereitungen beginnen. Am Dienstag hätte für die Düsseldorfer EG das erste Viertelfinalspiel bei den Eisbären Berlin auf dem Programm gestanden – doch stattdessen sind die ersten ausländischen Spieler bereits am Freitagmorgen in ihre Heimat geflogen. „Sie hatten gar keine Wahl“, berichtet Niki Mondt, Sportlicher Leiter des achtmaligen Deutschen Eishockey-Meisters. „Als Donald Trump die Einreisesperre aus europäischen Ländern in die USA verkündete, brach bei einigen Spielern Stress aus, um nicht zu sagen Panik. Sie hatten schlichtweg Angst, nicht mehr in ihre Heimatländer zurückzukommen.“

Es ist eine skurrile, aber auch sehr plakative Episode, die zeigt, was das Coronavirus in der Sportszene angerichtet hat. Die Deutsche Eishockey Liga war die erste in den großen Sportarten, die das vorzeitige Saison­ende verkündet hat, und an der Berechtigung hat DEG-Geschäftsführer Stefan Adam keine Zweifel. „Als wir am Dienstag eine Telefonkonferenz mit allen DEL-Vertretern abgehalten haben, war sofort klar, dass die Entscheidung alternativlos ist“, erklärt Adam. „Die Atmosphäre war kollegial, aber auch bedrückt. Uns allen war klar, was das emotional bedeutet.“

DEG erleidet hohe Verluste

Emotional, aber mindestens ebenso wirtschaftlich. Der DEG fehlen, wie den übrigen Play-off-Teilnehmern auch die Einnahmen aus mindestens zwei Viertelfinalspielen. Im besten Fall hätten es für die Düsseldorfer neun, theoretisch sogar elf Heimspiele werden können, sofern sie bis einschließlich Finale jeweils über die komplette Best-of-Seven-Serie gegangen wären. „Wir können den konkreten Verlust gar nicht beziffern“, sagt Adam, wohl wissend, dass er durch fehlende Einnahmen in siebenstelligen Höhen liegt.

„Zudem müssen wir in mittelbare und unmittelbare Folgen des vorzeitigen Saisonendes unterscheiden“, erklärt der Geschäftsführer. „Unmittelbar sind da neben den Tickets auch die Fanartikel, deren Absatz in den Play-offs stets drastisch steigt, und die Prämien. Wir hatten solche natürlich für das Erreichen der Play-offs ausgelobt, aber jetzt ist die Frage: Können wir sie überhaupt bezahlen? Denn selbstverständlich waren diese Prämien mit den zu erwartenden Erlösen verknüpft.“ In dieser Frage geht Adam aber von der Solidarität der potenziellen Empfänger – wie Spielern und Trainern – aus und glaubt, sie in ersten kurzen Gesprächen auch festgestellt zu haben.

Auswirkungen auf Sponsoren

Schwieriger könnte die Lage im Sponsoring sein. „Wer vermag heute schon zu sagen, ob manche unserer aktuellen und potenziellen Partner durch die Coronakrise wirtschaftliche Probleme bekommen?“, fragt Adam. Zudem können positive Effekte, die erfolgreiche Play-offs in den Verhandlungen mit möglichen Sponsoren beisteuern können, nun nicht eintreten.

Welche Folgen das für den Etat der nächsten Saison haben wird, kann aktuell bei der DEG niemand einschätzen. „Fest steht, dass wir im Moment nicht den nächsten Schritt auf unserem Weg machen können, unsere wirtschaftliche Stabilität weiter zu verbessern und uns unabhängiger von unseren Gesellschaftern zu machen“, gibt Adam zu. „Wir hoffen aber natürlich, dass wir in den nun folgenden sechs Monaten Spielpause viel Positives bewegen können.“

Erste Spieler in der Heimat

Die Abteilung Sport kann das zunächst einmal nicht mehr. Luke Adam, Reid Gardiner und Marc Zanetti flogen als erste in die Heimat, auch für die anderen Profis wird es kein Training und wegen Corona auch keine Abschiedsfeier mehr geben. „Luke hatte sogar in der Nacht Flüge gebucht“, berichtet Mondt. „Zum Glück, denn am Morgen hätte er keine mehr bekommen.“ Über neue Verträge werde nun in Ruhe gesprochen und entschieden, und ein Termin steht schon: Am 2. Mai beginnt für die deutschen Spieler das Sommertraining. Wenn es Corona denn zulässt. (jol)

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