Fußball-Bundesliga

Der 66-Meter-Sololauf des Kenan Karaman

„Ich hab’s gemacht“: Kenan Karaman bejubelt seinen Treffer zum 2:0.

„Ich hab’s gemacht“: Kenan Karaman bejubelt seinen Treffer zum 2:0.

Foto: Marius Becker/dpa

Düsseldorf.   Beim 4:1 der Fortuna gegen Bremen überzeugt der 25-jährige Angreifer mit einer schönen Vorlage und einem Treffer Marke „Tor des Monats“.

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Na, wann spielt er denn endlich ab? Das denken sich viele Beobachter in der Düsseldorfer Arena um 15.52 Uhr. Die Antwort: Gar nicht. Kenan Karaman läuft und läuft und läuft. Und am Ende erzielt er nach einem 66-Meter-Sololauf das 2:0 für Fortuna gegen Werder Bremen – ein absolutes Traumtor. Für Karaman ist es ein ganz wichtiges Erfolgserlebnis.

Karaman bekommt den Ball in dieser 22. Spielminute in der eigenen Hälfte rund zehn Meter vor der Mittellinie von Adam Bodzek zugespielt. Er setzt zum Konter an. „Ich habe den freien Raum gesehen und bin mal losmarschiert“, erzählt Karaman später. Kurz hinter der Mittellinie schüttelt der 25-Jährige Theodor Gebre Selassie ab. Nuri Sahin kommt auch nicht mehr hinterher. Vor Karaman bindet Rouwen Hennings die Bremer Innenverteidiger, links läuft der blitzschnelle Dodi Lukebakio mit.

„Spiel doch!“

Jetzt kommt der Moment, in dem der fußballkundige Zuschauer schreit: „Spiel doch rüber zu Dodi!“ Doch Karaman spielt nicht. „Wenn ich ehrlich bin, habe ich da keinen Mitspieler gesehen. Ich war so fokussiert auf das Tor“, erklärt der Stürmer. Und so biegt Karaman kurz vor dem Strafraum leicht rechts ab, lässt Niklas Moisander stehen und setzt im Strafraum zum finalen Akt dieser unglaublichen Aufführung an: Mit einer Körpertäuschung lässt Karaman auch noch Sebastian Langkamp und den zurückgeeilten Gebre Selassie lässig aussteigen. In einer flüssigen Bewegung schlenzt Karaman schließlich den Ball mit dem linken Fuß an Jiri Pavlenka vorbei ins linke Toreck. Die Fortuna-Fans in der mit 52.500 Zuschauern ausverkauften Arena flippen völlig aus. „Dass dieses Solo dann mit einem Tor gekrönt wird, ist überragend“, sagt Karaman nüchtern und bekennt: „Ja, das war definitiv das schönste Tor meiner Karriere.“

Mit 61 Spielen für Hannover in der höchsten deutschen Spielklasse war Karaman vor der Saison der erfahrenste Bundesliga-Profi in Fortunas Kader. Allein das sprach schon – neben seinen Qualitäten – für eine Hauptrolle. Es kam anders: 18 Mal spielte der gebürtige Stuttgarter, aber nur sieben Mal von Beginn an. „Kenan hat nicht viele Spielanteile von mir bekommen“, sagt Trainer Friedhelm Funkel nach dem Bremen-Spiel. „Er hat aber nie aufgesteckt, und ich habe ihm gesagt, dass ich im kommenden Jahr zu 100 Prozent auf ihn baue.“

„Er weiß, dass ich noch mehr kann“

Vom regen Austausch mit Funkel berichtet auch Karaman, der noch bis 2021 unter Vertrag steht. „Ich hatte ein ausführliches Gespräch mit dem Trainer. Er fordert viel von mir. Er weiß, dass ich noch mehr kann und will mich immer nach ganz oben pushen. So ein Gespräch tut gut. Ich war immer bereit, heute hat mir der Trainer die Chance gegeben, und ich wollte etwas zurückgeben. Ich glaube, das ist mir sehr gut gelungen“, sagt Karaman. „Ich dachte mir schon vor der Partie: ‚Heute musst du mal einen raushauen.’ Ich bin überglücklich, dass es dann so gut geklappt hat.“

Von einem gelungenen Auftritt darf man getrost sprechen, denn neben dem Traumtor hinterließ Karaman insgesamt einen sehr guten Eindruck und bereitete zudem das 3:1 von Sturmpartner Hennings mit einer perfekt getimten Flanke vor.

Das freute nicht nur Karaman, sondern auch seinen türkischen Nationalmannschafts-Kollegen Kaan Ayhan: „Er ist schließlich mein langjähriger Kumpel und Zimmerkollege, deshalb macht es mich besonders froh, dass er sich so belohnt für seinen Aufwand.“ (erer)

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